Esslingen Wie Fußball Kindern bei der Integration hilft

Von Philipp Braitinger 

Bei dem Integrationsprojekt „Happy Integration Kids“ des Fußballtrainers Jochen Bauer zählt das Miteinander mehr als die Tore. Der Sport soll Flüchtlingskindern das Einleben im fremden Land erleichtern.

Die Freude am Fußball führt die Kinder zusammen. Foto: Horst Rudel
Die Freude am Fußball führt die Kinder zusammen. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Wenn Minderjährige aus dem Ausland nach Deutschland kommen, steht das Deutschlernen ganz oben auf der Agenda. Am besten gelingt das vielen Kindern mit neuen Freunden beim Sport machen, zum Beispiel beim Fußballspielen. Hier setzt das Integrationsprojekt „Happy Integration Kids“ an. Am Mittwoch spielten 26 Kinder mit und ohne Migrationshintergrund der Schule Innenstadt in der Esslinger Neckarsporthalle. Das Ziel sei, dass die Kinder aus der Vorbereitungsklasse, wo sie nach ihrer Ankunft in Deutschland erst einmal unterrichtet werden, Anschluss an ihre Schulkameraden fänden, erklärt die Schulleiterin Christl Binder. Die Gespräche mit Gleichaltrigen könnten auch den deutschen Spracherwerb im Unterricht voranbringen, meint die Pädagogin.

Auf das Turnier folgt eine Fußball-AG

Geleitet wird das Fußballprojekt vom DFB-A-Lizenz-Trainer und ehemaligen VfB-Jugendtrainer Jochen Bauer von jb Fairplay. Bauer hat das Projekt bereits in anderen Städten wie Göppingen, Ostfildern, Winterbach, Ludwigsburg und in Stuttgart durchgeführt. „Man möchte die Kinder zusammenbringen, damit sich Freundschaften entwickeln“, bringt der 46-Jährige das Ziel seiner Arbeit auf den Punkt. Dem Fußballturnier in der Neckarsporthalle soll sich eine Fußball-AG an der Schule anschließen, in Kooperation mit dem VfB Oberesslingen/Zell. Eine Spende von 300 Euro vom Kinderhilfeverein Kelly-Insel und eine Spende von 500 Euro von der Firma Bridging IT soll zur Finanzierung der Fußball-AG und Workshops zum Thema Integration verwendet werden.

Profispieler geben Tipps

Die neun fußballtreibenden Vereine der Stadt profitieren ebenfalls von dem Projekt. Das wurde während der Auftaktveranstaltung deutlich. Die Mädchen und Jungen zwischen zehn und 13 Jahren hingen an den Lippen des ehemaligen Fußballprofis Tobias Rathgeb vom VfB Stuttgart, als dieser von seinen Erfahrungen auf dem Weg in die Bundesliga berichtete. Der 35-Jährige sprach über seinen ehemaligen Mitspieler Philipp Lahm, über die Zusammenarbeit mit Felix Magath und ein Spiel gegen den FC Bayern München, bei welchem er auf dem Platz stand. Die Begeisterung des Sportprofis sprang auf die Kinder über. Von den Kindern wurden bereits während des Gesprächs Fragen zu Trainingszeiten in Esslingen gestellt, etwa wann die Mädchenmannschaft des FC Eislingen trainiere.

Inzwischen ist Rathgeb Co-Trainer der U-19-Jugendmannschaft des VfB Stuttgart. „Fußballspieler ist ein wunderschöner Beruf, aber es steckt viel Arbeit dahinter. Talent alleine reicht nicht“, erklärte der aus Nellingen stammende Sportler. Wichtig sei es, dem Trainer gut zuzuhören und älteren Spielern zuzuschauen, betonte er. Und auch Niederlagen gehörten zu Sport. „Das muss man lernen.“ Als Kind habe er täglich mit seinen Freunden gekickt. Der Kontakt zu diesen Jugendfreunden bestehe bis heute. „Das Wichtigste ist, Freunde zu gewinnen“, sagte der Linksfüßler. Und mindestens einen Freund habe der Fußballspieler auf dem Platz immer: den Ball.




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