Eseltrekking auf dem Schurwald Störrisch ist bei dieser Wanderung keiner

Beim Trekking freuen sich die Esel besonders auf das frische Gras. Foto: Roberto Bulgrin

Das Mutter-Tochter-Gespann Ira Baumann und Jana Gruber bietet auf dem Schurwald Spaziergänge mit Eseln an. Bei den Trekkingtouren kann man die feinfühligen Tiere kennenlernen – und mit so manchen Vorurteilen aufräumen.

Filderzeitung: Sandra Belschner (sbr)

Vieles wird Eseln nachgesagt: Sie seien stur, dumm und bissig. Doch das Gegenteil sei der Fall, sagt Ira Baumann, die zusammen mit ihrer Tochter Eseltouren durch den Schurwald anbietet: „Esel sind sehr soziale Wesen. Sie sind feinfühlig und sanftmütig. Besonders Kinder freunden sich deshalb schnell mit ihnen an.“ Das ist es auch, was Ira Baumann am meisten an den Grautieren fasziniert und worin ihre Eselbegeisterung ihren Ursprung hat. Vor etwa elf Jahren beschloss sie, sich zwei der Tiere anzuschaffen. Abwechselnd oder gemeinsam bieten Mutter und Tochter seitdem das Eseltrekking nebenberuflich an. Über die Jahre ist die Eselfamilie auf der Weide in Aichwald-Aichelberg auf acht Tiere angewachsen: Esther, Carmen, Antje, Mira, Johnny, Rieke, Lotta und Niela.

 

Ein bisschen erinnert das Erlebnis an eine Alpaka-Tour, doch laut Ira Baumann gibt es einen entscheidenden Unterschied: „Ich war auch schon mit Alpakas unterwegs, aber ich hatte ständig das Gefühl, dass die sich gar nicht berühren lassen wollten.“ Bei den Eseln sei das anders, sagt die Touranbieterin, sie würden schnell zutraulich, wenn man sie anfasse, und sie seien einfühlsam. Vor wenigen Wochen habe einer der Esel die Schwangerschaft einer Teilnehmerin bemerkt und sei ihr nicht mehr von der Seite gewichen.

Um mit den Eseln auf Tour zu gehen, braucht es nicht viel Vorbereitung. Nach einer kurzen Einweisung kann es losgehen. „Das Wichtigste ist eigentlich, dass man den Führstrick nicht um sein Handgelenk wickelt, man braucht keine Angst zu haben, dass man den Tieren wehtut, die haben Plüschhalfter“, erklärt Jana Gruber. Ihr ist die gleiche Begeisterung ins Gesicht geschrieben wie ihrer Mutter, wenn sie über Esel spricht: „Ich war 15, als meine Mutter sich die Esel angeschafft hat, seitdem bin ich mit dabei“, sagt die 26-Jährige.

Stopp am Lagerfeuer mit Blick auf die Esel

Das Eseltrekking auf dem Schurwald kann individuell gestaltet werden, die kürzeste Variante ist eine zweistündige Tour. Besonders empfiehlt das Mutter-Tochter-Gespann die drei oder vierstündige Wanderung mit Stopp auf dem Grill- und Spielplatz Drei Linden zwischen Aichelberg und Schanbach – Verpflegung muss selbst mitgebracht werden. Bei der Grillstelle können Besucherinnen und Besucher das Auto mit dem Proviant abstellen und binnen zehn Minuten zum Treffpunkt an der Weide laufen.

Auch die Esel tragen während der Tour kein Gepäck: „Die wollen das gar nicht“, sagt Ira Baumann, „viele denken immer, die sind nur zum Arbeiten und Tragen da, aber ein Esel sollte eigentlich nicht mehr als ein Fünftel seines Körpergewichts tragen, also etwa 40 Kilogramm.“ Auch wenn eine große Ähnlichkeit zu Ponys bestehe: Reiten ist auf den Tieren während des Trekkings nicht erlaubt – Füttern hingegen schon, am liebsten mit Äpfeln oder Karotten.

Lange animiert werden, die Weide zu verlassen, müssen die grauen Vierbeiner nicht. „Wenn wir die Halfter bereit legen, wissen die eigentlich schon, dass es jetzt rausgeht, und freuen sich. Die haben Lust auf das Trekking“, sagt Ira Baumann. Auch an diesem Tag drängen sich die Esel am Zaun – wer darf wohl heute mit? Sobald Jana Gruber die Wiese mit Esther verlässt, gibt es für die Vierbeinerin kein Halten mehr: zielsicher wird das Gras am Wegesrand angesteuert. „Wenn die Tiere draußen sind, ist es für sie wie Essen gehen“, sagt Gruber . Es braucht schon ein wenig Kraft, um die Tiere dann zum Weitergehen zu überzeugen. Generell sei der Umgang mit Eseln aber ziemlich einfach, ohne Esel sei noch niemand von der Tour zurückgekommen. Das Trekking kann auch auf eigene Faust unternommen werden. Dafür müssen die Teilnehmenden volljährig sein. Wer alleine loszieht, bekommt von den beiden einen Routenvorschlag und eine Notfallnummer.

Auch eine Kuschelstunde ist im Angebot

Für die Tour braucht es weder Vorkenntnisse noch spezielles Equipment. „Wir hatten auch schon eine Teilnehmerin, die mit Stöckelschuhen ankam“, erzählt Ira Baumann. „Die hat es zwar auch geschafft, aber grundsätzlich ist gutes Schuhwerk empfehlenswert.“ Außerdem empfiehlt die Tierliebhaberin, sich einfach auf die Tiere einzulassen. Es dauere nicht lange, bis man bei der Wanderung in eine Art meditativen Zustand verfalle, denn eilig hätten es die Tiere nicht – eine Erfahrung, die die meisten Besucherinnen und Besucher überrascht und beseelt zurückkommen lasse. Erst kürzlich habe ein Unternehmer-Ehepaar eine Tour gebucht und sei von der beruhigenden Art der Tiere regelrecht begeistert gewesen, erzählt Ira Baumann: „Sie sagten, sie hätten es genossen, dass es mal nach dem Kopf von jemand anderem gegangen sei.“

Maximale Entspannung können Besucherinnen und Besucher bei einer Kuschelstunde finden – auch die bieten Mutter und Tochter an. Interessierte werden dann zu den Tieren auf die Weide gelassen, können die Esel bürsten, kraulen oder einfach nur die Zeit mit ihnen genießen, so wie Jana Gruber es selbst regelmäßig macht: „Oft sitze ich stundenlang bei den Eseln.“ Nicht nur im Sommer bieten Mutter und Tochter den stresssenkenden Spaziergang an, auch im Winter ist das Eseltrekking ein besonderes Erlebnis.

Unterwegs in der Region

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Anreise und Kosten
Die Weide der Esel befindet sich am Ortseingang von Aichwald-Aichelberg gegenüber der Feldkirche. Hier kann auch geparkt werden. Mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man das Eseltrekking vom Stuttgarter Hauptbahnhof oder von Esslingen aus mit der S 1 in Richtung Kirchheim/Teck. In Oberesslingen steigt man in den Bus 114 nach Endersbach. Von der Haltestelle Kronenstraße sind es noch etwa fünf Minuten Fußweg bis zum Eseltrekking. Eine zweistündige Tour kostet 80 Euro.

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