Esslingen Kirche erwägt Rückzug aus Kindergärten

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Die Verwaltung will, dass die evangelische Gesamtkirchengemeinde die im Frühjahr ausgesprochene Kündigung der Kindergarten-Verträge mit der Stadt zurücknimmt. Im Gegenzug soll sie drei Sonderzuschüsse in Höhe von jeweils 200 000 Euro bekommen.

Die Kindertagesstätte Sonnenschein ist eine von 19 Einrichtungen, die die evangelische Kirche in Esslingen betreibt. Foto: Rudel
Die Kindertagesstätte Sonnenschein ist eine von 19 Einrichtungen, die die evangelische Kirche in Esslingen betreibt. Foto: Rudel

Esslingen - Die Bombe ist eher beiläufig geplatzt. In seiner Haushaltsrede hat der Esslinger Grünen-Stadtrat Helmut Müller-Werner öffentlich gemacht, was die Verantwortlichen bereits seit dem Frühjahr wissen. Denn zu diesem Zeitpunkt hat die evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen den Kindergartenvertrag mit der Stadt vorsorglich gekündigt.

Das Ziel dieser Maßnahme ist eindeutig: Will die Stadt, dass die Kirche weiterhin 44 der insgesamt rund 180 Kindergartengruppen in der Stadt betreibt, muss die öffentliche Hand mehr Geld bezahlen. Wenn sie das nicht tue, werde die Kirche eine ganze Reihe der evangelischen Kindergartengruppen an die Stadt übergeben.

Landeskirche gibt deutliche Signale

Der Hintergrund für die drastische Maßnahme: im Rahmen der Sparbemühungen der in finanzielle Schieflage geratenen Landeskirche hat es aus Stuttgart deutliche Signale an die evangelische Gesamtkirchengemeinde in Esslingen gegeben. Zum einen solle man sich von mehreren Immobilien trennen. Zum anderen müsse man das aus Sicht der Landeskirche weit überdurchschnittliche Engagement der Esslinger bei der Kinderbetreuung zurückfahren. Laut einer Empfehlung der Landessynode, also des Kirchenparlaments, müsste die evangelische Kirche aufgrund der Zahl ihrer Gemeindemitglieder in Esslingen lediglich 20 Gruppen anbieten. Für diese fließt ein Zuschuss in Höhe von jährlich 17 000 Euro aus Stuttgart. Die anderen 24 Gruppen hat die Esslinger Kirchengemeinde bisher aus der eigenen Kasse finanziert. Doch da sich diese nun leert, sahen die Verantwortlichen keine andere Möglichkeit, als via Vertragskündigung auf die prekäre Lage aufmerksam zu machen.

Das, was sich nun im Haushaltsentwurf 2014 der Esslinger Verwaltung wiederfindet, ist ein Kompromiss. Denn der von den Kirchenvertretern gewünschten Erhöhung der Abmangelbeteiligung sowie höheren Zuschüsse für die Verwaltungskosten hat die Stadt nicht entsprochen. Denn schon bisher liegt Esslingen mit seinen durchschnittlich 91 Prozent Zuschüssen für die Freien Träger im oberen Mittelfeld im Land. Zudem wollte man verhindern, dass die aktuelle Notlage der Kirche zu dauerhaften Erhöhungen der Zuschüsse durch die Stadt führt. Statt dessen hat man sich nun auf eine Überbrückungshilfe in Höhe von drei Mal 200 000 Euro in den Jahren 2014 bis 2016 geeinigt, um dem in Not geratenen Partner unter die Arme zu greifen.

Dekan will gemeinsam nach Lösungen suchen

In dieser Zeit, erklärt der Esslinger Dekan Bernd Weißenborn, werde eine Arbeitsgruppe, in der Vertreter der Stadt und der Kirche sitzen, prüfen, wie es vom Jahr 2017 an, wenn also kein Sonderzuschuss mehr fließe, weitergehen soll. „Wir wollen uns nicht aus der Kindergartenarbeit verabschieden, sondern so viele Gruppen wie möglich behalten“, betont Weißenborn. Allerdings müsse man strukturelle Veränderungen etwa bei der Zahl der Kinder berücksichtigen: „Der Zuschuss gibt uns die Möglichkeit, gemeinsam nach vernünftigen Lösungen zu suchen.“

Die Grünen und die Linken halten die Zuschüsse, die der Gemeinderat noch beschließen muss, für überflüssig. Nach eigenen Angaben, so der Stadtrat Helmut Müller-Werner, rechne die evangelische Landeskirche im kommenden Jahr mit Rekordeinnahmen. Müller-Werner: „Somit sollte es der Kirche möglich sein, weiterhin den geringen Eigenanteil an den Kindergartenkosten zu tragen, bis eine geordnete Übergabe einiger Gruppen an die Stadt erfolgt.“ Weißenborn bestätigt eine Sonderzahlung der Landeskirche, betont aber, dass diese nur helfe, das erwartete Defizit zu verringern. Das könne die Kirche eindeutig belegen. Gegenüber den Vertretern der Stadt und des Gemeinderats habe die Kirche absolute Transparenz bei den Zahlen geschaffen.




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