„Bitte nicht wieder zu kompliziert“, lautete die Forderung von CDU-Fraktionschef Oliver Zander in der jüngsten Sitzung des Leonberger Gemeinderats. Allerdings ist das Thema, um das es ging, in der Tat ein sehr komplexes: die Erweiterung der Schellingschule im Zuge des Ganztagsbetriebs. Und die ganze Angelegenheit droht, nun, eben genau das zu werden: kompliziert.
Die Vorgeschichte: Die Gesamtschülerzahlen in Leonberg steigen bis zum Schuljahr 2029/2030 aller Voraussicht nach um über 20 Prozent. Das heißt: Es braucht laut Schätzungen Platz für rund 5250 Schülerinnen und Schüler – den es bislang nicht gibt. „Ein wichtiger Fokus liegt hierbei auf den Innenstadt-Grundschulen, also Schellingschule, Spitalschule und Mörikeschule, bei denen mit einem überproportionalen Anstieg der Schülerzahlen zu rechnen ist“, hieß es damals in der Sitzungsvorlage.
Im April dieses Jahres hatte der Gemeinderat daher beschlossen, zu reagieren und die Schellingschule zu erweitern. Die sogenannte „Variante 2-C.2“ sah in den Planungen einen Teilabriss der Bildungseinrichtung neben dem neuen Rathaus vor, zugunsten einer großzügigen Mensa mit Nebenräumen in einem zweigeschossigen Anbau. Geschätzte Kosten: knapp 9 Millionen Euro. Die Stadtverwaltung indes hatte ursprünglich einen Neubau auf dem „Eisplatz“ zwischen Realschule und Georgii-Halle bevorzugt – was keinen Abbruch und somit auch keine Platzeinbußen mit sich gebracht hätte. Kosten dieser „Variante 3-2“: gut 10,2 Millionen Euro.
Zur Rolle rückwärts gezwungen
Nun wird der Gemeinderat wohl gezwungenermaßen die Rolle rückwärts zu ebenjener „Variante 3-2“ vollführen müssen. Die Begründung laut Sitzungsvorlage: „Aufgrund des Raumbedarfs kann aktuell auf keine Räumlichkeiten verzichtet werden, da auch im Bereich vom Schulzentrum sämtliche vorhandenen Räume intensiv genutzt werden.“ Kurzum: Noch weniger Platz für die Schülerinnen und Schüler, wenn auch nur vorübergehend, ist aktuell schon nicht mehr vertretbar.
Allerdings war es damit nicht getan. Und spätestens an dieser Stelle wurde es zumindest vielschichtig. Denn am Ende wurde der Beschluss vertagt, was eine weitere Verzögerung des Projekts mit sich brachte. Die beträgt rund zwei Monate – was daran lag, dass das Gremium zumindest in Teilen einem Antrag von SALZ-Fraktionschef Frank Albrecht folgte. Dieser forderte die Bildung einer Raumfindungskommission, um den genauen Platzbedarf für die Zukunft – und schulübergreifend – ermitteln zu können. „Das wurde schon in der Sitzung des Sozialausschusses im Juli zugesichert“, monierte Albrecht.
Schon in den kommenden zwei Wochen soll die Gruppe loslegen
Bereits in den kommenden zwei Wochen soll die Gruppe erstmals zusammenfinden. Sie besteht aus jeweils einem Vertreter oder einer Vertreterin aus den Fraktionen und Gruppierungen im Leonberger Gemeinderat, außerdem sind Schulleitungen sowie Abgesandte aus der Verwaltung mit dabei. Die Leitung hat Bürgermeister Klaus Brenner inne – der Oberbürgermeister Martin Georg Cohns „Glückwunsch zur neuen Aufgabe“ nur mäßig erfreut zur Kenntnis nahm. Im November soll ein Zwischenergebnis präsentiert, im Dezember dann endgültig abgestimmt werden. „Machbar“, nannte Brenner den Zeitplan.
Aufgrund des Beschlusses vom April hatte die Stadtverwaltung bereits ein sogenanntes „VgV“-Verfahren in die Wege geleitet – also die öffentliche Ausschreibung für einen Projektentwurf. 24 Bewerbungen gingen dafür ein, acht von ihnen mit gleich guten Chancen. Aus ihnen loste die Verwaltung in der Folge fünf für die zweite Stufe des Verfahrens aus, was eigentlich erste Verhandlungen bedeutet hätte. Diese zweite Stufe ruht nun jedoch. „Ob bei einer geänderten Entscheidung die erste Stufe des VgV-Verfahrens wiederholt werden muss, wird aktuell noch geprüft“, schreibt die Stadt in der Sitzungsvorlage.
Schullandschaft und Entwürfe
Spitalschule
In der Diskussion um die Erweiterung der Schellingschule hatten sich im April einige Stadträte überrascht gezeigt: Warum nimmt man nun eben jene Schellingschule in den Fokus, wo man doch viele Jahre über die Ertüchtigung der Spitalschule in der Altstadt diskutiert habe. Beides gleichzeitig gehe jedoch nicht, heißt es bei der Stadtverwaltung.
Rechtsanspruch
Ab dem Schuljahr 2026/27 greift der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung der Grundschulkinder. Somit braucht es neben bloßen Klassen- und Betreuungsräumen auch Mensaflächen – denn auch das Angebot eines warmen Mittagessens wird für die Kommunen Pflicht. Hinzu kommen noch Rückzugsorte, Bereiche für Bewegung, außerdem soll der Pausenhof nicht zu klein ausfallen.
Planungsbüro
Das Büro Kilian und Partner hat die Studie für die Schellingschule mit drei Varianten erstellt: Eine Umnutzung im Bestand – die erste Variante – schloss der Gemeinderat in der Diskussion jedoch von vornherein aus.