Erstes Rudelsingen im Stuttgart Wer singt, macht keinen Blödsinn

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Das Mitsing-Format Rudelsingen erfreut sich bundesweit großer Beliebtheit. Nun hat es auch in Stuttgart seine Premiere gefeiert. Ein Hit stand dabei besonders hoch im Kurs.

Gemeinsames Singen: Volker Becker am Klavier und Ulric Wurschy am Mikrofon freuten sich über ein sangesfreudiges Publikum. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Gemeinsames Singen: Volker Becker am Klavier und Ulric Wurschy am Mikrofon freuten sich über ein sangesfreudiges Publikum. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Vor anderen zu singen erfordert manchmal etwas Mut. Mit anderen zusammen zu singen kann einfach nur Spaß machen. So war das Interesse am ersten Stuttgarter Rudelsingen groß: Im nahezu voll besetzten Zuschauerraum des Renitenztheaters schmetterten die Sängerinnen und Sänger begeistert Hits wie „Dancing Queen“ oder „Über den Wolken“. Begleitet wurden sie von Volker Becker, Klavier und Akkordeon, und Ulric Wurschy, Gitarre und Gesang. Die Texte, an denen es meist scheitert, wenn man im Freundeskreis gemeinsam singen möchte, wurden per Beamer auf eine Leinwand übertragen. Rudelsingen, das ist wie Karaoke im Schutz einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten.

Die Bandbreite des Rudelsingens ist groß

Als Erfinder des Rudelsingens gilt der Kölner David Rauterberg. Seit 2011 erobert er mit seinen Teams Deutschland vom Norden her. Stuttgart ist vergleichsweise spät dran. „Das hat organisatorische Gründe“, erklärte Rauterberg am Telefon, „es ist nicht leicht, ein Haus zu finden, das bezahlbar ist und vom Ambiente her passt.“ Für das Renitenztheater war das Team Odenwald zuständig: Ulric Wurschy und Volker Becker sind Inhaber einer Musikschule in Groß-Umstadt. Wurschy als Moderator konnte weder seinen hessischen Zungenschlag verhehlen noch die Tatsache, dass er es beruflich oft mit Kindern zu tun hat. Doch seine „Ermahnungen“ an das Publikum, nur beim Singen laut zu sein, wurden mit Humor aufgenommen. Musiker und Sänger verstanden sich bestens.

Die Bandbreite des Rudelsingens ist groß, es muss schließlich für alle Interessenten etwas dabei sein. Die meisten der Besucher, denen das Singen im Rudel den Eintritt von 12 Euro wert ist, waren an diesem Abend Neulinge. Der 55-jährige Ralf Krukenberg zum Beispiel, der mit einer Gruppe von Freunden dabei war, singt sonst höchstens im Auto. „Ich finde es schön, beim ersten Stuttgarter Event dieser Art dabei zu sein, in anderen Städten gibt es das ja schon längst“, meinte er. Claudia Wodrich, die über eine Reportage im Fernsehen auf das Rudelsingen aufmerksam geworden war, wusste zu schätzen, dass an diesem Abend das Können nicht so wichtig war. „Es macht Spaß, und wer singt, macht keinen Blödsinn“, kommentierte sie.

„Auch Männer sind Schweine“ gehört dazu

Schüchtern war an diesem Abend keiner. Kaum erklangen die ersten Takte von „Music was my first Love“, sprang das Publikum auf, stimmte fröhlich mit ein, klatschte locker mit und geriet bei Udo Jürgens’ „Ich war noch niemals in New York“ schnell ins Schunkeln. Ob „Let it be“ von den Beatles, ob „Country Roads“ von John Denver oder Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“: Die Mischung aus Livebegleitung und gelegentlicher Rhythmusmaschine aus dem Playback machte Laune.

Besonders viel Vergnügen bereitete den Protagonisten offensichtlich Henry Valentinos „Im Wagen vor mir sitzt ein schönes Mädchen“, bei dem sich Frauen und Männer abwechselten. Wie so oft erwies sich, dass die Frauen beim Singen in der Mehrheit sind. Moderator Wurschy aber stellte den Stuttgarter Sängern ein gutes Zeugnis aus – um sie später mit „Männer sind Schweine“ von den Ärzten noch etwas mehr aus der Reserve zu locken. Doch auch stillere Momente wie bei Stings „Englishman in New York“ gelangen erstaunlich gut. Teilnehmerin Elisabeth Bartenschlager jedenfalls fühlte sich an das Singen am Lagerfeuer erinnert: „Einer hat die Gitarre dabei, alle stimmen mit ein, und zum Schluss gibt es Reinhard Meys ‚Gute Nacht, Freunde‘“.

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