Die Behelfsbrücke geht voraussichtlich Anfang der Woche in Betrieb. Foto: Stefanie Schlecht
Erneut steht eine Veränderung auf der Autobahn-Baustelle an. Demnächst wird der kreuzende Verkehr an der Anschlusstelle Böblingen/Sindelfingen über eine Behelfsbrücke geführt, die bisherige Brücke dann abgerissen.
Die Arbeiten an der A81 zwischen Böblingen und Sindelfingen haben ihren Höhepunkt erreicht. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht eine neue Sperrung oder zumindest eine Spurverschiebung angekündigt wird. Im Verlauf der kommenden Woche steht die nächste große Baumaßnahme an, die am Wochenende vom 8. bis zum 11. August in eine Vollsperrung der Autobahn zwischen den Ausfahrten Böblingen-Hulb und Sindelfingen-Ost gipfelt.
Dreh- und Angelpunkt der Arbeiten ist der Bereich rund um die Anschlussstelle Böblingen/Sindelfingen nahe der Böblinger Motorworld. Zunächst wird voraussichtlich Anfang kommender Woche der Verkehr auf eine neue Behelfsbrücke beim Flugfeld gelegt. Für deren Einschub war die Autobahn am letzten Juli-Wochenende gesperrt worden.
Vier von fünf Brücken über A81 bereits abgerissen
Die Behelfsbrücke ist notwendig, weil die alte Brücke, die von der Wolfgang-Brumme-Allee auf Böblinger Seite auf die Rudolf-Diesel-Straße in Sindelfingen führt, abgerissen wird. Deren Abbruch ist der Grund für die Vollsperrung der Autobahn am zweiten Augustwochenende. Damit fällt dann die letzte alte Überquerung der A81 zwischen den Anschlussstellen Böblingen-Hulb und Sindelfingen-Ost.
In diesem sieben Kilometer langen Abschnitt führten einst fünf Brücken über die Autobahn. Im Zuge der Erweiterung der A 81 auf sechs Spuren wurden vier der Brücken bereits abgerissen und größtenteils gegen längere Bauwerke eingetauscht. Lediglich der Teil des Elefantenbrückles, der beim Goldberg die A 81 quert, wurde durch eine Behelfsbrücke ersetzt, weil die Straße dort später auf dem Lärmschutzdeckel verlaufen soll.
Wie die Behelfsbrücke in Betrieb geht
Die neue Behelfsbrücke beim Flugfeld und der Abriss der alten Überquerung zeigen einmal mehr, welcher Planungs- und Organisationsaufwand hinter der Megabaustelle „Erweiterung der A 81“ steckt. Unter die alte Brücke passt keine sechsspurige Autobahn, also muss sie weg. Da sich aber keine Brücke, die über Jahrzehnte Bestand haben soll, in wenigen Tagen hochziehen lässt, kommt die Behelfsbrücke zum Einsatz. Damit ist es aber nicht getan, denn sie muss auch ans Straßennetz angeschlossen werden.
Die Brücke bei der Motorworld, die Nummer 8 in der Grafik, wird abgerissen. Links daneben steht bereits eine Behelfsbrücke, noch etwas weiter links ist in Rot der neue Autobahnanschluss aufs Flugfeld zu sehen. Foto: Deges/Zapletal
Und genau das passiert gerade. Die Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs und -bau GmbH) legt sowohl auf Böblinger als auch auf Sindelfinger Seite Behelfsstraßen an. Die neue Verkehrsführung, also der Fahrbahnbelag, die Schutzeinrichtungen, die Beschilderung und die Fahrbahnmarkierung sollen so weit wie möglich ohne Verkehrsbeeinträchtigung vorbereitet werden, teilt ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage mit. Straßensperrungen seien für die Inbetriebnahme der Behelfsbrücke nicht geplant. Wenn alles fertig sei, sollen die Autos voraussichtlich nachts, wenn wenig los sei, nach und nach auf die neue Brücke umgeleitet werden. Danach folge die Freigabe für Radfahrer und Fußgänger.
Wann der Verkehr über die Behelfsbrücke rollt
Wann das genau passiert, kann der Sprecher aktuell noch nicht einschätzen. „Aktuell gehen wir vom 4. oder 5. August aus“, antwortet er, denn die Arbeiten an den Behelfsstraßen seien vom Wetter abhängig. „So kann zum Beispiel bei Niederschlag keine Fahrbahnmarkierung angebracht werden.“
Vor dem zweiten Augustwochenende soll dies aber auf jeden Fall geschehen sein, denn der Termin für den Abriss der alten Brücke ist laut Deges-Sprecher fest eingeplant – inklusive der Autobahnvollsperrung von Freitag, 8. August, um 22 Uhr, bis Montag, 11. August, um 5 Uhr.
Und dann? „Der Bau der neuen Brücke beginnt unmittelbar nach dem Abbruch und wird circa ein Jahr dauern“, teilt er mit. Voraussichtlich im kommenden Sommer soll die neue Brücke zum Einsatz kommen.
Zwölf Brückenbauwerke im Erweiterungsbereich
Die fünf Brücken über die Autobahn sind nur ein Teil der Brückenbauwerke, die abgerissen und neu gebaut werden. Hinzu kommen sieben Unterführungen, bei denen meist die Autobahn selbst die Brücke darstellt – beispielsweise über die Mahdentalstraße im Sindelfinger Osten oder bei der Tilsiter Straße an der Anschlussstelle Böblingen-Ost. Bei vier Unterführungen wurde bereits mit dem Neubau begonnen, drei alte sind noch im Einsatz.
Außerdem verändern sich die Anschlussstellen, Böblingen-Ost wird zum Voll- und Sindelfingen-Ost zum Halbanschluss. Im Zuge dieser Arbeiten wurde Mitte Juli im Sindelfinger Osten die Auffahrt in Richtung Stuttgart geschlossen – sie bleibt voraussichtlich bis Sommer 2026 zu. Wer von Sindelfingen in die Landeshauptstadt fahren will, muss auf andere Auffahrten ausweichen. Die Auffahrt Richtung Singen ist weiterhin möglich.
Zudem entsteht auf Höhe der S-Bahn-Station Goldberg ein 850 Meter langer Lärmschutzdeckel. Ab Frühjahr 2027 soll der Verkehr durch die Nordröhre des Tunnels fließen, im Jahr 2028 soll dann alles fertig sein.
Behelfsbrücke am Goldberg wieder in Betrieb
Überführungen Mit der Brücke über die Autobahn an der Motorworld fällt das letzte Bestandsbauwerk, das noch über die A 81 führt. Bereits abgerissen wurden die Einsbahnüberführung der S 60, die Brücke, die die Sindelfinger Straße mit der Böblinger Straße verbindet, die Brücke an der Calwer Straße und ein Teil des Elefantenbrückles am Goldberg. Bis auf das Elefantenbrückle wurden alle durch neue Bauwerke ersetzt.
Ersatz für Elefantenbrückle Seit Donnerstag, 31. Juli, dürfen nach mehr als einem halben Jahr wieder Busse die Autobahn am Goldberg queren. Insbesondere betrifft das die Linien 704 (Böblingen-Goldberg-Maichingen), 706 (Böblingen-Breuningerland-Viehweide) und 708 (Sindelfingen Eichholz-Böblingen Thermalbad).