Esslingen Jugendliche wissen nicht, wo sie hin sollen

Anwohner beeinträchtigen Konzerte  und Partys  des  Komma immer mehr. Foto: Horst Rudel
Anwohner beeinträchtigen Konzerte und Partys des Komma immer mehr. Foto: Horst Rudel

Der Stadtjugendring schlägt Alarm: Freiflächen werden zugebaut, und das Jugendhaus Komma ist in Gefahr.

Esslingen: Ulrich Stolte (uls)
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Esslingen - Den Jugendlichen in Esslingen kommen die Freiräume abhanden. Diese These vertritt der Stadtjugendring Esslingen. Markus Benz, der Geschäftsführer des Stadtjugendrings, hat sie jetzt mit einem fünf Punkte umfassenden Papier untermauert, denn die Zeit drängt. Wenn die neue Weststadt weitergebaut wird, verschwinden im Jahr 2019 der Stadtstrand und der Kulturpalast. Diese zwei Einrichtungen stehen zur Zeit noch auf den Baufeldern entlang der Fleischmannstraße. Auf dem Esslinger Stadtstrand werden Sommerfeste gefeiert, seit einigen Jahren tagt dort auch die Kinderferienstadt Karamempel. Im Kulturpalast treffen sich unter anderem behinderte Jugendlichen.

Jugendliche dürfen nicht aus der Stadt verschwinden

Auch die Esslinger Maille sei für Jugendliche nur noch eingeschränkt nutzbar, weil sie der kommunale Ordnungsdienst verdränge, berichtet Benz. Ebenfalls sei der Versuch gescheitert, das Postmichelfest, ein klassisches Kinderfest des Stadtjugendrings, abends für Jugendliche zu öffnen. Nach acht Monate langer Prüfung habe das Ordnungsamt das Fest nur bis 22 Uhr genehmigt. Auch sieht Markus Benz mit Sorge, dass mindestens fünf von den 26 Bolzplätzen in der Stadt der Wohnbebauung geopfert werden.

„Wir müssen verhindern, dass Jugendliche aus der Stadt verschwinden und nach Stuttgart gehen.“, sagt Benz. Vor allem müsse es nichtkommerzielle Angebote geben, Orte, wo sich Jugendliche aufhalten können ohne einen Konsumzwang. „Die Stadt ist für alle da“, bekräftigt Dieter Pahlke, der ehrenamtliche Vorsitzende des Kreisjugendrings, der die Situation in Esslingen im Vergleich zu den anderen Großen Kreisstädten als „extrem“ einstuft.

Das Komma gerät in Gefahr

Benz sieht langsam nur noch einen Rückzugsort für Jugendliche in der Innenstadt, und der gerate immer mehr in Gefahr: das Komma. Jörg Freitag, einer der Leiter des Jugendhauses, sagt: „Wir haben mittlerweile eine neue Qualität der Beeinträchtigung“. Bislang war bei dem Streit mit seinen Nachbarn wegen Ruhestörung immer nur vom Innenhof des Komma die Rede. Doch beim letzten großen Krach ging die Polizei auch bis in das Gebäude hinein, um eine Veranstaltung zu stoppen.

Am 30. Juni hatte der Stadtjugendring zur großen Sommerparty geladen, doch um 1.45 Uhr war Schluss. Wegen Beschwerden von Nachbarn musste die Musik auf Anordnung der Polizei so leise gedreht werden, dass es keinen Sinn machte, die Party fortzuführen. Daraufhin traten 400 Leute den Heimweg an. Dabei hat das Komma eine Konzession bis 5 Uhr. Das Komma erlitt dadurch auch einen finanziellen Schaden, weil es seine Veranstaltungen über den Getränke-Verkauf finanziert, „aber der steht nicht im Zentrum, sondern die Beeinträchtigung“, sagt Freitag.

Die Stadt kennt das Problem und verweist darauf, dass Gespräche mit beiden Seiten zur Befriedung geführt würden, berichtet ein Mitarbeiter des Amtes für Soziales und Sport. Gerade weil der Stadtstrand so gut angenommen wird, sucht Esslingen nach einer Ersatz-Fläche. Bei den Bolzplätzen gibt die Stadt Entwarnung. Für alle fünf vom Stadtjugendring angemahnten Plätze habe man einen Ersatz gefunden, sagt Gebhard Räcke vom Grünflächenamt.




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