Gianluigi Rufrano (li.) trat als Trainer des TSV II zurück, nachdem die Abteilungsleitung Coach Sahin Üste (re.) vom TSV I rausgeworfen hatte. Foto: Gorr
Im Zuge des Rauswurfs von Coach Sahin Üste durch die Fußball-Abteilungsleitung ist ein Großteil der Mannschaft zurückgetreten. Das Spiel am Sonntag soll aber stattfinden.
Sahin Üste übernahm 2024 das Traineramt und führte den Verein im ersten Jahr zur Meisterschaft in der Kreisliga A und ins Bezirkspokalfinale. In dieser Saison steht das Team auf dem ersten Platz und hat Chancen auf den Durchmarsch in die Landesliga. Dort will Üste gern hin, für dieses Ziel habe ihn der damalige Sportliche Leiter Martin Scholz an Bord geholt. Doch diese Ambitionen wurden dem 39-Jährigen zum Verhängnis.
Stellungnahme des Vereins offenbart interne Differenzen
„Die Trennung von Herrn Üste erfolgt vor dem Hintergrund zunehmend unterschiedlicher Auffassungen hinsichtlich der Vereinsphilosophie sowie der daraus abgeleiteten sportlichen Ausrichtung und Zielsetzungen“, schrieb Abteilungsleiter Andreas Keller auf der Homepage des TSV Münchingen.
Da geht’s lang: Sahin Üste verfolgte wohl andere Ziele als seine Vorgesetzten. Foto: Andreas Gorr
Sahin Üste erklärte, die Verantwortlichen hätten sich gegen sein Ziel gestellt. Man wolle mehr auf Regionalität, auf Spieler aus Münchingen setzen, habe dies dem Streben nach sportlichem Erfolg übergeordnet. Die Ex-Trainer kritisierten, dass Regionalität in den letzten Jahren nie ein Thema im Verein gewesen sei. Darüber hinaus sei die Jugendarbeit vernachlässigt worden. Dafür spricht, dass der Verein letztmals 2022 mit einer A-Jugend an den Start ging, in der laufenden Saison besteht nicht einmal mehr die Spielgemeinschaft mit dem GSV Hemmingen.
Privatinteressen über Vereinsinteressen? Üste erhebt Anschuldigungen
Üste gab an, er habe mit externen Kräften einen Übergang gestalten wollen, bis die Jugend wieder auf die Beine käme. Doch wie auch Rufrano äußerte, habe sich die Abteilungsführung verschlossen gegenüber Spielern von außerhalb gezeigt. Brisant dabei: Die Söhne von Abteilungsleiter Keller und Finanzvorstand Peter Gans spielen für den TSV II, deren Trainer Gianluigi Rufrano ebenfalls höhere Ziele verfolgte. Üste äußerte die Vermutung, dass seine Vorgesetzten nicht die sportliche Zukunft der eigenen Söhne im Verein hätten riskieren wollen, falls die Mannschaften aufstiegen – und sie hätten dies mit dem Vorwand der Regionalität kaschieren wollen. Dazu schilderte Üste, dass Keller selbst erst anfing, Spiele der ersten Mannschaft zu besuchen, als sein Sohn dort zum Einsatz kam.
Kellers Sohn Max (re.) im Einsatz für die Zweitvertretung in der Kreisliga Foto: Andreas Gorr
Keller widersprach der Darstellung. „Wir wollen die Spieler, die wir haben, entwickeln und halten. Als Verein möchten wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit bieten, den Sport vor Ort zu machen. Alles andere ist für uns finanziell nicht umsetzbar“, erklärte der Fußball-Chef. Viel mehr wollte Keller zu der Causa nicht sagen, verwies kurz angebunden auf die veröffentlichte Stellungnahme. Üste konterte, die Abteilungsleitung habe ohne Absprache mit den Trainern Spieler aus dem Nachwuchs hochgezogen, die jedoch aufgrund der Jugendarbeit der vergangenen Jahre große Defizite aufwiesen.
Ein Streitpunkt sollen externe Spieler wie Rui Tiago Caldas de Carvalho gewesen sein. Foto: Baumann/Julia Rahn/Julia Rahn
Seine Spieler hätten intern bereits das Meisterschaftsziel ausgerufen, nach dem dritten gewonnenen Rückrundenspiel machte Üste dieses auch öffentlich. Dies tat er bewusst – da ahnte er schon, dass der interne Konflikt zu schwelen begann. Am Mittwoch veröffentliche die erste Mannschaft auf Instagram ein wuchtiges Statement. „Aus Solidarität mit unserem Trainer und Protest gegen das Vorgehen der Führung“ hätten knapp 90 Prozent der Spieler sowie Betreuer und Sportliche Leitung „mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt erklärt“.
Unmut über die Führungsriege
Rufrano wie Üste kritisierten, der Abteilungsleitung, die im April angetreten war, fehle es an sportlicher Kompetenz sowie Kommunikation mit den Beteiligten. „Ich kann das nicht tolerieren. Sie machen den Namen des Vereins kaputt“, klagte Gianluigi Rufrano. Nach 27 Jahren im TSV sei er sauer, dass die Verantwortlichen nicht versucht hätten, ihn vom Bleiben zu überzeugen. Auch Üste ist enttäuscht, der Abschied tue weh. Besonders traurig mache ihn der Umgang mit Rufrano und Spielleiter Franco Paglia.
Wie geht es weiter beim TSV Münchingen?
Das Heimspiel des TSV am Sonntag (16.30 Uhr) gegen den SV Pattonville wird in trotz allem stattfinden, wie Martin Haußer, der das Traineramt übernimmt, bestätigte. Wie es um das Vorprogramm der Zweiten gegen den SV Gebersheim (14 Uhr) bestellt ist, wird sich am Freitag entscheiden. Beim TSV Münchingen bewegt sich was.