Esslingen Neuer Kunstraum in alter Maschinenfabrik

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Die ehemalige Maschinenfabrik Roth & Müller mitten in Esslingen wird zum Kunstort. Es geht um die Fragen der Zeit und eine neue Kooperation. Wir stellen das Projekt vor.

Der umtriebige Künstler Leander Schwazer bespielt einen neuen Ort. Foto: Ines Rudel
Der umtriebige Künstler Leander Schwazer bespielt einen neuen Ort. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Mitten in der Stadt Esslingen öffnet an diesem Samstag ein neuer Raum für Kunst. Genauer gesagt sind es vorübergehend zwei sehr weitläufige Etagen, auf denen Leander Schwazer Kunst von insgesamt 13 Künstlern und sich selbst ausstellen wird.

In dem Gebäude der ehemalige Maschinenfabrik Roth & Müller zwischen der Abt-Fulrad-Straße und dem Kesselwasen ist es zu einer Kooperation der besonderen Art gekommen. Schwazer ist im Zuge seiner Suche nach neuen Räumlichkeiten für sein Galerieprojekt „KdeWe“ als Abkürzung von „Künste der Welt“ nach dem Auszug aus der Webergasse auf die leer stehenden Räume in der alten Maschinenfabrik gestoßen. Mit den heutigen Mietern, dem italienischen Helmhersteller Nolan, der seit 2017 Teile des Gebäudes nutzt, habe er sich schnell auf eine künstlerische Nutzung einigen können. Nolan stellt die Räume, Schwazer organisiert die Kunst, so das Konzept für die sechs Wochen dauernde Schau unter dem Titel: „In zwei- oder dreihundert Jahren wird das Leben auf der Erde unvorstellbar schön sein.“ „Das ist ein Zitat aus dem Klassiker ‚Drei Schwestern’ von Anton Tschechow. Ich finde es passend, weil das 1901 erstmals uraufgeführte Stück zum Alter des Gebäudes passt. Und es passt zu unserer Kunst, die sich mit Fragen der Gegenwart und Zukunft beschäftigt und wie die Zeitebenen verschwimmen“, so Schwazer.

Internationale Künstler stellen aus

Da die Räume ohnehin derzeit umgebaut werden, habe sich die künstlerische Nutzung angeboten, sagt Claudia Hoppe von Nolan. Langfristig sei geplant, dass Schwazer auch einen neu entstehenden Showroom der Firma mit Kunst bestückt und die Kooperation bestehen bleibt.

Parallel läuft auch der Betrieb in der neuen Heimat der KdeWe in der Neckarstraße. „Auch wenn wir dafür bereits einen Ort gefunden haben, ist die Chance, an so einem zentralen Ort auf einer großen Fläche viel Kunst zu zeigen, etwas besonderes in Esslingen“, freut sich der 35-jährige Künstler.

Der gebürtige Südtiroler, der seit 2015 in Esslingen lebt, holt dafür Werke aus seinem internationalen Netzwerk nach Esslingen. „Inhaltlich geht es um Hoffnung und Vergänglichkeit, um Digitales und Menschlichkeit.“ Sein eigenes Werk etwa ist eine Skulptur, die ein Armskelett darstellt, das von einem USB-Kabel zusammengehalten wird. Ein andere Künstler beschäftigt sich mit lebenden Organismen und stellt der Schau eine mit Pilzen übersäte Bibel zur Verfügung. Auch der in der Region bekannte Künstler Byung Chul Kim wird mit einer Performance im neuen Espace Nalon vertreten sein. Er betrieb in Stuttgart ein Stuttgarter Performance Hotel und stellte bereits unter anderem mehrmals in der Villa Merkel aus.

Große Räume, volles Programm

Installationen, Bilder, Skulpturen und ein Video machen die Ausstellung vielfältig. Zudem hat Schwazer ein Zusatz-Programm aus Musiktheater, Gesprächsrunden und Führungen sowie einen Bar-Abend auf die Beine gestellt. Dafür werden die Kontakte im Haus genutzt – die Agentur Blumberg stellt hierfür ihre erst kürzlich ausgezeichnete, mobile Bio-Bar auf.

Langweilig wird es wohl kaum. Zumal auch der Weg hin über den kleinen Steg zu den neuen Ausstellungsräumen bereits seinen Charme hat.

Espace Nalon
Eröffnung am 20. Juli um 19.30 Uhr. Abt-Fulrad-Straße 4, Esslingen. Die Ausstellung dauert bis zum 1. September. www.espace-nalon.de