Erstes Urteil im Prozesskomplex „Team Red“ Haftstrafen für vier Angreifer von Nürtingen

Am späten Abend des 8. Februar hatte es eine Schlägerei in Nürtingen gegeben. Jetzt ist das Urteil gefallen. Foto: SDMG/Kohls

Blutige Auseinandersetzungen haben im Februar die Region bewegt. Die Polizei vermutet einen Bandenstreit. Vor Gericht hat sich das bisher nicht bestätigt. Im ersten von drei Prozessen ist nun das Urteil gefallen.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Nürtingen/Stuttgart - Im Prozess zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen zerstrittenen mutmaßlichen Bandenmitgliedern in Nürtingen am 8. Februar dieses Jahres hat die 3. Große Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts jüngst ein Urteil gefällt. Die vier Angeklagten sind mit Gefängnisstrafen belegt worden. Das Verfahren hatte im September begonnen.

 

Der Hauptangeklagte wurde wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen sowie Widerstands gegen die Polizei in besonders schwerem Fall in Tateinheit mit Bedrohung und Beleidigung zu insgesamt sechs Jahren Haft verurteilt. Zu seinen Gunsten hatte sich ausgewirkt, dass er bereits ein beträchtliches Schmerzensgeld als Wiedergutmachung an die Opfer gezahlt hatte. Die drei Mitangeklagten erhielten wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in zwei tateinheitlichen Fällen und teilweise noch anderen Delikten Haft- beziehungsweise Jugendstrafen von jeweils drei Jahren und neun bis zehn Monaten.

Zwei weitere Prozesse laufen

Zum Hintergrund: Am späten Abend des 8. Februar war die Polizei in die Nürtinger Innenstadt gerufen worden. Zwei Männer seien von 15 bis 20 Personen angegriffen worden. Die Beteiligten flohen vor dem Eintreffen der Beamten. Die beiden Opfer, ein 19-Jähriger und ein 22-Jähriger, wurden teils lebensgefährlich verletzt. Wenige Tage nach dem Vorfall in Nürtingen gab es auch in Plochingen einen Großeinsatz des SEK. Eine Messerstecherei zwischen mehreren Personen war gemeldet worden. Auch Schüsse seien gefallen. Auch bei der Tat in Plochingen wurden zwei Männer verletzt, darunter einer der mutmaßlichen Angreifer.

Die Polizei hatte die Bluttaten bereits Mitte Februar im Zusammenhang gesehen. Telefonüberwachungen hätten den Verdacht ergeben, dass die Beteiligten der 2013 verbotenen Straßengang Red Legion – beziehungsweise einer Nachfolgeorganisation – nahestehen könnten. Demnach könne die Tat in Plochingen als Vergeltungsschlag unter zerstrittenen Bandenmitgliedern gewertet werden. Um die Vorfälle hat sich inzwischen ein Komplex aus drei parallel laufenden Gerichtsverfahren entwickelt. Eines davon ist nun beendet worden. Auch in einem zweiten Verfahren wird möglicherweise noch in dieser Woche plädiert. Im dritten Verfahren dagegen wurden weitere Termine bis Ende April anberaumt.

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