Erstmals mit Bimmelbahn-Shuttle Sindelfinger Straßenfest unter neuer Leitung

Menschen aus zahlreichen Vereinen präsentieren beim Sindelfinger Internationalen Straßenfest die Kultur und Kulinarik ihrer Heimatländer. Foto: Drofitsch/Eibner

Mario Marino ist der neue Chef beim Organisationsverein des Internationalen Sindelfinger Straßenfests (ISF). Der überzeugte Europäer behält Bewährtes bei, hat sich aber auch einige Neuerungen ausgedacht.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Das Internationale Straßenfest Sindelfingen sucht in der Region seinesgleichen: Jahr für Jahr stemmen Ehrenamtliche hier eine Veranstaltung, die über den Zeitraum von drei Tagen rund 200 000 Menschen zusammenbringt. Das Fest feiert die kulturelle und kulinarische Vielfalt all jener Kulturen, die in und um die Daimlerstadt seit Jahrzehnten zum Bevölkerungsbild zählen. In einer Zeit, in der Worte wie multikulti oder bunt oft negativ besetzt sind, ist es durchaus bemerkenswert, dass ein solches Fest seit der Erstauflage im Jahr 1977 Bestand hat und an diesem Wochenende zum 46. Mal stattfindet – unter neuer Leitung, mit neuen Ideen, aber auch mit großer Kontinuität.

 

„Vorurteile kann man nur abbauen, indem man Menschen zusammenbringt“, lautete das Motto von Friedrich Fausten, dem im Februar dieses Jahres verstorbenen Initiators des Internationalen Straßenfests (ISF). Diesen Grundgedanken will Mario Marino nicht nur erhalten, sondern mit neuem Leben füllen. „Viele Kulturen – ein Fest“, lautet der Leitsatz, den der 56-Jährige für die erste Auflage der Veranstaltung unter seiner Regie ausgerufen hat. „Wir wollen damit ein Zeichen setzen“, sagt Marino mit Blick auf den gesellschaftlichen Rechtsruck, der zuletzt auch bei den Kommunal- und Europawahlen sichtbar wurde.

Neuer Vorsitzender will den Europäischen Gedanken pflegen

„Ich bin Europäer“, sagt der in Sindelfingen aufgewachsene Sohn eines aus Kampanien (Region in Italien) stammenden Vaters über sich selbst. Der europäische Gedanke, „dass wir alle in einem Boot sitzen“, sei leider bei vielen Menschen noch nicht angekommen. Beim Straßenfest wird der ISF-Verein deshalb auch Buttons mit dem Festmotto darauf verteilen. Der Verkaufspreis von einem Euro geht an den Arbeitskreis Asyl Sindelfingen. Zudem will der Verein am Wochenende einen Imagefilm drehen lassen, um auch überregional auf die Veranstaltung hinzuweisen.

Das Kamerateam dürfte dabei eine Vielzahl an Eindrücken vor die Linse bekommen: An 124 Ständen – gut einem Dutzend mehr als im Vorjahr – bieten Vereine und lokale Gastbetriebe unterschiedlichste Spezialitäten an und zeigen dabei, wie Völkerverständigung durch den Magen geht. Dazu gibt es Folklore, weitere Tanzdarbietungen, Livebands auf mehreren Bühnen und Begegnungen mit Vertretern von Sindelfingens Partnerstädten, die traditionell mit eigenen Delegationen teilnehmen. Beim traditionellen Partnerschaftsabend bekommt die Bürgerschaft bereits an diesem Donnerstag, 20. Juni, ab 18 Uhr die Gelegenheit zum Austausch mit den angereisten Gästen. Erstmals findet der Abend in der Stadthalle statt.

Nach Rückzug der Vereinschefin stand das Fest auf der Kippe

Daran dass Sindelfingen auch in diesem Jahr wieder ein Straßenfest feiert, hat Mario Marino einen großen Anteil. „Es stand auf der Kippe“, blickt der bisher als Moderator und Sänger beim Straßenfest aktive Sindelfinger zurück auf den Herbst 2023. Bei der Hauptversammlung hatte sich keine Nachfolge für die bisherige Vereinschefin Andrea Santana gefunden. Diese hatte im letzten Jahr angekündigt, sich aus der zeit- und arbeitsintensiven Leitungsfunktion zurückziehen zu wollen. „Das hat Schockwellen ausgelöst“, erzählt Marino. Seine eigene Tochter, die im ISF-Verein seit einigen Jahren als Kassenwartin aktiv ist, hatte auf den Papa eingewirkt, woraufhin dieser sich in einer außerordentlichen Sitzung im Februar bereit erklärte, den Vorsitz zu übernehmen.

Der Italo-Schwabe, wie Marino sich selbst nennt, nimmt die Aufgabe mit sichtlicher Motivation und Gelassenheit an. „Ich bin Elektroplaner. Organisieren macht mir Spaß“, sagt der Mann, der an diesem Wochenende inmitten tausender Festgäste (inklusive feiernder EM-Fans) ein rund 80-köpfiges Team plus rund 300 Hilfskräfte im Außenbereich koordinieren wird. Seine beruflichen Kenntnisse helfen ihm auch bei Fragen rund um die Veranstaltungstechnik, die er nach dem Weggang eines Vorstandsmitglieds mitübernehmen muss.

Straßenfest-Zügle soll Parkplatzsituation entspannen

Mario Marino behält viel Bewährtes bei, er bringt aber auch neue Ideen mit. Auf seine Initiative hin gibt es beispielsweise erstmals ein Straßenfest-Zügle, um die Parkplatzsituation in der Innenstadt zu entspannen.

Vom Singen und Moderieren muss sich Marino als Vereinschef wohl verabschieden – wenn auch nicht so ganz: Zur Eröffnung am Freitag will er auf der nach Friedrich Fausten umbenannten Marktplatzbühne gemeinsam mit Kindergartenkindern ein selbst geschriebenes Straßenfestlied singen.

Drei Tage Programm in Sindelfingen

Festzeiten
Am Freitag, 21. Juni, um 19 Uhr eröffnet Oberbürgermeister Bernd Vöhringer das Internationale Straßenfest Sindelfingen auf dem Marktplatz. Am Freitag dauert das Fest von 18 bis 24 Uhr, am Samstag von 11 bis 1 Uhr, am Sonntag von 11 bis 20 Uhr. Bereits am Donnerstag findet um 20 Uhr in der Stadthalle der Partnerschaftsabend mit Gästen aus den Partnerstädten statt. An allen drei Tagen gibt es Darbietungen und Livemusik auf insgesamt sieben Bühnen.

Fahrtzeiten
 Ein Straßenfest-Zügle nimmt die Gäste – mit sechs Stundenkilometern pro Stunde Höchstgeschwindigkeit – von den Haltestellen Glaspalast, Gartenstraße, Feuerwehr, Stadthalle und Sommerhofenpark zu folgenden Zeiten mit: freitags von 17 bis 23 Uhr, samstags von 16 bis 24 Uhr, samstags von 12 bis 20 Uhr.  

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