In der ersten Ausstellung des Jahres widmet sich das Esslinger Stadtmuseum allen Facetten der Dunkelheit. Die museale Reise durch das Dunkel führt an Tieren, einem Lagerfeuer und einem Bett vorbei bis zum Frühstückstisch.

Esslingen - Die Nacht ist alltäglich. Trotzdem hat sie es ins Museum geschafft. Was also macht das Dunkel so besonders? Mit der am Freitag, 14. Februar, öffnenden Ausstellung „Gute Nacht – von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang“ hat sich das Esslinger Stadtmuseum im Gelben Haus auf Spurensuche begeben.

 

„Wir haben uns auf die Nacht konzentriert, weil die sonst immer im Schatten des Tages steht“, sagt Martin Beutelsbacher, der Leiter des Museums. Wir, das ist der Museumschef selbst, vor allem aber ist es Sara Dame, die das Konzept für die erste Ausstellung des noch jungen Jahres erarbeitet hat. Sie hat sich der Herausforderung, die Vielfältigkeit des Nachtlebens in die Museumsräume zu bringen, streng chronologisch genähert.

Übergang ins Traumland

Ihre Nacht beginnt dort, wo sich Fuchs und Has’ gute Nacht sagen – in der Natur. Nach dem Einblick in das Leben der tierischen Nachteulen legt sich der Besucher erst einmal ins Bett – mit all den Mittelchen, die den Übergang ins Traumland erleichtern: mit dem obligatorischen Kuscheltier, aber auch mit allerlei sonstigen Helferlein, seien es medizinische wie die Schlaftabletten oder homöopathische wie der Gute-Nacht-Tee, religiöse wie das Beten oder gar rituelle wie das Schäfchen-Zählen. Eine biologische Uhr gemahnt daran, dass das menschliche Schlafbedürfnis weniger vom Bewusstsein und der Gewohnheit als vielmehr von hormonellen Schwankungen gesteuert wird.

Allerdings lassen sich die Hormone überlisten, und so ist der Besucher einen Raum weiter plötzlich hellwach. Eine Bar-Theke in der Ecke weist darauf hin, dass für viele Menschen die Nacht nicht nur zum Schlafen da ist. Wenn das Partyvolk die Cocktails in einem Shaker des Esslinger Herstellers Deffner mischt und die Drinks im Quist-Eiseimer kühlt, sorgen sich die Feuerwehr, die Polizei und das Rote Kreuz derweil um die weniger schönen Begleiterscheinungen einer durchzechten Nacht. „Wir wollen mit der Gegenüberstellung auch anregen, darüber nachzudenken, wer es mir ermöglicht, die Nacht zum Tage zu machen“, sagt Beutelspacher.

Gang zum Frühstückstisch

Die museale Reise durch das Dunkel führt am Lagerfeuer, einer Videoarbeit der Künstlerin Daniela Wolf, vorbei in den Ausstellungsraum für die besonderen Nächte. Hier geben sich stille Nächte (Weihnachten!) und laute Nächte (Fastnacht!) in symbolischer Eintracht die Hand.

„Es werde Licht“, heißt es schließlich im nächsten Raum. Nicht nur, dass das Tageslicht endlich durch die unverhangenen Fenster herein scheint. Der erste Hahnenschrei macht der Nacht ein Ende und wer die natürlichen Signale nicht mehr zu deuten weiß, dem hilft der Wecker auf die Sprünge. Die piepsenden und scheppernden Wecker hat Sara Dame aus Schramberg, der Heimat der Junghans-Uhren, nach Esslingen gebracht. Ein Wecker der konkurrierenden Herstellers Mauthe fällt aus dem Rahmen. Der Esslinger Industriedesigner Rolf Garnich hat das Gerät entwickelt, das nicht über die herkömmliche Wecktaste, sondern über einen Kippmechanismus bedient wird.

Einmal aufgewacht, führt der nächste Gang an den Frühstückstisch. Den hat Sara Dame mit Besteck von Esslinger Herstellern gedeckt. Eine Strichliste schließlich fordert den Museumsbesucher auf, sich selbst in einer Skala vom Frühstückmuffel bis zum Genießer einzuordnen. Was mit dem so skizzierten Esslinger Frühstückspanorama geschieht, lassen die Museumsmacher noch offen.

Mit der Taschenlampe durch die Dauerausstellung

Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Gute Nacht“ wird am Freitag, 14. Februar, um 18 Uhr vom Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger im Stadtmuseum im Gelben Haus, Hafenmarkt 7, eröffnet. Sie ist bis zum 18. Mai von Dienstag bis Samstag von 14 Uhr bis 18 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 Uhr bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet zwei Euro.

Begleitprogramm
Um Gute-Nacht-Geschichten geht es am Sonntag, 16. Februar. Die Vorlesestunde für Kinder beginnt um 16 Uhr. Bei der Lesung am Sonntag, 2. März, sollten vielleicht die Eltern dabei sein, denn dann wird es gruselig. Der Nachtgrab und andere nächtliche Gestalten treiben von 16 Uhr an ihr Unwesen im Museum. Am 27. Februar, 20. März, 17. April und 15. Mai geht es im Rahmen einer Taschenlampenführung durch die Dauerausstellung. Weitere Termine finden sich unter www. museen-esslingen. de im Internet.