Erziehung in Dänemark In Papas Spielzimmer sind Mütter verboten

Babywelt ganz ohne Frauen. Foto: Gamillscheg 2 Bilder
Babywelt ganz ohne Frauen. Foto: Gamillscheg

Hier sind Männer unter sich: In „Fars Legestue“ - einer Krabbelgruppe ganz ohne Mütter -  leben Kopenhagener ihre Vaterrolle aus.

Korrespondenten: Hannes Gamillscheg (gam)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Kopenhagen - Alfred hat sich selbst in der Spiegelwand entdeckt, jetzt tatscht er seine elf Monate alten Patschhändchen aufs Glas und lacht dem Ebenbild zu. Sein Vater Benjamin beobachtet ihn genüsslich. Ein Schritt, dann bekommt der Kleine Übergewicht und plumpst auf den windelgepolsterten Popo. Ein erschrecktes Glucksen, ein kurzes "Bäääh". "Nicht so schlimm", sagt Benjamin, klopft dem Söhnchen auf den Hintern und stellt es wieder auf. Ist nicht schlimm: Alfred lacht schon wieder und drückt das Näschen auf sein Spiegelbild. Benjamin hockt sich zu Hans-Henrik, der den neun Monate alten Villiam mitgebracht hat, und die beiden setzen die kurz unterbrochene Unterhaltung fort.

Ein Dutzend Männer ist in die "Fars Legestue" gekommen, jeder mit einem Baby. Papas Spielstube liegt im Turnsaal einer Sporthalle in Kopenhagens Stadtteil Nørrebro, vor dem Saal stehen die Kinderwägen, daneben ein paar Wickeltische. Drinnen ist der Boden mit Matten ausgelegt und mit Spielzeug ausstaffiert. Die Väter lungern auf dem Boden, die Kinder gucken, krabbeln, purzeln. Es ist eine Babywelt ganz ohne Frauen, und das ist auch der Sinn der Sache. Hier sind die Väter unter sich.

Väter sind wilder, nicht so verhätschelnd

Villiam ist ausgebüxt. Stehen kann er noch nicht, aber er wieselt über den Boden wie aufgezogen, dann ist er weg. Papa wird nicht nervös, auch wenn er ihn nicht sehen kann: "Der kommt schon wieder zum Vorschein." Und da steckt Villiam das blonde Köpfchen auch schon wieder aus einem Stofftunnel, macht kehrt und taucht erneut ein ins Labyrinth. "Väter", erklärt John Brøndum, "haben eine andere Art von Umgang mit ihren Kindern." Bisschen wilder, nicht so verhätschelnd. Die Mutter hätte Alfred wohl auf den Arm genommen und getröstet und wäre Villiam nachgekrabbelt, um zu sehen, wo der bleibt. "Wir Väter haben eine andere Toleranzschwelle, und das ist auch gut die Kinder", sagt Martin MÚrtensson, der den elf Monate alten Malte hütet.

John Brøndum ist der Leiter von "Papas Spielstube", einer kommunalen Einrichtung, die nach langjährigem Ringen um die Finanzierung nun endlich die notwendigen Mittel erhalten hat. Er baut das Spielgerät auf und räumt es wieder weg, kocht Kaffee für die Väter, er sorgt dafür, dass Neuankömmlinge mit einbezogen werden in Spiel und Gespräch. Programm gibt es keines, "die Väter kommen, wenn es mit dem Schlaf der Kinder passt, und gehen, wenn es ihnen reicht". 25 bis 30 Männer kommen im Lauf des Nachmittags vorbei, manche immer wieder, manche sind seltene Gäste. Und wenn eine Mutter käme, mit ihrem Kleinkind? "Dann würden wir ihr höflich erklären, worum es hier geht, und sie dann auffordern, beim nächsten Mal ihren Mann zu schicken."




Unsere Empfehlung für Sie