Esslingen Ritterstraße wird dauerhaft zur Fußgängerzone

Die Ritterstraße soll bald auch optisch zur Flaniermeile werden. Foto: /Robin Rudel

Das Land gibt Geld für die Umgestaltung des Entrées zur Esslinger Altstadt – aber nur, wenn die Stadt die Ritterstraße dauerhaft zur Flaniermeile macht.

Der Kampf um die Ritterstraße scheint ausgefochten: Das prominente Entrée zur östlichen Altstadt soll dauerhaft zur Fußgängerzone werden. Das war schon lange erklärtes Ziel der Esslinger Stadtverwaltung. Doch nachdem zunächst die Kritiker von dem Vorhaben überzeugt werden mussten, fehlte zuletzt das Geld für das 4,7 Millionen-Euro-Projekt. Dieses soll nun zum Großteil vom Land kommen – damit ist der Weg frei für eine neu gestaltete Flaniermeile zwischen Maille und Postmichelbrunnen.

 

Schon 2019 war die Ritterstraße in einem Verkehrsversuch für zwei Jahre als Fußgängerzone erprobt worden. Anschließend hatte die Stadt den Bereich befristet als autofreie Zone ausgewiesen – mit dem klaren Ziel vor Augen, die wichtige Innenstadtachse dauerhaft zur Flaniermeile zu machen. Doch dieser Plan hatte nicht nur Freunde: Vor allem aus den Reihen von Einzelhändlern und Anwohnern kam Kritik. So wurde unter anderem die erschwerte Erreichbarkeit von Häusern und Läden moniert, ebenso die Einschränkungen im Lieferverkehr und der Wegfall von Parkplätzen. Außerdem erschienen manchen die versenkbaren Poller beim Technischen Rathaus als zu wuchtig und unpraktisch – zumal die Technik der Durchfahrbarrieren am Anfang Probleme machte.

Händler vermissen optische Aufwertung

Während die meisten Händler in der Küferstraße die autofreie Zone recht schnell als sehr positiv wahrnahmen, zeigte man sich in der Ritterstraße, rund um den Postmichelbrunnen und am Hafenmarkt eher skeptisch. Zumal man eine optische Aufwertung und zusätzliche Aufenthaltsqualität im Gegenzug zur Verbannung des Autoverkehrs vermisste. Es sei mehr versprochen als umgesetzt worden, hieß es.

Das kritisierte auch der SPD-Rat Andreas Koch im jüngsten Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU). „Autos raus, Aufenthaltsqualität rein – von dieser Maxime haben wir uns leiten lassen.“ Bislang seien aber nur die Autos ausgesperrt worden, ohne dass die Ritterstraße nennenswert aufgewertet worden sei. Da müsse schleunigst nachgebessert werden: „ Wir stehen bei den Einzelhändlern im Wort, dass es keine Fußgängerzone ohne mehr Aufenthaltsqualität gibt“, so Koch.

Schon lange will die Stadtverwaltung die Ritterstraße als Fußgängerzone ausweisen, um für mehr Leben in der östlichen Altstadt zu sorgen. Doch weil das Vorhaben durchaus umstritten war, gab es zunächst einen Verkehrsversuch und dann nur eine befristete Lösung. Eigentlich sollte das Provisorium schon im vergangenen Jahr dauerhaft festgeschrieben werden, doch angesichts knapper Kassen wurde das Vorhaben dann doch wieder vertagt. Jetzt aber galt es zu handeln: Das Land hat einen Zuschuss in Höhe von 3,2 Millionen Euro für das Projekt in Aussicht gestellt – das Geld gibt es allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Ritterstraße dauerhaft zur Fußgängerzone wird.

Dem haben die Stadträte nun im ATU zugestimmt. „Die Ritterstraße braucht dringend ein Upgrade“, betonte etwa Andreas Fritz (Grüne). Thomas Heubach (Freie Wähler) erklärte, dass der Verkehrsversuch sinnvoll gewesen sei, und begrüßte die nun anvisierte Umgestaltung. Auch Karin Pflüger (CDU) und Jörn Lingnau (FDP) zeigten sich zufrieden mit den Plänen – wenngleich Lingnau ein Gesamtkonzept für den Verkehr in der Innenstadt anmahnte. Im Rathaus will man nun schnell konkrete Pläne für die Umgestaltung der Ritterstraße erarbeiten, um eine verbindliche Zusage für die Fördermittel des Landes erhalten zu können. Angedacht seien breite Zonen für Fußgänger, die ein barrierefreies Flanieren ermöglichen sollen, außerdem Flächen für Außengastronomie sowie ein attraktiver neuer Eingangsplatz am Rossneckar. Auch der Übergang zur neu gestalteten Vorfläche zwischen Technischem Rathaus und Tiefgarage an der Kiesstraße soll verbessert werden. Ziel ist es laut Baubürgermeister Hans-Georg Sigel, die Umgestaltung der Ritterstraße bis zum Stadtjubiläum 2027 abzuschließen – auch wenn das ein „sehr sportlicher Plan“ sei.

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