KommentarErster Zwischenbericht des US-Aufpassers bei VW VW gewaltig unter Druck

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VW muss in den kommenden Jahren die Vorgaben des US-Aufpassers Larry Thompson beim Aufbau eines Abwehrsystems gegen Betrügereien erfüllen, sonst drohen weitere Strafzahlungen in Milliardenhöhe, meint Harry Pretzlaff.

Larry Thompson beaufsichtigt, ob Foto: dpa
Larry Thompson beaufsichtigt, ob Foto: dpa

Stuttgart - Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Nach dieser Devise hat das US-Justizministerium VW einen Aufpasser verpasst, der sicherstellen soll, dass sich der Abgasskandal nicht wiederholen kann. Dies ist Teil der Vergleichsvereinbarung, die der Autoriese mit dem Justizministerium getroffen hat. Drei Jahre lang soll der Kontrolleur begutachten und beaufsichtigen, ob die im Rahmen des Vergleichs verlangte Stärkung von Maßnahmen zur Gewährleistung eines rechtlich und ethisch sauberen Verhaltens umgesetzt werden. Zudem soll das Berichts- und Kontrollsystem so ausgebaut werden, dass Betrügereien und krumme Geschäfte in Zukunft möglichst verhindert werden.

Der Druck auf VW ist enorm, denn sollte der Aufpasser Larry Thompson nach drei Jahren dem Konzern kein gutes Zeugnis ausstellen, könnte der Rechtsstreit mit dem US-Justizministerium im schlimmsten Fall wieder aufflammen, und es drohten weitere Milliardenstrafen.

Bei VW gibt es großen Nachholbedarf

Ganz ausschließen kann man krumme Geschäfte in einem Konzern mit weltweit 640 000 Mitarbeitern nie. Doch es können Strukturen geschaffen werden, die das Risiko verringern und gewährleisten, dass Betrügereien intern rascher aufgedeckt werden. Dazu gehört auch, dass Mitarbeiter den Mut haben, auf Fehlentwicklungen hinzuweisen und Vorgesetzten auch mal zu widersprechen. Dafür gibt es bei VW einen großen Nachholbedarf. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Dieselbetrügereien bei mehreren Marken auf mehreren Kontinenten über viele Jahre hinweg fortgesetzt werden konnten.

Das Beispiel Daimler kann VW Hoffnung machen

VW orientiert sich beim Aufbau neuer Kontrollsysteme und der Schulung der Mitarbeiter an den Erfahrungen von Daimler. Der Stuttgarter Autoriese schloss 2010 einen ähnlichen Vergleich mit dem US-Justizministerium wie VW vor anderthalb Jahren. Nach Unterlagen der US-Justizbehörden hatten Mitarbeiter des Stuttgarter Konzerns über Jahrzehnte hinweg in zahlreichen Ländern Schmiergelder gezahlt, um Aufträge zu erhalten.

Das Beispiel Daimler kann den VW-Managern Hoffnung machen, denn auch der Daimler-Aufpasser Louis Freeh zeigte sich wie jetzt Larry Thompson in seinem ersten Zwischenbericht alles andere als zufrieden. Doch als Freeh seine Aufgabe beendete, lobte er die Stuttgarter in höchsten Tönen.