InterviewErwin Teufel und seine Enkel „Wir sind nicht immer einer Meinung“

Politische Gespräche rund um den Esstisch: Gloria Sauter, Erwin Teufel und Gabriel Sauter im Zuhause des ehemaligen Ministerpräsidenten in Spaichingen Foto: Michael Kienzler
Politische Gespräche rund um den Esstisch: Gloria Sauter, Erwin Teufel und Gabriel Sauter im Zuhause des ehemaligen Ministerpräsidenten in Spaichingen Foto: Michael Kienzler

Als Erwin Teufel 2005 sein Amt als Ministerpräsident an den Nagel hängte, waren Gabriel und Gloria Sauter acht und neun Jahre alt. Nun sind die beiden Studenten und erzählen, wie es ist, mit einem Opa aufzuwachsen, der im Rampenlicht steht.

Politik: Violetta Hagen (vih)
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Stuttgart - Als Erwin Teufel 2005 sein Amt als Ministerpräsident von Baden-Württemberg an den Nagel hängte, waren Gabriel und Gloria Sauter acht und neun Jahre alt. Dass ihr Großvater einen besonderen Job hatte, haben sie früh verinnerlicht. Heute sind die beiden Studenten und dürfen das erste Mal an der Bundestagswahl teilnehmen. Versucht ihr Großvater, sie bei der Entscheidung zu beeinflussen?

Gloria und Gabriel, euren Großvater kennt in Baden-Württemberg fast jeder. Hat euch das geprägt?
Gabriel: Als er im Amt war, war ich noch in der Grundschule. Da hat das natürlich keine so große Rolle gespielt. Und meinen jetzigen Freunden ist es gar nicht so bewusst, dass ich der Enkel des Ex-Ministerpräsidenten bin.
Gloria: Wir haben es nie an die große Glocke gehängt. Aber natürlich wussten es trotzdem alle. In den höheren Klassen kam es schon vor, dass ein Lehrer gesagt hat: ‚Na du musst ja eh CDU wählen.‘ Das regt einen dann eher auf. Ich bin ja ein eigenständiger Mensch. Aber vor allem sind wir natürlich sehr stolz auf ihn.
Gabriel: Als sein Enkel bekommt man schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn man sich politisch nicht engagiert. Wenn man vor der Wahl nicht zumindest mal ein Parteiprogramm liest. Ich habe wegen ihm auch ein anderes Bild von Politikern. Ich weiß eben, dass sie nicht immer die Bösen sind, die nur Geld machen wollen, sondern dass viele von ihnen wirklich was verändern wollen.
Teufel: Also eine Sache, die ich ihnen immer gepredigt habe, ist folgende: Mit dem ersten Geld, das ihr verdient, solltet ihr euch eine eigene Tageszeitung, eine eigene Wochenzeitung und eine eigene Monatszeitschrift abonnieren. Damit man informiert ist und sich überhaupt erst eine eigene Meinung bilden kann. Das ist die Voraussetzung dafür.
Und klappt das mit der Zeitung?
Gabriel: Wir studieren ja beide noch. Aber der Opa hat mir ein FAZ-Abo geschenkt. Ich versuche, jeden Tag ein paar Artikel zu lesen. Ich studiere Physik, und da finde ich es wirklich gut, mal was aus anderen Bereichen zu lesen.
Streitet ihr euch mit eurem Großvater auch mal über Politik?
Gloria: Wir bekommen ein großes Wissen vom Opa, und seine Meinung ist uns allen wirklich wichtig. Aber er ist auch offen dafür, wenn wir was anders sehen. Da wird schon richtig diskutiert.
Gabriel: Ich war zum Beispiel kein großer Fan vom Mindestlohn, er findet das Gesetz dagegen ziemlich gut. Das liegt wohl auch daran, dass er in viel ärmeren Verhältnissen aufgewachsen ist. Er meinte, man muss den Leuten helfen, die sich nicht selber helfen können. Damit hat er mich am Ende überzeugt. Und so läuft das meistens, dass er uns überzeugt.
Teufel: Ich habe nicht ein einziges Mal versucht, meine Kinder oder Enkel zu beeinflussen. Ich wollte nie, dass sie denken: Ich muss irgendetwas dem Vater oder Opa zuliebe machen. Ich hätte nie gesagt: Jetzt unterschreib hier mal den Mitgliedsantrag für die CDU. Dazu hab ich zu viel Hochachtung vor der Per­sönlichkeitsentwicklung eines jungen Menschen.
Wie ist denn das familiäre Meinungsbild zum Thema Ehe für alle?
Gloria: Ich finde das sehr gut. Meiner Meinung nach sollte jeder, der sich liebt, heiraten dürfen. Die Möglichkeit der Adoption sehe ich aber etwas kritisch. Ich denke, Kinder haben es in solchen Familien schwerer.
Teufel: Da liege ich recht nah bei dir. Es ist absolut richtig, dass homosexuelle Paare zum Standesamt gehen und heiraten können. Aber ich frage mich, warum das nicht ausreicht. Dass sie nun auch Kinder adoptieren können, das halte ich für unnatürlich. Ich hätte dem nicht ­zugestimmt.
Gabriel: Aber denkst du nicht, dass es einem Kind, das bei zwei Vätern oder Müttern aufwächst, in jedem Fall besser geht als einem Kind, das ohne Eltern aufwachsen muss?
Teufel: Ich weiß nicht. Ich denke, für dieses Kind hätten wir sicher genügend heterosexuelle Ehepaare, die unbedingt ein Kind adoptieren wollen – und die keines bekommen.
Gabriel: Hm, da hast du schon recht.
Herr Teufel, Ihre Enkel haben Ihre aktive politische Phase nicht so bewusst wahrgenommen wie Ihre Frau und Kinder. Hatten die es schwerer?
Teufel: Meine Frau war praktisch Alleinerziehende. Deswegen bin ich froh, dass bei den Kindern nichts schiefgelaufen ist. Da hätte ich mir die allergrößten Vorwürfe gemacht! Wenn ich um Mitternacht heimkam, lagen die Kinder schon im Bett, und wenn ich morgens ging, waren sie noch nicht wach. Das war eine große Zumutung für meine Frau – und meinerseits ein großes Zutrauen in sie.



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