IntervieweSports-Neuzugang des VfB Stuttgart Burak May „Als ich erfuhr, dass der VfB mich möchte, wurde ich direkt nervös“

Von Maximilian Barz 

Trotz des Abgangs von Kapitän Erhan Kayman mischen die eSportler des VfB Stuttgart derzeit die Virtual Bundesliga Club Championship auf. Einen großen Anteil zum Erfolg trägt auch Neuzugang Burak May bei.

Burak May ist seit dieser Saison Teil des VfB-eSport-Teams Foto: VfB Stuttgart
Burak May ist seit dieser Saison Teil des VfB-eSport-Teams Foto: VfB Stuttgart

Stuttgart - Das eSports-Team des VfB Stuttgart hat die erste Saison der Virtual Bundesliga Club Championship als hervorragender Vizemeister abgeschlossen. Vor der neuen Spielzeit stand allerdings eine Art Umbruch an, denn der Kapitän und erfolgreichste Zocker, Erhan „Dr. Erhano“ Kayman verlängerte seinen Vertrag nicht und wechselte zu Werder Bremen.

Die Lücke im Team füllte der VfB mit einem Talent aus der Region auf, das in FIFA 18 und 19 in der Szene immer wieder mit guten Ergebnissen auf sich aufmerksam gemacht hat. Burak May ist waschechter Stuttgarter und stand zuvor beim Team „Nordic“ unter Vertrag. Im Sommer hatte er die Qual der Wahl, denn ihm lag auch ein Angebot von „leno e-sports“, dem neu gegründeten Team von Nationaltorhüter Bernd Leno, vor.

René Weimar, Geschäftsführer der Gaming-Bar „Clutch23“ in Fellbach, hatte May gleichzeitig anderweitig weiterempfohlen und ihm verraten, dass ein Verein der Club Championship Interesse daran hätte, ihn zu verpflichten. „Als er mir sagte, dass es um den Club aus Cannstatt geht, wurde ich direkt nervös“, beschreibt der FIFA-Profi die damalige Situation im Interview mit unserer Redaktion. Nach den ersten Gesprächen mit den Verantwortlichen sei ihm die Entscheidung zu Gunsten des VfB deshalb leichtgefallen.

Saisonziel sind die Top 6

Mit Marcel „Marlut“ Lutz, Lukas „Lukas_1004“ Seiler und Niklas „Nik_lugi“ Luginsland bildet May seitdem das Stuttgarter eSports-Team. Gemeinsam ist ihnen ein hervorragender Saisonstart gelungen. Nach sechs Spieltagen hat sich der VfB bereits wieder in der Spitzengruppe etabliert. Die Hoffnungen auf eine ähnlich erfolgreiche Saison wie die vergangene wachsen. „Das fühlt sich extrem gut an. Ein positiver Start in die Saison ist sehr wichtig, da es das Teamgefühl und das Vertrauen in die Mitspieler stärkt und die gesetzten Ziele bestätigt“, sagt May. Natürlich habe man im Sommer darüber gescherzt, den Vizemeistertitel zu wiederholen oder gar zu toppen, das offiziell gesteckte Ziel sei aber eine Platzierung unter den ersten Sechs und damit die Qualifikation für das Grand Final.

May persönlich fühlt sich in der neuen Mannschaft pudelwohl. Mit seinem Vorgänger „Dr. Erhano“ ist er schon länger befreundet und kannte deshalb dessen gute Beziehung zu den Teamkollegen. „Durch den Verlust von Erhan dachte ich zunächst, dass ich womöglich mit etwas Distanz aufgenommen werden würde. Ich wurde dann aber positiv überrascht. Nach einer Kennenlernphase zu Beginn ist die Stimmung und unsere Beziehung im Team inzwischen sehr, sehr gut. Wir unternehmen auch privat etwas zusammen und verstehen uns bestens“, so der 24-Jährige.

Angesprochen auf die großen Fußstapfen, in die er tritt, reagiert May gelassen: „In meinem Auftreten und meiner Wahrnehmung spielt das überhaupt keine Rolle. Mir und dem VfB war von Anfang an wichtig, dass ich Burak bin und nicht Erhans Nachfolger. Vergleiche bringen sowieso weder ihm noch mir etwas.“

FIFA 20 noch ausbaufähig

In sein Hobby, das nun langsam aber sicher zum Beruf wird, investiert der Deutsch-Türke viel Zeit, vor allem im Herbst, wenn die neue FIFA-Edition auf den Markt kommt. „Als das Game frisch rauskam, habe ich acht bis zehn Stunden am Tag gespielt, um das Spiel kennenzulernen. Inzwischen sind es nur noch drei bis vier Stunden täglich, da ich außen herum mehr ausgelastet bin. Grundsätzlich bin ich aber jeden Tag an der Konsole“, erklärt er.

Mit FIFA 20 verbindet May bisher gemischte Gefühle. Auch wenn er anfangs gut damit warm wurde, stören ihn, wie die meisten Profis, inzwischen einige Kleinigkeiten im Gameplay. Für ein großes Turnier konnte er sich bisher nicht qualifizieren. In der Club Championship, wo im sogenannten 85er-Modus mit angeglichenen Spielerstärken gezockt wird, läuft es mit zwei Siegen und einem Unentschieden im Einzel sowie zwei Siegen und zwei Remis im Zwei-gegen-Zwei dafür hervorragend. „Inzwischen habe ich mich mehr mit dem 85er-Modus als mit dem normalen Ultimate-Team-Modus angefreundet und lege darauf in den nächsten Wochen meinen Fokus“, so der 24-Jährige.

Wenn er jüngeren oder unerfahrenen Spielern einen Tipp mit auf den Weg geben müsste, wäre es folgender: „Schaut euch YouTube-Videos an, verinnerlicht die Taktiken und Skills und wendet sie an.“ Zum Trainieren empfiehlt May den Rivals-Modus in FIFA 20, da man dort online Gegnern auf einem ähnlichen Level zugeordnet wird. Die oberste Maxime, die auch Burak May letztlich dort hingebracht hat, wo er nun steht und ihn womöglich noch weiter nach oben bringen wird, heißt „nicht aufgeben!“ Im eSport werde es immer Dinge geben, die aus verschiedenen Gründen nicht funktionieren, so der VfB-Profi. Doch nur wer dran bleibt, könne auch erfolgreich sein.