Essay über die USA Uncle Sams robuste Kondition

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Den Niedergang der Vereinigten Staaten vorherzusagen, ist in Europa ein beliebter Zeitvertreib. Die Abstiegspropheten übersehen dabei, warum die USA eine Weltmacht mit Zukunft sind, meint Andreas Geldner.

So sieht Optimismus aus: US-Präsident Obama feiert den Unabhängigkeitstag mit „Uncle Sam“ und Bürgern im Garten des Weißen Hauses. Foto: dpa
So sieht Optimismus aus: US-Präsident Obama feiert den Unabhängigkeitstag mit „Uncle Sam“ und Bürgern im Garten des Weißen Hauses. Foto: dpa

Washington - Krank und blass liegt Uncle Sam im Bett. „Der amerikanische Patient – vom Niedergang einer großen Nation“, lautet die Überschrift auf der Titelseite. Im Innenteil geht es auf zehn Seiten so weiter. Im Schlusssatz wird bereits das traurige Denkmal für Barack Obama gemeißelt: „Auf der Gedenkplatte könnte stehen, dass er das Unglück hatte, sein Amt zu übernehmen, als das amerikanische Weltreich gerade zu einer schönen Erinnerung wurde.“ Dazwischen stehen Seite um Seite düstere Statistiken: wachsende Staatsschulden, hartnäckige Arbeitslosigkeit, verfallende Highways oder Defizite bei der grünen Energie.

Dumm nur, dass das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ dieses Szenario direkt vor dem amerikanischen Wahltag in dunkelgrauen Tönen ausmalte. Denn da hievte ein buntes und dynamisches Zukunftsbündnis von Minderheiten, Frauen und jungen Menschen Barack Obama zum zweiten Mal ins Weiße Haus – selbst zur Überraschung mancher Amerikaner. Die rechtspopulistischen Fanatiker der Tea-Party-Bewegung waren die Verlierer. In atemraubenden Tempo begannen die Republikaner, vom Verlust der Macht erschüttert, schon in den Tagen nach der Wahl verbohrte Positionen zu hinterfragen. Vielleicht sollten sie ja doch eine Reform des Einwanderungsrechts unterstützen?