Esslingen Filderebene sucht Anschluss ins Neckartal

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Die Politiker des Landkreises Esslingen machen mobil für eine Bahntrasse nach Wendlingen.

Der Landkreis priorisiert eine Schienenverbindung auf die Filderebene, über Wendlingen geht.Foto: Horst Rudel

Wendlingen - Uns ist alles lieber als das Chaos, das wir jetzt gerade haben“, so umreißt der Wendlinger Bürgermeister Steffen Weigel die Position der Stadt Wendlingen. Denn gerade werden die Weichen gestellt für die Bahnprojekte, die nach Stuttgart 21 und nach dem Bau der Neubaustrecke in Richtung Ulm kommen werden.

Deswegen haben der Wendlinger Bürgermeister, der Esslinger Landrat Heinz Eininger und der Grünen-Abgeordnete Andreas Schwarz sich jetzt gemeinsam zu der Frage geäußert, welche Trassen von der Filderebene ins Neckartal führen könnten, die entweder mit einer S-Bahn oder mit Regionalzügen bestückt werden sollen.

Andere Trassen brauchen mehr Zeit

Grob vereinfacht stehen drei Trassen-Varianten zur Wahl: eine durch das Körschtal bei Denkendorf, eine über Köngen und eine direkt nach Wendlingen. Etwa 5000 bis 14 000 Fahrgäste täglich sollen hier auf die Strecke kommen, die damit einen Beitrag leistet, dem Verkehrsinfarkt in der Region abzuhelfen.

Denn nicht nur Autofahrer aus Köngen, Denkendorf, Wendlingen und Neuhausen sollen neu aufs Gleis gesetzt werden, sondern auch Reisende, die von Tübingen und Reutlingen Richtung Vaihingen und Möhringen oder Sindelfingen wollen. Dort gibt es zwar große Stuttgarter Arbeitgeber, aber keine vernünftige Bahnverbindung, also müssen die Bürger notgedrungen über die B 27 oder die A 81 fahren.

Vor allem seitdem jetzt bekannt ist, dass es technisch möglich ist, auch mit S-Bahnen über das Gleis der Neubaustrecke nach Ulm zu fahren, ist die Trasse über Wendlingen vielleicht nicht die sinnvollste, aber die aussichtsreichste. Denn die Trassen über Denkendorf oder Köngen müssten komplett neu gebaut werden, und die Schritte dazu, vom Planfeststellungsverfahren über den Grunderwerb bis zum Bau würden extrem viel Zeit verschlingen. Allerdings würden dort möglicherweise mehr Fahrgäste erreicht. Die Strecke nach Wendlingen hätte den Charme, dass sie eben über das bestehende Gleis läuft und nur die Anschlüsse neu gebaut werden müssten.

Ziehen an einem Strang

Deswegen hatte die Runde drei Themen gesetzt: Beim Bau der Neubaustrecke nach Ulm müssten jetzt bereits die Anschlüsse für die Wendlinger Trasse mit errichtet werden. Das würde einen Millionenbetrag im einstelligen Bereich kosten, „ein Schildbürgerstreich, wenn man das nicht machen würde“, urteilt Andreas Schwarz. Das zweite Thema war, dass die S-Bahn-Trasse von der Filderebene nach Wendlingen grundsätzlich möglich sei. Das dritte Thema war mehr als ein Signal nach Stuttgart zu verstehen: Die Kommune, der Landkreis Esslingen und die Politik ziehen hier an einem Schienenstrang.

Doch ist den Verantwortlichen auch bewusst, dass diese Dinge ihre Zeit brauchen werden. Wer die Geschwindigkeit von Bahnprojekten kennt, dem dürfte klar sein, dass viele, die jetzt an der Planung beteiligt sind, die Verwirklichung des Bahnprojektes allenfalls als Rentner erleben werden. Beispielsweise hat die Verlängerung der S-Bahn Linie 1 von Plochingen nach Kirchheim gut 30 Jahre gedauert.