Esslingen Kulinarische Wagenburg macht Halt am Hafenmarkt

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Die Premiere hat sich gut angelassen: Das Street-Food-Festival auf dem Esslinger Hafenmarkt hat schon am ersten Tag die Besucher in Scharen angelockt.

Am Hafenmarkt hat das Street-Food-Festival Station gemacht Foto:  
Am Hafenmarkt hat das Street-Food-Festival Station gemacht Foto:  

Esslingen - Die Geschichte der Piraterie muss umgeschrieben werden. Mit Gewalttaten, Freiheitsberaubung und Eigentumsdelikten haben die Foodpiraten, die am Donnerstag gemeinsam mit ihren Kumpanen die Stadt Esslingen geentert haben, nichts am Seeräuber-Hut. Der Vorwurf, eigennützige Zwecke unter Gebrauch eines See- oder Luftfahrzeugs auf hoher See zu verfolgen, zielt auch ins Leere – selbst wenn ihre augenblickliche Operationsbasis der Hafenmarkt in Esslingen ist. Doch das Wort Hafen hat in der ehemals Freien Reichsstadt bekanntermaßen nichts mit christlicher Seefahrt zu tun, sondern mit dem Tongefäß, schwäbisch: Häfele, das in früheren Zeiten dort gebrannt wurde.

Es wird gesotten und gebraten, was das Zeug hält

Auf dem Esslinger Hafenmarkt ist der Stand mit dem martialischen Namen noch bis Sonntag, 23. Juni, in bester Gesellschaft. In rund einem Dutzend weiterer fahrbarer Küchenwagen wird täglich von 11 Uhr bis 22 Uhr gesotten und gebraten, was das Zeug hält. Best of Esslingen an der einen Ecke, Taste of Austria gegenüber, daneben die holländischen Süßspeisen und indische Küche quer über den Platz – der Street-Food-Festival-Bummler hat die Qual der Wahl. Und weil schon nichts mehr ist, wie es scheint, bringen die modernen Küchenpiraten auch nicht mehr Angst und Schrecken unters Volk, sondern Döner, Panini und Kolbice. Das ist eine ungarische Spezialität, eine aus Brotteig zubereitete Tüte mit verschiedenen Würstchen, Soßen und anderen Zutaten.

Das noch unerfahrene Esslinger Publikum – schließlich macht der rollende Vesperbudenverbund zum ersten Mal in der Stadt Quartier – hat angesichts des kulinarischen Überfalls auf die Geschmacksnerven die reichsstädtische Zurückhaltung recht schnell aufgegeben und bereitwillig zugegriffen.

Zufriedene Mienen bei den Veranstaltern

„Wir hätten nicht gedacht, dass das Festival von Beginn an so gut angenommen wird. Street-Food ist eben derzeit ein richtiges Trend-Thema“, sagt Mark Willke, einer der drei Veranstalter, in einer ersten Zwischenbilanz .

Und angesichts seiner Analyse hat das Online-Lexikon Wikipedia, aus dem die eingangs zitierte Piraten-Definition geräubert ist. dann doch wieder recht: Piraterie als überdauerndes Phänomen der Kulturgeschichte tritt immer dann auf, wenn die Voraussetzungen dazu gegeben sind, steht da. Die Voraussetzungen auf dem Esslinger Hafenmarkt – Hunger, Neugier, Lust auf Gesellschaft und nicht zuletzt ein gut gefüllter Geldbeutel – sind es offensichtlich.

Von Esslingen aus zieht die Karawane weiter flussaufwärts. Die nächste Station ist Wendlingen. Dort schlägt das Street-Food-Festival vom Freitag, 5. Juli, bis Sonntag, 7. Juli, auf dem Marktplatz seine Zelte auf. Die kalorienbewehrte Piraten-Tour durch den Landkreis Esslingen endet vorerst in Nürtingen. Auf dem Oberensinger Festplatz gehen die Trucks dort vom Mittwoch, 17. Juli, bis Sonntag, 21. Juli, vor Anker.