"Es dauert eine Weile, bis man die Luft kennt"

Von "Leonberger Kreiszeitung" 

Gleitschirmfliegen Der Münchinger Ferdinand Vogel liebt seinen Sport. Es ist wie eine Sucht, sagt der 20-Jährige. Von Marius Venturini

Gleitschirmfliegen Der Münchinger Ferdinand Vogel liebt seinen Sport. Es ist wie eine Sucht, sagt der 20-Jährige. Von Marius Venturini

Mit zwölf Jahren hat er an einem kleinen Hang hinter dem elterlichen Haus in Münchingen die ersten Hüpfer gewagt. "Ich habe mir die alten Schirme von meinem Vater geschnappt und das immer wieder versucht", sagt Ferdinand Vogel, "und zu merken, wie der Schirm nach oben geht, war unbeschreiblich." Der Vater flog bereits lange vor der Geburt seines Sohnes, und tut es auch heute noch. "Er ist aber inzwischen mehr der Genusspilot", so der Filius. Ferdinand Vogel, inzwischen 20 Jahre alt, startet hingegen erfolgreich bei Wettkämpfen - und gewann im vergangenen August die Junior-Challenge des Deutschen Hängegleiterverbands (DHV) im österreichischen Greifenburg.

Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Denn zwischen den ersten Hopsern unweit des Münchinger Sportplatzes und dem Start seiner Flugausbildung lagen zunächst zwei Jahre. "Damit darf man erst mit 14 beginnen", erklärt Vogel. Dann ging es aber recht rasch vom ersten richtigen Übungshang bis hin zum ersten Soloflug. Doch keine Praxis ohne Theorie: Auch das Pauken von Luftrecht und Meteorologie stand auf dem Lehrplan. "Normalerweise versuchen die Piloten, von oben nach unten zu fliegen", beschreibt Ferdinand Vogel den Normalfall, "aber das war mir von Anfang an nicht genug. Ich wollte immer von einem Berg zum nächsten, nach der besten Thermik suchen, um Höhe zu machen." Bis zum ersten Wettkampf vergingen weitere fünf Jahre - aus einem simplen Grund: "Es dauert einfach eine Weile, bis man die Luft kennt."

Beim Staufen-Cup 2010 wurde er auf Anhieb 60ster von 100 Teilnehmern. Nach dieser respektablen Platzierung meldete sich prompt der erste Sponsor, ein namhafter Gleitschirmhersteller aus Österreich. Und bei der Junior-Challenge 2010 schaffte es Ferdinand Vogel gleich aufs Treppchen - Platz drei. "Ich hatte mir die Top-Zehn vorgenommen, aber der dritte Platz war echt super", erinnert er sich.

Inzwischen studiert Ferdinand Vogel in Kempten Elektrotechnik. Zuvor schloss er eine Lehre als Systemelektroniker als der Beste seines Fachs in Baden-Württemberg ab. Darüber hinaus engagiert er sich in seinem Verein, dem 1. Parafly Club Schwaben, als zweiter Vorstand. Außerdem ist er Mitglied der Jugendkommission beim DHV, organisiert Freizeiten und ist laut eigener Einschätzung dank seiner Beziehungen"knallharter Verhandlungspartner, wenn es um Zuschüsse für die Jugendarbeit geht."

Ferdinand Vogel vergisst alles um sich herum, wenn es ums Gleitschirmfliegen geht. "Vor allem in den Wettkämpfen bin ich so derartig konzentriert, dass ich auf nichts anderes achte", sagt er. Dass während eines Fluges alles andere zur Nebensache verkommt, deutete sich bereits bei seinem fünften Soloflug an. "Der hat drei Stunden gedauert, was als Anfänger sehr ungewöhnlich ist", sagt er. Auch seine Fluglehrerin sei überrascht gewesen - "und meine Mutter erst, denn die hat in dieser Zeit drei Flüge absolviert", sagt er und grinst. Denn nicht nur der Vater, auch die Mama schwang sich bereits in die Lüfte.

Ausdauer ist nötig beim Gleitschirmfliegen, körperlich und auch mental. "Man sitzt oder liegt zwar die ganze Zeit, der Puls ist aber immer sehr hoch", sagt Ferdinand Vogel, "und nach zwei Stunden in der Luft können viele Piloten keine sauberen Entscheidungen mehr treffen." Dann lande man automatisch auf der nächsten Wiese. Die ganze Zeit im Freien, die dünne Luft, Sonne und Fahrtwind bei 30 bis 40 Stundenkilometern fordern ihren Tribut. Es dauere etwas, bis man den Bogen raus habe. So hält sich Ferdinand Vogel zum einen mit Schwimmen fit, zum anderen hat er immer einen Nahrungsvorrat - Schokoriegel oder Bananen - in der Luft dabei.

Eines seiner Ziele lautet, Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft zu werden - und natürlich, verletzungsfrei zu bleiben. "Einmal habe ich mir bei einer harten Landung den ersten Lendenwirbel kaputtgemacht", sagt er, "ich habe beim Leinensortieren geschludert und musste wegen eines Knotens wieder runter." Zwar hat der Rückenprotektor einiges abgefangen, aber eben nicht alles. Doch einen Monat später flog er bereits wieder. "Das musste einfach sein, aber ich habe daraus gelernt."