Esslingens OB Matthias Klopfer „Für mich fühlt sich die Stadt richtig gut an“

Esslingens neuer OB Matthias Klopfer hat sich für 2022 viel vorgenommen. Foto: Roberto Bulgrin

Anfang November hat Matthias Klopfer auf dem Chefsessel im Esslinger Rathaus Platz genommen. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt der neue Oberbürgermeister auf seine ersten Wochen im neuen Amt zurück, und er gibt Einblick in sein Amtsverständnis und seine kommunalpolitischen Pläne.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Esslingen - Seit Anfang November hat Matthias Klopfer im Esslinger Rathaus das Sagen, und auch wenn er ein wohl bestelltes Haus übernommen hat, warten auf ihn viele Herausforderungen: Corona und der Strukturwandel mit all den finanziellen Folgen, Klimaschutz, Mobilitätswende und Wohnungsnot fordern entschlossenes Handeln. Über all die großen Zukunftsaufgaben will Klopfer aber auch die vermeintlich kleinen Dinge, die eine Stadt und das Zusammenleben der Menschen bereichern, nicht vergessen. Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt Klopfer Einblick in sein Amtsverständnis und seine Pläne für das kommende Jahr.

 

Herr Klopfer, wie haben Sie die ersten Wochen im Esslinger Rathaus erlebt?

Für mich fühlt sich Esslingen richtig gut an. Ich gehe jeden Tag gerne ins Rathaus, fühle mich in der Verwaltungsspitze, in meinem engeren Team und in der ganzen Mitarbeiterschaft bestens aufgehoben. Und ich habe das Gefühl, dass ich bereits ein gutes Miteinander mit dem Gemeinderat gefunden habe. Ich konnte erste Impulse setzen und will das weiterhin tun, kann mich aber auch zurücknehmen und muss nicht ständig im Vordergrund stehen. Entscheidend ist, was gut für unsere Stadt ist. Dafür muss jeder seine Stärken zeigen können. Nur eines fehlt mir: Ich pflege gern Kontakte und will mit möglichst vielen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen reden. Das kommt angesichts der Coronabeschränkungen viel zu kurz.

Was tun Sie, um dennoch auch in diesen Zeiten Kontakt zu den Esslingerinnen und Esslingern zu halten?

Ich bin nicht Oberverwaltungsmeister, sondern Oberbürgermeister. Deshalb will ich nah bei den Bürgerinnen und Bürgern sein. Da mache ich keinen Unterschied zwischen Firmenlenkern und den Leuten, die mir im Alltag begegnen. Wenn ich mittags essen gehe, kann es ein gediegenes Lokal genauso sein wie ein Schnellimbiss. Überall kommt man ins Gespräch, erfährt Neues und bekommt ein Gespür für die Stadt. Und ich freue mich, wenn Leute mich auf der Straße ansprechen. Das ist doch das Schöne an meinem Job.

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Corona fordert Sie als Krisenmanager, die reguläre Verwaltungsarbeit soll reibungslos weiterlaufen, und Sie müssen Weichen für die Zukunft stellen. Wie bringen Sie all das unter einen Hut?

Corona ist nicht die erste Krise, mit der ich zu tun habe. Ich habe ein verlässliches kleines Team um mich herum, mit dem ich die aktuelle Lage und nötige Konsequenzen besprechen und rasch die richtigen Entscheidungen treffen kann. Verwaltung kann ich auch, immerhin war ich 15 Jahre lang Schorndorfer OB. Die Stadt ist zwar kleiner als Esslingen, aber die allermeisten Themen hatte ich auch dort auf dem Tisch. Hier ist alles größer, und damit ist die Schlagzahl höher. Und was die Zukunft angeht: Ich bin angetreten, um in zentralen Bereichen neue Impulse zu setzen. Wir haben drei neue Stabsstellen für die Bereiche Klimaschutz, Mobilität und Wohnen geschaffen. Erste Vorschläge für diese zentralen Herausforderungen wollen wir in der Gemeinderatsklausur im März diskutieren.

Sie müssen in allen drei Bereichen dicke Bretter bohren. Beim Klimaschutz drängt die Zeit ganz besonders. Lässt sich da überhaupt rasch etwas bewegen?

Zunächst bin ich froh, dass wir uns im Gemeinderat über die Bedeutung dieses Themas einig sind. Und wir fangen beim Klimaschutz in Esslingen zum Glück nicht bei Null an. Denken Sie nur an die Weststadt. Nach der Umstellung des Busverkehrs auf E-Mobilität werden wir in wenigen Jahren bundesweit führend in diesem Bereich sein. Wenn es um weitere konkrete Maßnahmen geht, müssen wir intensiv und gerne auch kontrovers diskutieren – etwa über das Spannungsfeld zwischen Klima- und Denkmalschutz und die Frage, ob Fotovoltaik in der Altstadt sein soll und darf. Wir müssen beim Klimaschutz im Großen wie im Kleinen denken. Das Stadtklima wird sich weiter verändern, die Temperaturen werden im Sommer steigen. Deshalb müssen wir an die Aufenthaltsqualität denken und schauen, wie wir Wasser und Grün in die Stadt bringen können. Auch das gehört zur Attraktivität der Innenstadt.

