Esslingen „Hilfe“: Videoclip der Stadt sorgt ungewollt für Aufsehen

Leere Stühle als Protest gegen den Stellenabbau vor dem Alten Rathaus in Esslingen. Wie sich dies auswirken könnte, zeigt ein kleines Video, in dem zwei Werkstudierende versuchen, ein junges Zielpublikum anzusprechen. Foto: Johannes M. Fischer

Mit einem kleinen Video macht Esslingen darauf aufmerksam, ihr Social-Media-Team erweitert zu haben. Anderswo sollen mehr als 170 Stellen gestrichen werden. Wie passt das zusammen?

Chefredakteur: Johannes M. Fischer (jmf)

City Esslingen heißt der Kanal auf Instagram, wo drei junge Menschen in einem Video auftreten und sich vorstellen, ohne sich wirklich vorzustellen. Vor dem Alten Rathaus winken zwei der drei Akteure in eine Kamera und grüßen betont überschwänglich mit „Hi Esslingen“. Eine dritte Person tritt hinzu und spricht: „Hä? Das ist aber doch mein Part.“ Darauf Person 1 (“Sofia“): „Wir sind jetzt auch für Social Media zuständig.“ Und Person 2 (“Lars“) ergänzt: „Wir sind jetzt doch ein Team.“ Daraufhin Person 3 in einer Mir-geht-ein-Licht-auf-Pose und einer eingeblendetes Glühbirne: „Stimmt, da war ja was.“ Die Schlusssequenz des Filmchen: Alle drei stehen zusammen und die etwas erhöht stehende Person 3 sagt: „Zukünftig werden wir euch zu dritt auf dem Laufenden halten.“

 

„Hilfe“ kommentiert ein User und meint damit vermutlich nicht den Rechtschreibfehler im Beitext, der auch die Namen von zwei Akteuren preisgibt, sondern die noch nicht ganz ausgereifte schauspielerische Leistung und das Drehbuch. Brisant wird das Video aber erst im Kontext mit dem derzeitigen Stadtgespräch: Esslingen will mehr als 170 Stellen streichen und stellt gleichzeitig zwei Leute ein?

Deren Aufgabe, so der Begleittext zum Video: Sofia und Lars sollen die ungenannte Person 3 auf der „Reise durch Esslingen“ begleiten – „von Events über Hotspots bis hin zu echten Geheimtipps“. Ist es das, was Esslingen jetzt braucht?

Esslingen: Werkstudierende statt Besetzung offener Stellen

Betrieben wird der Kanal von der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST). Deren Geschäftsführer Michael Metzler klärt auf: Bezahlt werden zwei neue Werkstudierende. Sie sollen jüngere Zielgruppen „noch stärker“ ansprechen und mit den Themen Events, Freizeit, Tourismus und Stadtleben erreichen. Die Änderung sei Teil der Reorganisation der Abteilung Kommunikation „und einer breiten Budgetkonsolidierung aufgrund sinkender städtischer Zuschüsse, die uns zu Anpassungen im Marketing- und Stellenplan führt“, so Metzler.

In den vergangenen Monaten seien langjährige Mitarbeiterinnen in den Ruhestand gegangen. Diese würden „nicht einseitig“ ersetzt, stattdessen nutze man „Spielräume für einen stärkeren Fokus auf Social Media“.

Fröhlich möchte Esslingen sich präsentieren. Das Alte Rathaus ist dabei immer eine dankbare Kulisse. Foto: Roberto Bulgrin

Heißt im Klartext: Die Stellen, die durch Renteneintritte frei wurden, werden nicht wiederbesetzt, stattdessen dürfen sich zwei Werkstudierende ausprobieren, für die deutlich weniger Personalkosten aufzubringen sind.

Insgesamt will die Stadt in den kommenden Jahren 30 Millionen Euro einsparen sowie 10 Millionen Euro zusätzlich einnehmen vor allem durch die Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuern. Die EST hat offenbar schon einen Beitrag geleistet. Der Lohn dieses kleinen Clips: Mehr als 300 Likes und 29 Kommentare, wenn auch nicht nur positive.

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