Esslingen von oben Hitler schwang noch selbst den Spaten

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In einer Serie zeigen wir Luftbilder aus dem Jahr 1955 und aus dem Jahr 2015 aus dem Landkreis Esslingen. Heute: Die Autobahn 8 bei Ostfildern/Nellingen und das Körschtal. Die Autobahn ist eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen in Europa.

Die Autobahn 8 führte in den 50er-Jahren  überwiegend an   Feldern und Streuobstwiesen vorbei. Mittlerweile steht das Land unter großem Siedlungsdruck. Foto: Stadtmessungsamt
Die Autobahn 8 führte in den 50er-Jahren überwiegend an Feldern und Streuobstwiesen vorbei. Mittlerweile steht das Land unter großem Siedlungsdruck. Foto: Stadtmessungsamt

Nellingen - Es war die Zeit, als Ostfildern-Nellingen einfach nur Nellingen hieß. Und die Reichsautobahn mitsamt dem Reich zur Erinnerung verblasste. Die Straßen in der Nachkriegszeit waren leer von Privatautos und meist von Lastwagen befahren. Der Verkehr hatte die Menschen noch nicht an den Rand gedrängt. Noch immer wird erzählt, wie man in jenen Jahren selbst im Neckartal auf der B 10 noch Fußball spielen konnte. Die Autobahn war noch betoniert und nicht asphaltiert und führte an einem Provinzflughafen vorbei, der nur ein kleines Empfangsgebäude hatte.

Ständig war Stau am Drackensteiner Hang

Die Autobahn ist groß geworden heute mit ihren bis zu acht Spuren am Stuttgarter Flughafen, der sich mächtig gewandelt hat. Das Parkhaus mit dem weltgrößten Bosch-Schriftzug überspannt die Straße, die trotzdem noch immer nicht groß genug ist, um den Verkehr an allen Tagen reibungslos zu bewältigen. Und das war die A 8 eigentlich noch nie. Seit Ende der 70er-Jahre war die Staumeldung vom Drackensteiner Hang ein fester Bestandteil der täglichen Verkehrsmeldungen. Als dort neu gebaut wurde, klemmte es schon wieder an anderen Stellen, und erst im Jahr 2020 soll die Autobahn durchgängig dreispurig ausgebaut sein. Freilich ihre zwei Lücken bei Pirmasens und München, die behält sie dann noch immer.

Die Autobahn ist eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen in Europa. Sie führt mit zwei Unterbrechungen von Luxemburg bis nach Bad Reichenhall an der österreichischen Grenze. Letztlich ist sie die für das Auto geschaffene Fortsetzung der uralten Magistrale von Antwerpen nach Prag, auf der schon die Fürsten Thurn und Taxis ihre gelben Postwagen rollen ließen.

Hitler weihte den Abschnitt München/Salzburg ein

Der Spatenstich für die A 8, damals noch Reichsautobahn 26, erfolgte am 21. März 1934 in Unterhaching durch Adolf Hitler, der damals den Abschnitt München/Salzburg einweihte. Die Vorbereitungen hatten bereits am 1. September 1933 mit der Einrichtung der obersten Bauleitung in München begonnen. Der zweite Autobahnabschnitt von Karlsruhe nach Salzburg wurde ebenfalls während der Zeit des Nationalsozialismus fertiggestellt. Während des Zweiten Weltkriegs diente zumindest eine Teilstrecke der A 8 zwischen Augsburg und München als Abstellplatz für Flugzeuge, die gerade fertiggestellt wurden. Sie konnten dann direkt von der Autobahn in den Einsatz starten.

Noch etwas anderes kann man auf dem Luftbild erkennen. Auch die Dörfer sind näher an die Autobahn herangerückt. Das geschwungene Körschtalviadukt ersetzt die alte passähnliche Straße nach Nellingen. Die einst menschenleeren Streuobstwiesen haben sich in ein Konglomerat aus Freizeitgrundstücken verwandelt mit zahlreichen Hütten und Zäunen. Im Körschtal gibt es jetzt eine Kläranlage, und nur die Körsch schlängelt sich wie eh und je in einem Saum aus Bäumen und Sträuchern das Tal hinab. Die Autobahn 8 beginnt ganz offiziell in Schengen in Luxemburg, dem Ort, in dem die EU das Ende ihrer Grenzkontrollen in Europa beschlossen hat und die Freizügigkeit ihrer Einwohner. Wie kaum eine andere Straße ist sie damit ein Symbol für das Zusammenwachsen der europäischen Staaten.




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