Um die Weihnachtszeit will das Stadtmuseum private Sammler und ihre Leidenschaft vorstellen. Die Auswahl der Exponate, die im Gelben Haus präsentiert werden, ist völlig offen. Der stellvertretende Museumsleiter Christian Rilling bittet um Bewerbungen.
Esslingen - Es gibt fast nichts, was man nicht sammeln kann. Das weiß auch Christian Rilling, der stellvertretende Leiter der städtischen Museen Esslingen. Und er will die Menschen, die mit Leidenschaft triviale oder außerordentliche, wertvolle oder weniger wertvolle Dinge zusammentragen, aus dem Verborgenen holen, sie und ihre Schätze vorstellen – mit einer Ausstellung im Stadtmuseum im Gelben Haus. Von 30. November an bis Ende Januar sollen Menschen aus Esslingen und Umgebung die Möglichkeit erhalten, ihre Sammlungen dort zu zeigen.
Es wäre zur Weihnachtszeit, so sagt Christian Rilling, ein Kontrast zu den sonst „lieblicheren Themen“ wie Spielzeug- oder Krippenausstellungen. Und zudem eine Möglichkeit, die heimische Sammlung und die damit verbundene Leidenschaft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Denn meist weiß nicht einmal der Nachbar, was für Schätze sich im Nebenhaus bis unters Dach stapeln.
15 Sammler werden ausgewählt
Christian Rilling hofft auf zehn bis 15 Sammler, die ihre Exponate zeigen wollen. Drei habe er bereits gewonnen, darunter einen Mann, der jede Menge edle und alte Trompeten hortet, oder einen, der Nilpferde aus allen nur erdenklichen Materialien sowie verschiedener Größen und Formen sein eigen nennt. Festgelegt sind die Esslinger Museumsmacher keineswegs, gezeigt werden dürfe nahezu alles, was im Laufe der Jahre so zusammengekommen sei. Was die Menschen auch sammelten, „uns interessiert das erst mal“. Aber „Gullydeckel beispielsweise wären wirklich klasse“, sagt Christian Rilling und muss dabei lachen. In Wahrheit ist er vielleicht erleichtert, dass seine Frau Elefanten aller Couleur sammelt und glücklicherweise keine gusseisernen, die Kanalisation abdeckenden Scheiben verschiedener Epochen.
Am Ende treffe das Museum unter den Bewerbern eine Auswahl, schließlich wolle niemand 15 Briefmarkensammlungen sehen. Doch wer seine Schätze präsentiere, müsse in einem kleinen Interview auch erzählen, wie und warum er zu seiner Sammelleidenschaft gefunden hat oder welches sein Lieblingsobjekt ist. Jedem, der mit seinen Exponaten eine Vitrine im Museum fülle, müsse klar sein, „dass er ein stückweit geoutet wird“, erklärt Christian Rilling.
Das Museum als sammelnde Einrichtung
Er selbst sammle in seinen eigenen vier Wänden nichts, stellt der stellvertretende Museumsleiter klar, „ich kann mich ja beruflich austoben“. Auch diese Seite, nämlich „das Museum als sammelnde Einrichtung“, werde in der Ausstellung beleuchtet. Über die ganze Stadt seien Depoträume verteilt, in denen Gegenstände gelagert würden, „die im weitesten Sinne einen Bezug zu Esslingen haben“. Der Unterschied zum Archiv sei, dass dort historische Schriftstücke gehortet und gehütet würden, im Fundus des Museums aber dreidimensionale Überlieferungen, die in einem historischen oder kulturgeschichtlichen Zusammenhang mit der Stadt stehen.
Als Beispiel nennt Christian Rilling einen von ihm erstandenen Serviettenring des Esslinger Publizisten und Reformpädagogen Theodor Rothschild. Beim Sammeln für die Museen gingen er und seine Kollegen freilich gezielt vor. „Würden wir alle alten Sachen sammeln, dann würden wir darin ertrinken“, sagt er. Um an außergewöhnliche Objekte heranzukommen, stehe dem Museum ein Budget zur Verfügung. So könne es beispielsweise bei Auktionen Exponate ersteigern. „Nur mit Schenkungen kämen wir nicht weit“, sagt Rilling.