Esslingen Ein zugkräftiger Sport für Hund und Mensch

In der Gruppe betrieben macht das Zughundetraining von Nadine Langer (links) besonders viel Spaß. Foto: Michael Steinert 6 Bilder
In der Gruppe betrieben macht das Zughundetraining von Nadine Langer (links) besonders viel Spaß. Foto: Michael Steinert

Beim Konditionstraining vor dem Dogscooter oder dem Fahrrad haben die Vierbeiner sichtlichen Spaß. Für das Zughundetraining bei Nadine Langer eignen sich fast alle Rassen, unabhängig von ihrer Größe.

Esslingen: Jürgen Veit (jüv)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Esslingen - Hunde gehen gerne Gassi. Die meisten zumindest. Doch es gibt auch Tiere dieser Spezies, denen das nicht reicht, die sich gerne vollständig verausgaben, ihre eigenen Grenzen ausloten. Wenn sie dann noch gleichgesinnte Frauchen oder Herrchen an ihrer Seite wissen, sind sie beim Zughundetraining goldrichtig. Nadine Langer bietet es in ihrer Esslinger Hundeschule Hundesinn an. Sonntags trifft sie sich ganz in der Nähe ihres Trainingsgeländes in Aichwald-Aichschieß, um mit Freunden und deren Hunden im Schurwald dieser Disziplin zu frönen. Diese entstammt dem Schlittenhundesport und eignet sich dank diverser geländetauglicher Alternativen für schneearme Gefilde.

Man merkt den Vier- und den Zweibeinern gleichermaßen an, dass sie großen Spaß dabei empfinden, als Gespann durch Wald und Flur zu flitzen. Egal, ob vor den rollerähnlichen Dogscooter, das Fahrrad oder den hinterher joggenden Menschen gespannt – der Spaß am Ziehen und Gezogenwerden ist allen Beteiligten gemein.

Eddy ist eine „richtige Sportskanone“ geworden

Vor rund vier Jahren hat Nadine Langer ihre normale Hundeschule um das Zughundetraining erweitert. Als Outdoorfreak und Ausdauersportlerin sei sie mit ihren Hunden schon immer gerne in der Natur unterwegs gewesen und so auf das Thema Zughundetraining gestoßen. Dieser gemeinsame Sport für Mensch und Tier sei „richtig im Kommen“. Es gebe inzwischen schon Wettkämpfe für Zughundegespanne. Auch sie denke daran, ein Rennen zu veranstalten, wenngleich „der Spaß immer im Vordergrund steht“.

Die Mischung aus Ausdauer und Krafttraining helfe, die Hunde fit zu halten. Es gebe zudem Rassen, wie etwa Jagdhunde, „die müssen laufen und wollen sich auspowern“. Werde deren Bewegungsdrang nicht gestillt, könnten sie mitunter sogar „verhaltensauffällig“ werden, weiß die erfahrene Hundetrainerin. Grundsätzlich sei keine Rasse, vielleicht abgesehen von kurzatmigen Möpsen oder Bulldoggen, vom Zughundetraining auszuschließen. In ihrer Gruppe rennen zwei Leonberger ebenso mit wie ein Beagle, ein Husky, Jagd- und Schäferhunde. Der Charakter der Tiere sei ebenfalls ausschlaggebend für die Eignung. Manche Hunde, Nadine Langer nennt sie „gemütliche Kandidaten“, brauche man erst gar nicht einzuspannen – sie würden keine Freude daran haben, die Leine auf Zug zu bringen. Manch einer der eher ruhigen Vertreter gebe sich damit zufrieden, gemütlich einen Bollerwagen zu ziehen – wofür im Übrigen früher schon die Hunde auf den Bauernhöfen eingesetzt worden seien.

Andererseits könne sogar ein Pinscher Spaß dabei empfinden, vor ein Fahrrad gespannt zu werden. Die Faustregel sei, dass ein Hund rund das Vierfache seines Körpergewichts ziehen könne. Wichtig sei in jedem Fall, die Tiere nicht zu überfordern. Deshalb sei ein Training nur für kühlere Tage zu empfehlen, bei einer Temperatur von mehr als 15 Grad überhitzten die Hunde zu schnell. Zudem sollte man sich nicht mehr als zwei bis fünf Kilometer Strecke vornehmen und es bei höchstens zwei bis drei Einheiten pro Woche belassen. Außerdem müsse das spezielle Zuggeschirr genau passen, es dürfe nicht scheuern oder drücken. Asphaltstrecken sollten weitestgehend gemieden werden, um die Pfoten und Gelenke der Hunde zu schonen.

Im Lauf der Zeit stelle sich bei diesen ein spürbarer Trainingseffekt ein. Ihr vier Jahre alter Labrador Eddy sei eine „richtige Sportskanone“ geworden, und ihre achtjährige Collie-Jagdhund-Mischlingshündin Beanie laufe inzwischen „wie eine Nähmaschine“, erzählt Nadine Langer. Nur ihr Labrador Nero gehe nicht mehr auf Zug, er befinde sich bereits im „Rentenalter“. Neben einer guten Kondition verlange dieser Sport den hechelnden Akteuren ein gehöriges Maß an Konzentration ab. Denn es gelte, während der flotten Fahrt einige Kommandos zu beherrschen und auf diese zu reagieren, um wohlbehalten zum Ausgangspunkt der Tour zurückzukehren.

Auch Frauchen und Herrchen geraten ins Schwitzen

Auch die Partner am hinteren Ende der Leine geraten Nadine Langer zufolge beim unterstützenden Pedalieren und Anschieben gehörig ins Schwitzen und bisweilen auch außer Puste. Zudem gebe es für sie in puncto Sicherheit einiges zu beachten. Helm, Handschuhe und Schutzbrille seien bei der Fahrt auf dem Fahrrad oder dem Dogscooter unerlässlich. „Manche fahren sogar mit Protektoren“, sagt Nadine Langer. Denn es gehe mitunter rasant zu bei der Fahrt mit meist einer, maximal aber zwei Hundestärken. Deshalb besitze die Leine einen Dämpfer zur Abfederung ruckartigen Anziehens und einen sogenannten Panikhaken. Der erlaube im Falle eines Sturzes das schnelle Lösen der Verbindung zwischen Hund und Gefährt und verhindere schmerzhaften Schleifkontakt mit grob geschotterten Waldwegen.

Dass die auf Schnee verzichtenden Musher, so werden die Schlittenhundeführer genannt, wetterfest sein müssen, verstehe sich von selbst, merkt die Hundetrainerin Nadine Langer an. Wenn es auf den zum Teil matschigen Wegen dreckspritzend dahin gehe, merke jeder schnell: „Das ist ein echter Schmuddelsport“.




Unsere Empfehlung für Sie