Esslingen Die Radler rücken zunächst mit Schaufeln an

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Die Behörden und Verbände haben grünes Licht für eine Mountainbikestrecke Esnos 2.0 im Esslinger Stadtwald gegeben. Für die Mitglieder der Radsportabteilung des TV Hegensberg beginnt damit die Arbeit.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Die Mountainbiker hoffen, noch in diesem Jahr mit dem Bau der Strecke fertig zu werden. Foto: Horst Rudel
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Die Mountainbiker hoffen, noch in diesem Jahr mit dem Bau der Strecke fertig zu werden. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Für die Mountainbiker der Radsportabteilung des TV Hegensberg geht ein Traum in Erfüllung. Sie haben jüngst die Baufreigabe für ihre so ersehnte Bikestrecke in der Nähe des Katzenbühls oberhalb von Esslingen erhalten, die ihre frühere, illegal gebaute, ersetzt. Bevor sie sich in die Sättel schwingen können, müssen sie aber noch die Schaufeln in die Hände nehmen. Am Samstag ist der Baubeginn für das Projekt offiziell eingeläutet worden.

Der Abteilungsleiter Johannes Reiser und seine Mitstreiter sind froh, dass es jetzt losgehen kann mit der Gestaltung der rund 1400 Meter langen Strecke. Der Verlauf, der zudem verschiedene reizvolle Varianten bereit hält, ist großteils schon vorgeplant. Und nachdem die zuständigen Behörden, bestätigt durch diverse Gutachten, grünes Licht gegeben haben, steht einer Umsetzung nun nichts mehr im Wege. Mehr als zweieinhalb Jahre lang hat die Szene rund um Esslingen dafür gekämpft, legal und kurvenreich gen Tal sausen zu dürfen. Im Januar 2014 war die damalige Esslinger Nordschleife – kurz Esnos genannt – von der Stadtverwaltung aus Sicherheitsgründen platt gemacht worden. Die Esnos war in der Region legendär und äußerst beliebt, aber eben illegal unweit des künftigen Standorts in den Wald gebaut worden – ohne die Anforderungen an den Naturschutz sowie Haftungsfragen zu beachten. Und so zerschlug sich auch die Hoffnung der Sportler auf eine Duldung oder nachträgliche Genehmigung.

Aus Wurde schnell Entschlossenheit

Die anfängliche Wut über die Zerstörung der mit viel Engagement gehegten und gepflegten Schleife wich schnell der Entschlossenheit, für eine neue, diesmal genehmigte Strecke zu kämpfen. Der erste Schritt wurde im April 2014 mit der Gründung einer Radsportabteilung unter dem Dach des Turnvereins Hegensberg getan. Aus den damals 30 Mitgliedern sind inzwischen rund 150 geworden, die es tatsächlich geschafft haben, im Einvernehmen und in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, dem Landratsamt, dem Naturschutz, dem Landesforst, den Jägern und Wanderverbänden sowie den Bürgerausschüssen die Genehmigung für eine neue Strecke im Stadtwald zwischen dem Katzenbühl und dem Segelflugplatz zu erhalten. Mit dem Namen Esnos 2.0 hält sie die Erinnerung an ihre Vorgängerin hoch.

Reiser zufolge ist es ein Segen, dass sich die Radsportbegeisterten seinerzeit unter die Fittiche des TV Hegensberg begeben haben. „Sonst wäre das gar nicht möglich.“ Denn der Verein springe zunächst für die Kosten ein, die nicht unbeträchtlich sind. Für den Bau und die Gutachten sowie die Beschilderung, Abnahme und Versicherung werden rund 30 000 Euro fällig. Weitere 7000 Euro kommen jährlich für die Instandhaltung und die Absicherung hinzu.

Darin enthalten ist auch die Summe, welche die Stadt Esslingen für Ausgleichsmaßnahmen wegen des Flächenverbrauchs in Rechnung stellt. Laut der Auflage der Verwaltung müssen links und rechts der Strecke jeweils 60 Meter des Geländes abgesichert werden. „Damit im Falle eines Sturms nicht einmal durch einen Dominoeffekt ein Baum drauf stürzen kann“, sagt Johannes Reiser. Besonders glücklich seien die Radsportler darüber nicht, räumt er ein, denn sie waren ursprünglich von beidseitig jeweils 30 Metern ausgegangen. So aber erhöhe sich der Flächenverbrauch von fünf auf etwa 7,5 Hektar, was entsprechend höhere Kosten nach sich ziehe, die ausschließlich von der Radsportabteilung getragen und unter anderem mit Unterstützung durch Sponsoren gedeckt würden.

Noch in diesem Jahr soll die Strecke fertig werden

Dafür dürften sich die Mountainbiker in der Region auf eine Strecke freuen, die laut Reiser richtig gut und auch bekannt werden wird“. Die Hauptlinie sei für jedermann fahrbar, der mit seinem Rad vertraut sei. Aber auch die Spezialisten kämen voll auf ihre Kosten, wenn sie im Flow durch die Steilkurven jagen und an den Sprüngen abheben. Für die Planung haben sich die Esslinger Radler zudem externen Rat von Experten eingeholt. Wenn das Wetter mitspielt und die Maßnahmen zur Streckensicherung reibungslos umgesetzt werden können, „wollen wir noch dieses Jahr fertig werden“, sagt Reiser. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, denn die Arbeiten werden komplett in Eigenleistung gestemmt.

Von Anfang an solle „mit Umsicht und Rücksichtnahme“ eine positive Stimmung rund um die Esnos 2.0 geschaffen werden, sagt Johannes Reiser. Das sei der wirkungsvollste Schutz vor kriminellen Gegnern solcher Strecken, die – wie jüngst mit einem über einen Trail gespannten Seil in Stuttgart geschehen – sogar die Gesundheit und das Leben der Sportler aufs Spiel setzten.




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