Esslingen In der Stadt entsteht eine kleine Stadt

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Auf dem ehemaligen Esslinger ZOB wird ein Treffpunkt und Aufenthaltsort für Jugendliche entwickelt. Sie unterstützen die Initiatoren vom Stadtjugendring und von der Projektgruppe Tante Gerda bei der Gestaltung des Areals.

Markus Benz vom Stadjugendring, der Architekt Tracy Krüger und Christoph Mack von der Projektgruppe Tante Gerda (von links)  stellen am ehemaligen ZOB  die erste Möblierung – eine Tribüne  aus Europaletten –  vor. Foto: Horst Rudel
Markus Benz vom Stadjugendring, der Architekt Tracy Krüger und Christoph Mack von der Projektgruppe Tante Gerda (von links) stellen am ehemaligen ZOB die erste Möblierung – eine Tribüne aus Europaletten – vor. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Busse fahren in den ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) der Stadt Esslingen schon seit einiger Zeit nicht mehr ein. Seitdem die Neugestaltung des Bahnhofsareals abgeschlossen ist, dümpelt der Platz als Brachfläche vor sich hin. Allerdings nicht mehr lange, denn das Filetstück am Rand der Innenstadt wird demnächst mit neuem Leben erfüllt. Genauer mit jungem Leben, denn der Stadtjugendring (SJR) und die Projektgruppe Tante Gerda werden das Gelände zunächst bis Ende 2017 bespielen – zumindest so lange stellt es die Esslinger Stadtverwaltung der Jugendarbeit zur Verfügung.

Für den SJR-Geschäftsführer Markus Benz ist es eine Superchance für die Jugendlichen, „in der Stadt einen solchen Platz zu haben, den sie mit entwickeln können“. Bis zum Sommer 2016 soll das Areal nach und nach zu einem Treffpunkt und Aufenthaltsort nicht nur für junge Menschen gestaltet werden. Einen Vorgeschmack darauf, was auf dem ehemaligen ZOB möglich ist, bietet ein internationales Jugendkulturfest, das am Wochenende, 18. und 19. Juli, dort gefeiert wird.

Tribüne aus 100 Europaletten

In den kommenden Tagen wird dafür aus rund 100 Europaletten eine Art Tribüne gebaut, von der die Festbesucher die Konzert- und Theaterbühne bestens im Blick haben. Diese erste Möblierung des Platzes ist nur der Startschuss für ein Projekt, dem Tracy Krüger durchaus eine „Vorreiterrolle“ für Vergleichbares beimisst.

Der Architekt des renommierten Büros SL Rasch aus Leinfelden-Echterdingen unterstützt die Initiatoren mit seinen gestalterischen Ideen – die Paletten-Arena ist nur eine Idee, die er für die Ausstattung des Areals entwickelt hat. Dort stellt er sich dauerhaft eine über den gesamten Platz gelegte Holzstruktur vor, mit einer Art Wettersegel, das Sonne und Regen abhält. Eine Halfpipe sei angedacht, ebenso mobile Blumenrabatten, Aufenthaltscontainer für die Mitarbeiter des SJR sowie diverse Möglichkeiten, um dem Spieltrieb und der Kreativität freien Lauf zu lassen. Markus Benz zufolge soll beispielsweise der „Streetart“ genügend Raum geboten werden. Für das Büro SL Rasch ist die kleine aber feine Jugendcity in der City ein reines Imageprojekt, das es in Zusammenarbeit mit Esslinger Jugendlichen unentgeltlich plant und designed. Unter anderem sei wichtig, so Tracy Krüger, dass recycelbare Materialien verwendet würden und die gesamte Möblierung modular und mobil angelegt werde, um sie nach Ablauf des Nutzungsrechts an einem anderen Ort installieren zu können.

Das Zeug zum Vorzeigeobjekt

Christoph Mack von der Projektgruppe Tante Gerda hat mit seinem Team einiges an Vorbereitungszeit hinter sich. Gemeinsam mit Jugendlichen sei heraus gearbeitet worden, „was sie gerne hätten“. So habe sich ein Puzzleteil an das andere gefügt und sich eine Vorstellung davon entwickelt, wie der Platz aussehen und welche Funktionen er erfüllen soll. Natürlich sei das auch eine Frage des Geldes, sagt Markus Benz. Rund 100 000 Euro an Zuschüssen stehen Tante Gerda für eine Minimallösung der Platzgestaltung zur Verfügung. Doch hoffen die Initiatoren auf Sponsorengelder, mit denen sich noch einige zusätzliche Ausstattungswünsche erfüllen ließen.

Der alte ZOB könnte das Zeug zum Vorzeigeobjekt haben. Genauso wie der vom SJR organisierte Stadtstrand am Esslinger Westend. Dort habe sich neulich eine Familie aus der Bundeshauptstadt mit ihren drei Töchtern im Alter von 11 bis 18 Jahren dem Sommerfeeling hingegeben, erzählt Markus Benz. Deren Kommentar zum Strandspektakel: „Warum gibt es so etwas Cooles nicht in Berlin.“ Möglicherweise werden sich künftig weitere Besucher in ähnlicher Weise halb bewundernd, halb neidvoll über den ehemaligen Esslinger ZOB äußern.