Esslingens Hutmacherin Die Hüterin des guten Kopfschmucks

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Hut ab vor dem Angebot im Esslinger Szenario. Die Hutmacherin Birgit Sophie Metzger fertigt Kreatives für Köpfe.

Franziska Lambart (rechts) und  Birgit Sophie Metzger nähen bei gutem Wetter ihre Hüte auch mal vor dem Haus in der Webergasse 7 in Esslingen. Foto:   8 Bilder
Franziska Lambart (rechts) und Birgit Sophie Metzger nähen bei gutem Wetter ihre Hüte auch mal vor dem Haus in der Webergasse 7 in Esslingen. Foto:  

Esslingen - Zwei Hüte hat sie für das Pferderennen nach Ascot gegeben, einen Kopfschmuck an Catherine Heigl, die Schauspielerin aus „Grey’s Anatomy“. Queen Elizabeth II. hat sie keinen geschickt, obwohl die Kollektion Ihrer Majestät ihrer Ansicht nach zuweilen eine kleine Aufwertung vertrüge.

Die Hutmacherin und Modistin Birgit Sophie Metzger, 51, verkauft seit 1994 allerlei Arten von Hüten und Kopfschmuck im Szenario in der Esslinger Webergasse. Für sie geht es um Ästhetik und Proportionen. In ihren Augen hat der Mensch gewissermaßen eine zweite Symmetrieachse, die durch die Taille geht. Eine Dame, die auffällige Schuhe trägt, braucht nach ihrem Verständnis durch einen passenden Hut ein optisches Gleichgewicht.

Birgit Sophie Metzger ist Künstlerin wie Psychologin gleichermaßen. Was ist das für ein Mensch, dem sie auf der Schwelle ihres Ladens begegnet? Welcher Hut würde seine Persönlichkeit abbilden? Strenge Formen für eine geradlinige Frau, die weiß, wo es langgeht, oder verspielte Formen für den künstlerischen Typ?

Das Muster hat sie den Esslinger Rebenreihen abgeguckt

Birgit Sophie Metzgers Mann Eric Danzinger ist Modefotograf und setzt nicht nur seine Frau gut in Szene, sondern auch ihre Hüte. Sie arbeitet gern mit Quadrat und Kreis und klaren Strichen, die versetzt aufeinandertreffen. Ein Muster, das sie den Esslinger Rebenreihen im Weinberg abgeguckt hat. Manchmal druckt sie verfremdete Fotos ihres Gatten auf den Stoff, manchmal färbt sie den Stoff von Hand, wenn die Farbe so gar nicht passen will. Sie verwendet Naturmaterialien genauso wie ultraleichte Tech-Textilien, damit man die Hüte falten und in die Tasche stecken kann, wenn sie hinderlich sind.

In ihrem Leben wie in ihrem Design ist Birgit Sophie Metzger nie den ausgetretenen Pfaden gefolgt. Ihre Karriere startete sie vor dreißig Jahren in Wien. Sie wollte dort Design studieren. Mit einem Diplom kam sie nicht zurück, dafür mit einem Wiener und tausend Ideen für Hüte. Sie hatte einen guten Start, als ihre ganze Kollektion von einer Münchner Modekette gekauft wurde. Dann hieß es produzieren und produzieren, nur hatte sie keine Ahnung, wie das geht. Aber auch diese Hürde schaffte sie.

Weil sie weder einen Meister- noch einen Gesellenbrief hatte, wollten die etablierten Modistinnen zunächst nichts mit ihr zu tun haben. „Ich habe einmal bei einer Kollegin in Stuttgart nachgefragt, ob ich nicht ein Praktikum bei ihr machen könnte. Da hat sie mich einfach aus dem Laden geschmissen.“ Wütend dachte sie: „Dann nimm doch dein Wissen mit ins Grab.“ Inzwischen hat sie alle nötigen Kenntnisse erworben, bildet aus und ist Mitglied der Modistinnen-Innung.

Nicht viel mehr Platz als in einer Telefonzelle

In ihrer Werkstatt hat es nicht viel mehr Platz als in einer Telefonzelle. Musterstoffe und Rohlinge reihen sich im Regal, auf drei Nähmaschinen wird handgefertigt. Der Renner sind gerade Prinz-Heinrich-Mützen, die das Logo von Kessler-Sekt auf dem Naturkork haben. Bei schönem Wetter arbeiten ihre zwei Mitarbeiterinnen vor dem Haus auf dem Kopfsteinpflaster. Birgit Sophie Metzger liebt es, von der Idee bis zum fertigen Hut alles in einer Hand zu halten. „Dann kann keiner behaupten, das geht nicht.“ Denn diesen Satz hat sie oft gehört. Und jedes Mal das Gegenteil bewiesen.

Der elegante Mann und die elegante Dame tragen Hut. Nur ist diese Eleganz in Deutschland ziemlich verblasst. Sie blüht höchstens noch bei Bällen und Hochzeiten auf, und da meist auch nur einmal im Leben – bei der eigenen Hochzeit. Der Markt ist klein geworden, aber in Esslingen hat vermutlich jeder, der etwas auf sich hält, ein Schnittmuster oder seine Hutgröße im Szenario hinterlegt. Wie jedes handgefertigte Kleidungsstück haben die Hüte ihren Preis. Dafür halten sie ein Leben lang. Es sei denn, der Körper könnte sich durch den einen oder anderen Einfluss in den Proportionen ändern. Doch dann wüsste Birgit Sophie Metzger sicher einen guten modischen Rat.