Erstes Digital Heroes Festival in Stuttgart Wie man zum digitalen Helden wird

Von Uwe Bogen 

Wie wird man zum Helden, wenn der Fortschritt kaum Grenzen kennt? Eine Botschaft des Digital Heroes Festivals mit 1000 Teilnehmern, darunter Ex-VW-Chef Matthias Müller, an Firmen lautet: Wer jetzt nicht handelt, verliert.

Manuel Ellwanger (links) und Phil Hagebölling  (rechts), die Macher des ersten Digital Heroes Festivals in den Stuttgarter Wagenhallen, im analogen Konfettiregen mit dem früheren VW--Chef Matthias Müller. Foto: Andreas Engelhard 7 Bilder
Manuel Ellwanger (links) und Phil Hagebölling (rechts), die Macher des ersten Digital Heroes Festivals in den Stuttgarter Wagenhallen, im analogen Konfettiregen mit dem früheren VW--Chef Matthias Müller. Foto: Andreas Engelhard

Stuttgart - Zeig mir deinen Ärmel, und ich weiß, wer du bist! Digital Heroes tauschen keine gedruckten Visitenkarten aus wie ihre Väter, sie halten sich gegenseitig ihre QR-Codes hin. Mustafa Göktas, der beim ersten Digital Heroes Festival in den Stuttgarter Wagenhallen etwa 30 Speaker, Influencer, Visionäre, Technikjünger, Software-Entwickler und Querdenker interviewt, trägt ein weißes Sweatshirt. „#digitalrevolution“ steht hinten drauf, und vorne ist eine Zeichenkette abgebildet. „Scan me“, sagt „Musti“; wie ihn seine Freunde nennen.

Die analogen Visitenkarten, die Pappkameraden von einst, versauern als Karteileichen in der Brieftasche – über die QR-Codes hingegen verbindet man sich schnell in den sozialen Medien. Der schöne „Musti“, der als Model arbeitet und als Werbegesicht meist Anzüge trägt, ist für einen langen Festivaltag mit vielen Diskussionen und einer Flut an Informationen in den weißen Baumwollpulli mit Bändel geschlüpft, um auch optisch zu zeigen, was beim Treffen der meist jungen Digitalexperten gilt: Hier ist man locker drauf! Man ist bereit, alte Abläufe über den Haufen zu werfen, völlig neu zu denken und dafür Hierarchien niederzureißen!

Es kamen deutlich mehr Besucher als erwartet

Das Fazit von Mustafa Göktas nach seinen Interviews mit den Experten und nach Gesprächen mit Besuchern: „Alle sind bereit für die Digitalisierung und freuen sich darauf, was kommt.“ Es reiche aber nicht, findet der Moderator, nur bereit zu sein. „Besonders dem Mittelstand muss noch klarer werden, dass man sich mit der Digitalisierung neu aufstellen muss, um nicht abgehängt oder gar komplett gelöscht zu werden.“

Vor allem Vertreter mittelständischer Unternehmen haben das Festival in den Wagenhallen gebucht, das zwei junge Stuttgarter auf die Beine gestellt haben. Phil Hagebölling ist 28 Jahre, sein Geschäftspartner Manuel Ellwanger 24. Ihre Firma heißt Innovation Heroes GmbH. In ihren kühnsten Träumen hatten sie sich nicht vorstellen können, 1100 Karten für den Expertentag zu verkaufen. Weil die Nachfrage so groß war, mussten weitere Stuhlreihen aufgebaut werden. Gleich in zwei Sälen hat man parallel Speaker wie Christoph Keese (sein Rat angesichts des Silicon-Valley-Vorbilds: „Kapieren, nicht kopieren“) und Influencer wie Ex-Fußballer Hans Sarpei und Tim Gabel auftreten lassen. Mitveranstalter ist die Referentenagentur Speaker Excellence, die etliche Stars der Rede-Branche unter Vertrag hat.

Von morgens bis abends ist Ex-VW-Chef Matthias Müller dabei

Von morgens bis abends als wissbegieriger Zuhörer dabei ist Matthias Müller, der frühere Chef von VW und Porsche. Nicht allein an seiner Freundin, der TV- Nachrichtenfrau Jule Gölsdorf, liegt dies, die das Bühnenprogramm moderiert. Der 65-Jährige schwärmt vor allem für die Startup-Gründer. „Die Geschäftsidee von Hotelshop.one ist genial“, sagt Müller. Das junge Stuttgarter Unternehmen hat eine Software für Hotels entwickelt. „Hotels verdienen immer weniger an der Übernachtung des Gastes“, sagt Patrick Deseyve, einer der Gründer. Die Idee: Ähnlich wie Fluglinien in der Luft Uhren, Schmuck und Parfum verkaufen, können auch Hoteliers durch Zusatzverkäufe neue Einnahmequellen erschließen. Über ein QR-Code kann das vergessenen Ladekabel, Souvenirs oder Nackenkissen bestellt werden – oder man lässt sich ein Exemplar der Matratze, auf der man im Hotel so gut geschlafen hat, nach Hause schicken.

Immer wieder wird Veranstalter Phil Hagebölling beim Digital Heroes Festival gefragt, wie man als Firma mit seinen Posts bei Instagram und Facebook besser auffällt. „Die Anbieter engen die Spielräume immer weiter ein“, weiß der 28-Jährige, „damit für höhere Reichweiten bezahlt wird.“ Immer wichtiger seien bewegte Bilder, aber nur kurze Filme, sowie Authentizität: „Geschönte Fotos bringen nichts. Die User wollen Ehrlichkeit sehen, also Pickel statt durch Beauty-Programme gejagte Gesichter, die austauschbar sind.“ Weil es schwer sei, den Erfolg von Kampagnen vorauszusehen, empfehle es sich, immer gleich drei völlig verschiedene Kampagnen in die Internetwelt zu schicken und dann nur noch die weiterzuverfolgen, die am meisten Reaches hat.

„Die analoge Sehnsucht wird größer“

Während die Fotografen die beiden jungen Festivalmacher mit dem früheren VW-Chef Matthias Müller aufnehmen, fliegen plötzlich Konfetti auf ihre Köpfe. Fabian Seewald, der Chef der riesigen Leuchtfigur Dundu, hat sie geworfen – ganz analoge Schnipsel. Seine Kunst ist gefragter denn je. „Je schneller die Digitalisierung voranschreitet“, sagt er, „desto größer wird die analoge Sehnsucht.“ Nach dem großen Erfolg des Digital Heroes Festivals soll es nächstes Jahr die Fortsetzung geben – die analoge Poesie von Dundu ist willkommen.

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