Wann werden wir erste Erfolge sehen?

Zum Klimaschutz wollen wir im Herbst ein großes Maßnahmenpaket auf den Weg bringen. Und wir werden beim Thema Mobilität einiges tun müssen. Das kostet richtig Geld. Bei der Radverkehrsplanung kommen wir einen großen Schritt voran. Kurze und sichere Wege sind entscheidend, wenn der Fußgänger- und Radverkehr mehr Akzeptanz finden soll. Und wenn man sieht, wie schwierig es ist, eine Wohnung – zumal eine bezahlbare – zu finden, dann liegt auch da der Handlungsbedarf klar auf der Hand.

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Geht das alles angesichts der Finanzlage?

Wenn man etwas bewegen möchte, geht das nicht immer zum Nulltarif. Wir wissen um die Finanzen, wollen sinnvolle Einsparungen umsetzen. Dass die Signale aus der Wirtschaft zuletzt etwas positiver waren, hat sich in der Finanzentwicklung bereits gezeigt und erleichtert uns manches. Und wir wissen, dass Bund und Land in den kommenden Jahren massiv in Klimaschutz, Wohnungsbau und Mobilität investieren werden, weil es dazu keine Alternative gibt. Davon werden unsere Projekte über Zuschüsse profitieren. Diese Möglichkeiten intelligent zu nutzen, wird Aufgabe der Stabsstellen sein.

Gibt es weitere Themenbereiche, die Sie in den Fokus nehmen wollen?

Für mich wird 2022 das Jahr der Innenstadt. Was nützen die besten Fuß- und Radwege, wenn das Zentrum nicht mehr attraktiv genug ist, damit die Menschen gerne dorthin kommen? Die Einzelhandelsstruktur wird sich ein Stück weit verändern. Da müssen wir schauen, wie die Innenstadt auf andere Weise attraktiv bleibt. Die Kultur kann eine wichtige Rolle spielen. Eine Stadtbücherei ist als Ort der Bildung, der Kultur und Begegnung wichtig. Sie ist aber auch ein Frequenzbringer. Ich verwende den Begriff nicht inflationär, aber die Attraktivität und Zukunft unserer Innenstadt sind für mich Chefsache.

Und wo will der Chef ansetzen, wenn es um die Zukunft der Innenstadt geht?

Da kommen mir meine Marketingerfahrungen und mein Gartenschau-Gen zugute. Ich habe richtig Lust darauf, hier etwas zu bewegen. Wenn man aufmerksam durch die Stadt geht, sieht man so vieles, wo man ansetzen kann. Denken Sie an das Wegeleitsystem, das mal modern war, inzwischen aber aus der Zeit gefallen ist. Und wir haben große, komplexe Themen wie den Marktplatz. Da wollen wir dem Gemeinderat 2022 einen Vorschlag unterbreiten, wie man damit verfahren kann.

Oft lässt sich mit geringem Aufwand viel für das Flair einer Stadt tun. In Schorndorf sieht man viele solcher Akzente. Wollen Sie die auch in Esslingen setzen?

Diesen Anspruch habe ich mitgebracht, und die ersten Dinge habe ich schon angeschoben, etwa beim Thema Sauberkeit. Da braucht man pragmatische Lösungen. Wenn es nicht mehr Personal gibt, kann ich mit größeren Mülleimern etwas tun. Solche Themen werden nicht delegiert – darüber reden wir in den Dezernentenrunden und suchen Lösungen. Als Kommunalpolitiker sind wir gewählt, um uns auch um die kleinen Dinge zu kümmern, die eine Stadt ebenso ausmachen.

Erst der Wahlkampf in Esslingen, dann der Endspurt in Schorndorf, zuletzt der Neubeginn in Esslingen. Bleibt über Weihnachten Zeit, um kürzer zu treten?

Auf alle Fälle. Ich bin es gewohnt, viel zu arbeiten – anders kann man eine so wichtige Aufgabe nicht machen. Nach Weihnachten werde ich nach Esslingen umziehen. Und in der ersten Januarwoche gibt es noch nicht so viele Termine. Dann bleibt etwas mehr Zeit für Gespräche. Auf diese Begegnungen freue ich mich ganz besonders.

Die ersten Schritte

Verwaltung
 Den frischen Wind im Rathaus hat Esslingens neuer OB Matthias Klopfer auf vielerlei Weise bereits deutlich gemacht: Bislang hatten nur der Oberbürgermeister und der Dezernent für Ordnungswesen, Soziales, Kultur, Schule und Sport ihre Büros im Neuen Rathaus. Um kurze Wege an der Verwaltungsspitze zu bekommen, sind inzwischen auch der Finanz- und der Baubürgermeister dorthin umgezogen. Außerdem hat der Gemeinderat noch vor dem Jahreswechsel beschlossen, Stabsstellen für die zentralen Zukunftsaufgaben Klimaschutz, Mobilität und Wohnen einzurichten.

Klausur
 Um Weichen für die künftige Arbeit zu stellen, wird der Gemeinderat im März mit der Verwaltungsspitze in Klausur gehen. Dann wird neben den großen Zukunftsthemen auch über die künftige Zusammenarbeit im Gemeinderat diskutiert.

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