Erstes Jugendforum in Hemmingen Jetzt sind die Jugendlichen gefragt

Ein Jahrzehnt hat es gedauert, bis der Familienfreizeitplatz in Hemmingen eröffnet hat. Auch die Bürger waren an der Umsetzung beteiligt. Foto: factum/Andreas Weise
Ein Jahrzehnt hat es gedauert, bis der Familienfreizeitplatz in Hemmingen eröffnet hat. Auch die Bürger waren an der Umsetzung beteiligt. Foto: factum/Andreas Weise

Was brennt dem Nachwuchs in Hemmingen auf den Nägeln? Seine Meinung kann er künftig im Jugendforum einbringen. Im besten Fall werden die Projekte dann auch umgesetzt.

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Hemmingen - Öffentlicher Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Aufenthaltsplätze oder Sportanlagen sowie deren Nutzung und Gestaltung: Aus Sicht von Gregor Adam und Jens Konnerth könnten beim ersten Hemminger Jugendforum an diesem Mittwoch (18 Uhr, Gemeinschaftshalle) etliche Anliegen zur Sprache kommen. „Mit diesen Themen muss man rechnen“, sind sich die Sozialpädagogen des Astergartens einig. Das Kinder- und Jugendhaus zeichnet mit der Gemeindeverwaltung verantwortlich für das neue Angebot für mehr als 360 Jugendliche von 14 bis 18 Jahren. „Misch dich ein“, lautet das Motto. „Wir freuen uns, dass es nun eine solche Beteiligung in Hemmingen gibt und auch angestrebt ist, sie längerfristig anzulegen“, sagt Adam.

Hinter dem Projekt steckt die Idee, dass sich junge Hemminger ernsthaft und nachhaltig mit Themen befassen, die sie interessieren. „Wie in der ,erwachsenen’ Politik auch, streben wir einen Prozess an, in dem sich die Jugendlichen mit Themen näher auseinandersetzen, Pro und Kontra diskutieren und Alternativen sowie die Umsetzbarkeit oder Kosten prüfen oder prüfen lassen“, sagt Gregor Adam. Sei ein Projekt spruchreif, werde es wieder in einem Forum präsentiert und dazu abgestimmt. „Anschließend fließt es auf Betreiben der Jugendlichen in die Kommunalpolitik ein, also in die Arbeit von Gemeinderat und Verwaltung – und wird im Idealfall umgesetzt.“

Der Nachwuchs hat das Sagen

Das Jugendforum soll alle sechs Monate stattfinden. Über die Aktivitäten und Projekte sollen Verwaltung wie Ausschüsse immer auf dem aktuellen Stand sein. Grundsätzlich gibt der Nachwuchs vor, was er erwartet, möchte und für sinnvoll hält, sagt Hemmingens Hauptamtsleiter Ralf Kirschner. Er verspricht: „Wir sind ergebnisoffen. Das Ziel ist es, nicht alles abzubügeln, nur weil es zum Beispiel vor Jahren nicht geklappt hat.“

Um zu demonstrieren, dass man Wert auf die Beteiligung der jungen Generation legt, sind beim ersten Treffen ein Vertreter jede Gemeinderatsfraktion dabei, der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) und weitere Mitarbeiter des Rathauses. „Wir wollen für alle Bürger nahbar sein“, sagt Ralf Kirschner – zumal Bürgerbeteiligung mittlerweile „gang und gäbe“ sei. „Jeder darf kommen, sich einbringen und mitgestalten.“ Gleichwohl hätten Jüngere mehr Scheu als Ältere, stellt Kirschner fest. „Das Forum soll Distanzen abbauen und zeigen, dass die Türen offen sind.“ Auch die Jungen sollen unbefangen zum Telefonhörer greifen und im Rathaus anrufen können.

Bei einzelnen Projekten gibt es Mitbestimmung

Auslöser für das Forum sind zwei Hemminger, die laut den Sozialpädagogen des Astergartens auf das Korntaler Gymnasium gehen. Im Herbst fragten sie den Rathauschef nach Beteiligungsmöglichkeiten. Punktuell sei dies im Ort schon immer möglich, sagt Ralf Kirschner: So habe die Verwaltung bei der Gestaltung des Familienfreizeitplatzes oder des neuen Spielplatzes im Schlosspark dafür geworben, dass auch der Nachwuchs Ideen äußert.

Jetzt soll er seine Wünsche und Anregungen regelmäßig benennen können. Einen Jugendgemeinderat hält die Verwaltung dabei nicht für das geeignete Format. Hemmingen sei zu klein, zudem habe es keine weiterführenden Schulen, sagt Ralf Kirschner. Die Vorteile eines Forums liegen für ihn klar auf der Hand. „Jeder kann sich so einbringen, wie er Lust, Zeit und Interesse am Thema hat.“ Jugendgemeinderäte indes seien überall dabei.

Sozialpädagogen: „Angemessene Jugendbeteiligung als Pflicht“

Das Team des Astergartens erwartete diese Entwicklung schon länger. „Die Gemeindeordnung sieht seit 2015 eine angemessene Jugendbeteiligung als Pflicht an“, sagt Jens Konnerth. Jene gebe es in einigen größeren Kommunen im Umkreis bereits. „Da die Hemminger Jugendlichen ausschließlich auswärtige weiterführende Schulen besuchen, können sie dort damit durchaus in Kontakt kommen.“

Jens Konnerth und sein Kollege Gregor Adam finden die Jugendbeteiligung vor Ort „gerade in heutigen Zeiten unerlässlich im Rahmen von Demokratiebildung“. Letztlich leiste sie auch einen wichtigen Beitrag „gegen Politikverdrossenheit und die aktuellen Fehlentwicklungen im gesellschaftlichen und politischen Diskurs, was den Umgang miteinander und die Rücksicht aufeinander angeht“.

Im Gemeinderat fordert die SPD seit Jahren eine Jugendbeteiligung. Bislang lehnte das Gremium entsprechende Anträge ab. Nun bekam der jüngste Antrag grünes Licht. Von 2021 an werden in den Haushalten je 2000 Euro eingestellt.




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