Esslingen Der Stadt drohen zehn Jahre Verkehrschaos

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Das Projekt kostet voraussichtlich mehr als 100 Millionen
Euro. Der notwendige Neubau der drei großen Neckarbrücken soll voraussichtlich im Jahr 2020 beginnen.

44 000 Fahrzeuge überqueren Tag für Tag die Vogelsangbrücke. Schon die Schließung der Dieter-Roser-Brücke mit 13 500 Autos täglich hat zu langen Staus geführt. Foto: Rudel/Archiv
44 000 Fahrzeuge überqueren Tag für Tag die Vogelsangbrücke. Schon die Schließung der Dieter-Roser-Brücke mit 13 500 Autos täglich hat zu langen Staus geführt. Foto: Rudel/Archiv

Esslingen - Es geht um einen Betrag im Bereich von 100 Millionen Euro. Diese für Esslingen gewaltige Summe wird die Stadt in absehbarer Zeit in die Hand nehmen müssen, um die drei größten ihrer insgesamt fünf Brücken über den Neckar für die Zukunft zu ertüchtigen. Dass das dringend nötig ist, war schon seit Langem klar. Doch das, was das Tiefbauamt den Stadträten bei der Klausurtagung des ­Gemeinderats als Ergebnis einer Studie präsentierte, hat die schlimmsten Befürchtungen übertroffen.

Denn nicht nur die Hanns-Martin-Schleyer-Brücke, die die Stadtteile Mettingen auf der einen sowie Brühl und Weil auf der anderen Neckarseite verbindet, muss durch einen Neubau ersetzt werden. Auch die beiden größten und wichtigsten Verkehrsverbindungen, die Adenauerbrücke und die Vogelsangbrücke, sind derart ­marode, dass die Sanierung unter laufendem Betrieb keine reelle Alternative zu kompletten Ersatzbauten ist.

Verheerende Folgen für die Esslinger Autofahrer

Die Folgen für Esslingen werden voraussichtlich verheerend sein. Denn wenn man bedenkt, dass schon die viermonatige Sperrung der Dieter-Roser-Brücke, auf der täglich „nur“ 13 500 Fahrzeuge gezählt werden, im vergangenen Jahr zu stundenlangen Staus und einem Proteststurm der Bürger geführt hat, kann man erahnen, welche Belastungen auf die Stadt von 2020 an zukommen werden. Ein Jahrzehnt lang, voraussichtlich bis 2029, soll der Neubau der drei großen Brücken dauern.

Zwar hat das Tiefbauamt versprochen, aus den Erfahrungen mit der Sperrung der Dieter-Roser-Brücke die richtigen Schlüsse zu ziehen. So soll zunächst ein ausgeklügeltes Verkehrsleitsystem entwickelt werden. „Doch ohne erhebliche Beeinträchtigungen des Verkehrs werden sich die Neubauten nicht verwirklichen lassen“, räumt Uwe Heinemann, der Leiter des Tiefbauamts, ein. Die Zahlen sprechen für sich: Die Schleyer-Brücke wird wochentags von 17 000 Fahrzeugen genutzt. Über die Adenauerbrücke rollen 35 000 Autos und Lastwagen. Auf der direkt in die Altstadt führenden Vogelsangbrücke haben Verkehrszähler an Werktagen sogar 44 000 Fahrzeuge gesichtet.

Momentan hat die Stadt pro Jahr zwei Millionen Euro für die Brückensanierung im Haushalt bereitgestellt. Im mittelfristigen Finanzplan sind dafür immerhin vier Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Doch auch dieses Summe wird bei weitem nicht ausreichen, um die tatsächlichen Kosten zu decken. Die Finanzierung ist momentan noch völlig offen. Zwar hofft der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger auf Zuschüsse von Land und Bund. Die Stadt weist aber vorsichtshalber schon einmal darauf hin, dass sich das strukturelle Defizit im städtischen Haushalt durch den Brückenneubau „deutlich erhöhen“ könnte.

Verschmälerung scheint vielen nicht der richtige Weg zu sein.

Ob allerdings der vom Tiefbauamt vorgeschlagene Kostensenkungsvorschlag, beim Bau der Schleyer-Brücke und der Adenauer-Brücke auf Fahrstreifen zu verzichten, in die richtige Richtung geht, wird von verschiedenen Vertretern des Gemeinderats bezweifelt. Der SPD-Fraktionschef Andreas Koch mahnt, die Leistungsfähigkeit der Brücken müsse langfristig erhalten bleiben. Und auch sein CDU-Kollege Jörn Lingnau rät angesichts der steigenden Bevölkerungsprognosen – Esslingen soll bis 2025 von momentan 91 000 auf mindestens 96 000 Einwohner wachsen –, nicht an der falschen Stelle zu sparen.