Esslingen Gasunglück wohl selbst verschuldet

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Eine vom Eigentümer fehlerhaft reparierte Abgasleitung soll laut der Stuttgarter Staatsanwaltschaft zum Tod einer vierköpfigen Familie geführt haben. Der 29-jährige Mann, seine gleichaltrige Ehefrau und ihre beiden Kinder starben an einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Das tödliche Kohlenmonoxid-Unglück in Mettingen, bei dem im Februar vergangenen Jahres eine vierköpfige Familie ums Leben gekommen war, hatte  einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Foto: SDMG/Kohls/ Krytzner/Archiv
Das tödliche Kohlenmonoxid-Unglück in Mettingen, bei dem im Februar vergangenen Jahres eine vierköpfige Familie ums Leben gekommen war, hatte einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Foto: SDMG/Kohls/ Krytzner/Archiv

Esslingen - Die Ermittlungen zu dem schrecklichen Gasunglück, bei dem im Februar vergangenen Jahres in Esslingen-Mettingen eine vierköpfige Familie durch eine Kohlenmonoxidvergiftung ausgelöscht worden war, stehen der Staatsanwaltschaft Stuttgart zufolge kurz vor dem Abschluss. Die Ermittler gehen laut einer Sprecherin der Anklagebehörde derzeit von einem Selbstverschulden aus. Demnach sei anzunehmen, dass „die fehlerhaft errichtete Abgasleitung in Eigenarbeit durch die später Verstorbenen hergestellt“ worden sei. Ein Verschulden Dritter wird nach dem jetzigen Stand der Erkenntnisse ausgeschlossen. Zudem habe sich die bisherige Annahme bestätigt, dass das tödliche Gift wegen eines lockeren Abgasrohrs in das Wohnhaus geströmt ist.

Eine Angehörige fand die Opfer

Das Unglück hatte weit über Esslingen hinaus Bestürzung und große Trauer ausgelöst. Am 5. Februar 2018 waren die beiden Eheleute sowie ihr vierjähriger Sohn und dessen drei Jahre alte Schwester um die Mittagszeit von einer Angehörigen tot aufgefunden worden. Vermutlich waren die Opfer schon am Abend zuvor gestorben. Schnell war die Polizei von einem furchtbaren und tragischen Unglück ausgegangen, was sich durch die Ermittlungen offenbar bestätigt hat. Die junge Familie war durch das geruchs-, geschmacks- und farblose Gas Kohlenmonoxid gestorben, das über einen längeren Zeitraum in das Reiheneckhaus in der Obertürkheimer Straße im Esslinger Stadtteil Mettingen geströmt war.

Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Unglück gehe die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sich das Abgasrohr einer in einem Anbau befindlichen Heiztherme aus dem Abluftrohr gelöst habe, so die Sprecherin. Dadurch hätten sich Kohlenmonoxid enthaltende Abgase im Heizraum gesammelt und seien von dort aus „durch das Mauerwerk und Schächte für Rohrleitungen in das Wohnhaus eingeströmt“. Offenbar hat der Familienvater selbst das Abgasrohr fehlerhaft montiert. Näher geht die Anklagebehörde nicht auf die Unglücksursache ein, da die Ermittlungen erst „in den nächsten Wochen abgeschlossen“ würden. Doch wie aus Fachkreisen zu erfahren war, hatte sich das Rohr mangels einer ausreichenden Zahl an Halterungen nach unten gebogen und war deshalb aus seiner Anschlussstelle gerutscht.

Die Ermittlungen zogen sich in die Länge

Die Heizung hatte dann offenbar das dort ausgetretene Kohlenmonoxid immer wieder neu angesaugt und ausgestoßen, bis eine tödliche Konzentration des Gases in dem Haus erreicht war. Gegenstand der Ermittlungen war unter anderem, ob das Unglück durch die Fahrlässigkeit Dritter – etwa durch eine unfachmännische Reparatur oder Installation des Rohres – herbeigeführt worden sein könnte.

Die Ermittlungen zu dem Gasunfall hatten sich laut der Polizei so lange hingezogen, weil der zuständige Sachbearbeiter bei der Polizei zufällig auch mit der Aufklärung eines Raubmordes an einer 84-Jährigen in Neuhausen befasst war. Laut der Staatsanwaltschaft Stuttgart war Letzterer „priorisiert“ worden. Der 31-jährige Angeklagte wurde unlängst zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt.