Baustelle in Esslingen Freie Fahrt den Zollberg hinunter

Von  

Fünf Monate lange haben Bauarbeiter den Hang unter der Esslinger Zollbergstraße abgestützt, jetzt sind sie fertig.

Die Betonkonstruktion bietet Platz für einen breiten Radweg. Foto: Ines Rudel
Die Betonkonstruktion bietet Platz für einen breiten Radweg. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Fünf Monate lang ist die Zollbergstraße in Esslingen gesperrt gewesen, von Donnerstagabend an kann der Autoverkehr wieder rollen. Am Freitag ist die Strecke dann auch wieder frei für die Oberleitungsbusse.

Der Grund für die Sperrung einer der wichtigsten Hauptverkehrsadern nach Süden liegt im Boden unterhalb der Straße. Der ganze Hang unter der etwa zwei Meter tief gegründeten Fahrbahn war ins Rutschen gekommen, und auch ohne die Messpunkte des Straßenbauamtes hatten die Autofahrer gesehen, wie sich die Risse in der zweiten Spitzkehre immer mehr verbreiterten.

35 Pfähle in 15 Metern Tiefe

Dagegen half nur Beton. 35 Betonpfähle wurden in das Erdreich gerammt, bis sie in 15 Meter Tiefe auf den gewachsenen Fels stießen. Diese Pfähle wurden mit einem Betonbalken verbunden, so dass jetzt 108 Tonnen Baustahl und 1350 Kubikmeter Beton unter der Straße liegen. Rund 5000 Quadratmeter Fahrbahn und Nebenflächen wurden so saniert.

Freuen können sich vor allem die Radfahrer. Der Radweg wurde nun auf einer breiten Brüstung bis über die zweite Kehre gelegt. Langfristig werden die Stadtplaner eine durchgehende Verbindung zwischen der Pliensaubrücke und der Nellinger Linde schaffen, die den Zollberg an den künftigen Radschnellweg im Neckartal anbinden wird. Bergab ist zurzeit keine Radspur geplant. „Bergab können die Radfahrer mit der Geschwindigkeit der Autos gut mithalten“, sagt dazu der Esslinger Tiefbauamtsleiter Uwe Heinemann, außerdem wäre es bergab für die Fußgänger zu gefährlich, wenn ein Radweg über das Trottoir gelegt würde. Ebenfalls erneuert wurden die kupfernen Leitungen für die Oberleitungsbusse, die zur Nellinger Linde fahren.

Nicht jeden stört der Verkehr

Wer die Zollbergstraße kennt, der empfindet die Ruhe, die dort noch herrscht, als extrem ungewöhnlich. Ein Mann schneidet mit seiner Motorsäge eine Buchenhecke. Er will hier einen Zaun bauen, der seine Katzen schützt, wenn der Verkehr wieder anrollt. Neun Katzen gebe es in der Nachbarschaft, allein er habe drei Katzen aus Tierliebe bei sich aufgenommen, und eine sei schon auf der viel befahrenen Straße gestorben.

Ein Spaziergänger führt seinen gewaltigen Hund über den Mittelstreifen. „Ich bin hier aufgewachsen“, sagt er, „mich stört der Verkehr nicht.“ Im Gegenteil, in der Geräuschkulisse gingen die anderen Störungen unter. Zurzeit nerven ihn noch die Fußgänger, die in der Nacht auf dem Fußweg Radau machen, bald werden diese Geräusche wieder im Autolärm verschwimmen. „Ich bin kein Freund von Tempo 30“, sagt er noch, „aber die Stadt sollte mit Kontrollen darauf achten, dass die Leute nicht schneller als 50 Stundenkilometer fahren.“

Bald rollen wieder 13 500 Autos täglich über den Zollberg, die während der Bauzeit die Berkheimer Steige genutzt haben. Damit die Steige nicht komplett im Stau versank, wurde im Tal zur B 10 hin die Grünphase der Ampel verlängert, weswegen das Linksabbiegen nach Göppingen verboten war. Auch dieses Verbot wird am Donnerstag aufgehoben werden.