Essay über Rassismus in den USA Die Fratze des Hasses

Von Sebastian Moll 

Nach den Ausschreitungen in Charlottesville haben der US-Präsident und seine Anhänger gezeigt, wie tief verwurzelt rassistisches Denken in Teilen der amerikanischen Kultur ist. Das weiße Amerika sollte sich eingestehen, dass die Geschichte seines Landes eine Geschichte der Unterdrückung ist.

Neonazis und Anhänger der Alt-Right-Bewegung sowie des Ku-Klux-Klans grölten in Charlottesville Hass-Parolen Foto: Picture Alliance
Neonazis und Anhänger der Alt-Right-Bewegung sowie des Ku-Klux-Klans grölten in Charlottesville Hass-Parolen Foto: Picture Alliance

Charlottesville - Eigentlich hat sich Amerika längst an die vielen Verwandlungen von Donald Trump gewöhnt. Schon während seines Wahlkampfs sagte er jeder Wählergruppe das, was diese hören wollte. Wenn er in Atlanta sprach, liebte er die Afroamerikaner, am Gay Pride Day gab er sich als Vorkämpfer für Schwulenrechte, in den Hügeln der Appalachen war er ein Freund der Bergarbeiter, in New York beschwichtigte er Banker an der Wall Street. Kommentatoren bezeichneten ihn deshalb schon als wandelnden Algorithmus, der aufgrund von gekauften Datensätzen das ausspuckt, was von der jeweiligen Konsumentengruppe gewünscht wird. Eine echte Trumpsche Überzeugung, etwas, wofür der Präsident steht, schien nicht erkennbar.

Trumps Verrenkungen nach den Ausschreitungen von Charlottesville schienen auf den ersten Blick eine ähnliche Qualität zu besitzen. Am ersten Tag verurteilte er beide Seiten – die Nazis und weißen Suprematisten ebenso wie die Gegendemonstranten – für das Chaos und die Gewalt auf den Straßen von Charlottesville. Wohl aufgrund der Empfehlung von besonneneren Beratern quälte er sich am Sonntag dann jedoch ein klares Wort gegen Neo-Faschismus und Rassismus aus dem Leib.

Zerrissenheit zwischen den Gruppen

Keine 24 Stunden später war das wieder vergessen. Als ihn Reporter in New York zur Rede stellten und er spontan reagieren musste, platzte es aus ihm heraus, er zeigte sein wahres Gesicht. In einem unkontrollierten Zornesausbruch nahm Donald Trump erneut die nativistischen und rassistischen Hetz-Gruppen in Schutz, die in Charlottesville aufmarschiert waren und setzte ihre Gewalt mit jener ihrer linken, linksliberalen oder auch nur demokratieliebenden Gegner gleich.

Kommentatoren haben dieses Hin und Her des Präsidenten als Zerrissenheit zwischen zwei Gruppen beschrieben, die er politisch dringend braucht. Zum einen ist da das konservative Establishment in Washington, das er zum Regieren dringend benötigt, das aber bei der Annäherung an offen faschistische und rassistische Gruppen entschlossen einen Strich zieht. Zum anderen sind da die weißen Suprematisten, deren Mobilisierung er nicht zuletzt seinen Wahlsieg verdankt.

In der vergangenen Woche wurde jedoch spürbar, dass das Flirten mit Faschisten von Seiten Trumps nicht nur politisches Kalkül war, eingeflüstert von seinem ultrarechten Strategen Steve Bannon, sondern eine tief empfundene Affinität. Der ehemalige Ku-Klux-Klan-Anführer David Duke spürte das, als er Trump für seine Ehrlichkeit dankte. Der neokonservative Journalist Jacob Heilbrunn brachte es auf den Punkt, als er sagte: „Donald Trump ist davon überzeugt, dass die Hegemonie des weißen Mannes in Amerika und in der Welt bedroht ist und mit allen Mitteln verteidigt und wieder hergestellt werden muss.“