Esslingen Hotel am Neckar Forum wird 2023 wieder eröffnet

Freuen sich über die baldige Wiedereröffnung des Hotels am Neckar Forum: Jan Heringa von Leonardo Hotels, der Erste Esslinger Bürgermeister Ingo Rust und Johannes Schneiderhan, Geschäftsführer der städtischen Veranstaltungsgesellschaft Esslingen live (von links). Foto: Ines Rudel

Nach mehr als zwei Jahren Leerstand soll das Hotel am Neckar Forum unter neuem Namen wieder eröffnet werden. Es soll Geschäftsreisende und Freizeittouristen gleichermaßen anziehen. Doch es gibt noch einiges zu tun.

Zuletzt war man sich in Esslingen nicht mehr sicher. Angesichts des langen Leerstands fragte manch einer hinter vorgehaltener Hand, ob überhaupt wieder Leben in das ehemalige Hotel Park Consul einziehen würde. Die Zweifel dürften nun obsolet sein: Stadt und Pächter haben jetzt Vollzug gemeldet. Der Pachtvertrag sei unterschrieben und die Wiedereröffnung der Unterkunft neben dem Neckar Forum für spätestens nächsten Sommer anvisiert.

 

Das Konzept soll sich nicht grundlegend ändern. Die Leonardo-Hotelgruppe als neuer Pächter will auch künftig einen Schwerpunkt auf Geschäftsreisende, Tagungsgäste und Veranstaltungsbesucher legen – allein schon wegen der Nähe zum Kongresszentrum Neckar Forum. Aber auch für den Freizeittourismus will man attraktiv sein und unter anderem mit guter Gastronomie und modernen Wellness-Angeboten punkten. Die kurzen Wege in die Esslinger Altstadt sollen ihr Übriges tun, um Kurzurlauber von einem Aufenthalt in dem zentral gelegenen Hotel mit dem künftigen Namen „Leonardo Esslingen“ zu überzeugen.

Zudem soll die Kooperation zwischen Stadt und Pächter intensiviert werden. Man will Veranstaltungen und Übernachtungen verstärkt gemeinsam vermarkten und sich gegenseitig zu neuen Kunden verhelfen. „So war es immer schon gedacht, aber in den vergangenen Jahren hat dieses Prinzip etwas gelitten“, sagt der Erste Bürgermeister Ingo Rust, der auch für die städtische Veranstaltungsgesellschaft Esslingen live zuständig ist. Er zeigt sich hoch erfreut darüber, dass bald wieder Gäste in der seit fast zwei Jahren leer stehenden Herberge empfangen werden können. „Wir halten das Hotel an diesem Standort für einen wichtigen Wirtschaftsfaktor“, betont Rust.

Allerdings sei die Wiedereröffnung nach dem Zuschlag für die Leonardo-Gruppe als künftiger Pächter auch zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen, so Rust. Dass es so lange dauerte, bis der Pachtvertrag unterzeichnet wurde, habe schlicht daran gelegen, dass man möglichst viel im Vorfeld klären wollte. Die Stadt habe aus der Erfahrung gelernt und bei der Leonardo-Gruppe offene Türen eingerannt mit dem Bestreben, bis ins kleinste Detail festzulegen, wie die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen soll.

Dabei ist ein dickes Vertragswerk entstanden, das die nächsten 20 Jahre gelten soll. „Das war sehr arbeitsintensiv, aber jetzt sind wir umso glücklicher darüber, dass alles geklärt ist“, betont der Erste Bürgermeister.

Hotel wird auf Vordermann gebracht

Jan Heringa, der bei der Leonardo-Hotelgruppe vor allem für die Themen Weiterentwicklung und Innovation zuständig ist, zeigt sich begeistert von dem neuen Standort in Esslingen. Es sei das erste Haus seines Unternehmens in der Region Stuttgart und eins der wenigen in Baden-Württemberg – man freue sich sehr, endlich hier präsent zu sein. Nun gelte es aber erst einmal, das Hotel auf Vordermann zu bringen. „Das Haus ist 17 Jahre alt, wir werden es jetzt ins Jahr 2023 katapultieren“, so Heringa. So wolle man etwa die Teppichböden in den Fluren durch nachhaltige Vinylböden ersetzen, statt Badewannen lieber Duschen einbauen und Restaurant, Dachterrasse sowie Wellnessbereich modernisieren.

Zudem werde die IT auf den neusten Stand gebracht, um den Gästen auch technisch größtmöglichen Komfort zu bieten. Rund drei Millionen Euro will die Hotelkette in die Modernisierung des Hauses mit 150 Zimmern und rund 340 Betten investieren.

Aber auch die Stadt lässt sich den Neustart der zentralen Unterkunft etwas kosten. Rund 2,5 Millionen Euro werden in das Gebäude investiert, unter anderem in die Technik und den Brandschutz. Allerdings fällt darunter auch die Summe von rund 900 000 Euro für den Einbau einer Klimaanlage für die Zimmer zum Neckar Forum hin, die von Leonardo Hotels zum großen Teil über die Pacht finanziert wird. Doch auch wegen des langen Leerstands muss die Stadt tiefer in die Taschen greifen. Schließlich kostet sie die Kontrolle und Instandhaltung des Gebäudes zwischen 20 000 und 25 000 Euro im Monat. Bis zur Eröffnung des neuen Hotels wird man im Rathaus diesen Posten weiter einkalkulieren müssen.

Trotz Corona und der Konsumzurückhaltung angesichts der Energiekrise macht sich Jan Heringa keine Gedanken über eine mangelnde Auslastung seines neuen Esslinger Hotels. „In den vergangenen Monaten haben wir ein wahnsinniges Geschäft gemacht“, berichtet er über seine Hotelgruppe. Man habe sogar das Topjahr 2019 bei Weitem übertroffen. Zwar habe sich das Verhältnis von Geschäfts- und Privatreisenden stark in Richtung Privatreisende verschoben, die nun rund 60 Prozent ausmachten. Zudem kämen viel weniger Gäste aus dem Ausland. Aber man rechne weiterhin mit einer starken Auslastung der Hotels.

Neustart nach langem Leerstand

Insolvenz
 Ende Oktober 2020 hatte das damals zur Brendal-Group gehörende Hotel Park Consul in der Esslinger Grabbrunnenstraße 19 einen Insolvenzantrag gestellt. Die Pächter hatten vor allem die coronabedingten Einschränkungen und Einbußen als Grund für die roten Zahlen genannt. Ende Dezember 2020 kam dann das endgültige Aus: Der Hotelbetrieb wurde eingestellt. Die Brendal-Gruppe hatte das Hotel seit der Eröffnung im Jahr 2005 betrieben, bis Ende 2017 unter der Marke Best Western.

Verpachtung
 Nach der Schließung des Hotels war zunächst unklar, wie es weitergehen sollte. Im Sommer 2021 entschied sich der Esslinger Gemeinderat gegen den Verkauf der städtischen Immobilie und für eine neuerliche Verpachtung des Hotels. Im Februar dieses Jahres wählte das Gremium dann die Leonardo-Hotelgruppe als künftigen Pächter aus. Der jetzt geschlossene Pachtvertrag gilt für 20 Jahre.

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