Essen aus der Region Gastro-Geheimtipp bei Esslingen bekommt Auszeichnung
Eine Traditionswirtschaft aus Deizisau setzt auf Regionalität bei ihrem Essen. Nun hat der Gastro-Geheimtipp eine Auszeichnung bekommen.
Eine Traditionswirtschaft aus Deizisau setzt auf Regionalität bei ihrem Essen. Nun hat der Gastro-Geheimtipp eine Auszeichnung bekommen.
Um in der Deizisauer Rettichbar einen Wildschweinbraten oder Rehgulasch zu bekommen, muss man ein bisschen Glück haben. Aber wenn es dort Wild gibt, dann stammt es garantiert aus dem lokalen Wald und aus nachhaltiger Jagd. Deshalb wurde die Traditionswirtschaft mit Biergarten jetzt mit dem Label „Wild aus der Region“ ausgezeichnet.
Das Label, das der Landesjagdverband verleiht, sei gar nicht so häufig zu finden, sagt Kreisjägermeister Maximilian von Gaisberg-Schöckingen. Denn Wild sei zwar bei den Gästen sehr beliebt, aber es sei einfacher, „im Metro neuseeländisches Reh zu kaufen“, stellt der Kreisjägermeister fest. Doch Alexander Kraft, der Wirt der Rettichbar, setzt bewusst auf lokale Produkte, beispielsweise auch auf Kartoffeln vom Deizisauer Berghof. Und eben auch beim Wild – dafür muss er recht flexibel sein, denn die Jäger wissen ja nicht, wann sie das nächste Tier erlegen.
Das könne auch mal dauern, sagt Jagdpächter Markus Gaudlitz, doch dafür habe heimisches Wild über den Geschmack hinaus weitere Vorzüge. Lange Transportwege fallen weg, die Tiere seien natürlich aufgewachsene und nicht in erster Linie wegen des Fleisches gejagt worden, sondern um die Population und damit den Verbiss im Wald zu begrenzen. „Wir jagen ja nicht, weil es uns Spaß macht, sondern suchen schon Nachhaltigkeit“, sagt Gaudlitz. Die Jäger seien es auch, die zusammen mit Freiwilligen dafür sorgen, dass Felder vor der Ernte nach Rehkitzen abgesucht und diese gerettet werden. Und wenn man mal ein Jahr lang weniger schieße, habe man prompt mehr Wildunfälle, auch auf der B10.
Der Rettichbar ist zudem wichtig, das Wild komplett zu verwerten, mit Ausnahme der Eingeweide, die die Jäger gar nicht vermarkten. „Wir nehmen die Tiere immer im Ganzen ab“, sagt Alexander Kraft. Braten, Filet, Keule oder Gulasch sind ohnehin begehrt, andere Teile werden zum Beispiel zu Wurst oder Burger-Pattys verarbeitet. Interessierte Gäste können nach Wild fragen. Sie wüssten den lokalen Ansatz und die Transparenz sehr zu schätzen, sind sich Kraft und Gaudlitz einig. Beim Pressetermin unterhalten sich die beiden, ob sich wohl etwas mit Wildwurst für einen der nahenden Grilltermine machen lässt.
Kennengelernt haben sie sich über das Rehessen der Gemeinde Deizisau, das schon seit mehr als sechs Jahrzehnten für Ratsmitglieder und andere ausgewählte Gäste stattfindet. Seit jeher gibt es dabei „Reh, das vom Jagdpächter geliefert wurde“, so Bürgermeister Thomas Matrohs. Und seit jeher koche ein lokales Restaurant. Der Rathauschef freut sich, dass dadurch die Verbindung zwischen Rettichbar und Familie Gaudlitz zustande gekommen ist: „Es ist gut, wenn ein örtlicher Gastronomiebetrieb von einem örtlichen Jäger Wild bekommt.“ Was daraus entsteht, wird dann allerdings nicht nur von Deizisauern, sondern auch von anderen Gästen gegessen: Die Rettichbar im Körschtal ist weit über den Ort hinaus bekannt und ein beliebtes Ausflugsziel. Derzeit sind Wildgerichte allerdings rar; die Haupt-Jagdsaison ist im Herbst und Winter.