Sozialbürgermeister in Esslingen Markus Raab tritt nicht mehr an

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Die Stadt Esslingen braucht einen neuen Sozialbürgermeister. Nach 16 Jahren will Markus Raab die Aufgaben im Ordnungs-, Sozial-, Kultur- und Schulwesen nicht mehr leiten. Die CDU sucht bereits nach Kandidaten.

Vor allem in der Schulpolitik war Markus Raab aktiv. Foto: Ines Rudel
Vor allem in der Schulpolitik war Markus Raab aktiv. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Am Montag berichtete es Markus Raab (CDU) seiner Partei, am Mittwoch dem Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger, am Donnerstag schließlich der Öffentlichkeit. Er werde im kommenden Jahr nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung stehen. Damit hat Markus Raab zwei Amtszeiten, insgesamt 16 Jahre, für die Stadt gearbeitet. Er hat im Kulturbereich große Projekte angeschoben oder betreut, wie das Podium Festival, den Neubau des Kulturzentrums Dieselstraße, den Umbau des Central-Theaters, die Konsolidierung der Volkshochschule und vieles mehr. Seine größte Aufgabe war jedoch die Neugestaltung der Esslinger Schullandschaft und der Kinderbetreuung.

Ein Mann mit Widerspruchsgeist

Nach Stationen in Ellwangen und Reutlingen bestritt er in Esslingen die längste Amtszeit seines Lebens. Der gebürtige Cannstatter machte am Gottlieb-Daimler Gymnasium sein Abitur, trat schon mit 15 Jahren in die Junge Union ein und brachte es zum Kreisvorsitzenden der Jungen Union Stuttgart. „Mit mir war Gerhard Mayer-Vorfelder Kreisvorsitzender der Stadt-CDU“, erinnert sich Raab, der schnell mit der großen Partei in Opposition geriet.

Raab ist kein Parteipolitiker im eigentlichen Sinne. Außer seinem Mandat im Kreistag hatte er in späteren Jahren keine Parteiämter mehr inne. Er selbst kommt aus einer Familie von Zentrumspolitikern, aber auch die Tatsache, dass die Schülerschaft seines Gymnasiums mehr oder weniger links war, trieb ihn in die Junge Union, „aus einem gewissen Widerspruchsgeist heraus“, sagt Markus Raab. Diesen Widerspruchsgeist hat er seine ganze Karriere über behalten, und er zählt zum linken Flügel der CDU. Raab wird sich nach dem Ende seiner Amtszeit zusammen mit seiner Frau in Spanien niederlassen.

Besonders in der Schulpolitik hat er einen klaren Standpunkt für das Zwei-Säulen-Modell angenommen, auch wenn er damit in der eigenen Partie wie in der Bürgerschaft aneckte.

Kritik kommt von der SPD

Der Oberbürgermeister Jürgen Zieger „respektiert Raabs Entschluss“, will ihn aber nicht weiter kommentieren. Jörn Lingnau, der Sprecher der CDU-Fraktion im Esslinger Gemeinderat, bedauert Raabs Entscheidung. Er sei ein vertrauensvoller und verlässlicher Partner in der Stadtverwaltung gewesen, aber auch ein streitbarer Mann, der hart diskutieren konnte. Ähnlich kommentieren Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) und Carmen Tittel (Grüne) Raabs Entschluss. Sie betonen das vertrauensvolle Verhältnis, aber auch Raabs Streitfähigkeit. Kritik gab es von der SPD, vor allem wegen der weiteren Schulentwicklung in der Pliensauvorstadt und in der Kulturpolitik. „Wir hätten uns freilich schwergetan, ihn wiederzuwählen“, sagt Andreas Koch, der Fraktionssprecher der SPD.

Die CDU hat nach den Statuten der Stadt das Vorschlagsrecht für einen Nachfolger und sucht jetzt Kandidaten. Die Fühler seien schon ausgestreckt, berichtet Jörn Lingnau. Schenkt man der brodelnden Gerüchteküche Glauben, könnte es sich um eine Frau handeln.




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