Esslinger Abgeordneter nimmt Abschied aus dem Bundestag Zeitenwende für CDU-Politiker Markus Grübel

Erinnerungen an 23 Jahre im Bundestag hat Markus Grübel in vielen Aktenordnern festgehalten. Foto: Ines Rude/l

Er hat den Wahlkreis Esslingen 23 Jahre lang im Bundestag vertreten. Nun hat sich der CDU-Politiker Markus Grübel aus dem Parlament verabschiedet. Grübel hatte bei der jüngsten Bundestagswahl nicht mehr kandidiert – der Politik bleibt er weiterhin treu.

23 Jahre lang hat er den Wahlkreis Esslingen im Bundestag vertreten. Er war Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Beauftragter der Bundesregierung für die weltweite Religionsfreiheit. Mit 65 Jahren verabschiedet sich Markus Grübel nun aus dem Berliner Parlament. Der Politik wird der frühere Notar dennoch treu bleiben: Seit der jüngsten Kommunalwahl sitzt er im Esslinger Kreistag. Damit schließt sich für den überzeugten Christen und Christdemokraten ein Kreis.

 

Politik war stets ein wichtiger Teil im Leben von Markus Grübel. Über die Junge Union kam er 1986 zur CDU. Er hat zunächst in Gemeinderat und Kreistag Verantwortung übernommen, ehe er 2002 in den Bundestag gewählt wurde. Das Esslinger Direktmandat hatte er seither verteidigt. „Es ist ein großes Glück, dass ich selbst bestimmen durfte, wann ich mich aus der Bundespolitik zurückziehe“, sagt Grübel. „333 Abgeordnete scheiden diesmal aus dem Bundestag aus. Viele wussten vor einem Monat noch nicht, dass sich ihr Leben grundlegend verändern wird.“

Trotzdem verhehlt er nicht, dass er mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht: „Es ist immer schwer, eine Aufgabe und mit ihr viele Menschen zurückzulassen. Aber jeder Neubeginn ist auch eine Chance.“

Stimmenkönig bei der Esslinger Kreistagswahl

Die Begegnung mit Papst Franziskus hat den bekennenden Christen Markus Grübel tief berührt. Foto: privat

Dass er bei der jüngsten Kreistagswahl die meisten Stimmen aller Kandidatinnen und Kandidaten geholt hat, empfindet Grübel als Bestätigung seiner langjährigen politischen Arbeit: „Offenbar habe ich manches richtig gemacht.“ Er mag nicht in den Chor derer einstimmen, die beklagen, dass der Respekt gegenüber Politikern und der Politik geringer geworden sei: „In persönlichen Begegnungen spüre ich weiterhin großen Respekt. Die Leute gehen sehr offen mit mir um.“ Allerdings hat Grübel den Eindruck, dass in sogenannten sozialen Medien alle Dämme gebrochen sind: „Viele halten sich für ganz mutig, verstecken sich aber hinter Spitznamen und meinen, sie dürften sich dann alles erlauben.“

Grübel räumt durchaus ein, dass er auch Kolleginnen und Kollegen erlebt hat, die sich in der viel zitierten „Berliner Blase“ mit der Zeit so gut eingerichtet hatten, dass ihnen die Bodenhaftung in ihrem Wahlkreis abhanden gekommen ist: „Für mich war es immer wichtig, privat in Esslingen zu leben. Wenn ich samstags einkaufen oder sonntags hier in die Kirche gehe, kann mich jeder ansprechen. Und ich engagiere mich vor Ort – etwa als Präsident des Blasmusikverbands Esslingen.“

Gespräche mit Stammesältesten brachten Markus Grübel wichtige Einsichten in das Selbstverständnis vieler Afghanen. Foto: Bundeswehr

Als er sein Abgeordnetenbüro in der Bahnhofstraße geräumt hat, um Platz für seinen Nachfolger David Preisendanz zu machen, ging Grübel unzählige Aktenordner durch, die ihn an vieles erinnerten, worum er sich als Bundestagsabgeordneter gekümmert hat: Der nicht enden wollende Kampf um funktionierende Aufzüge und einen barrierefreien Zugang zum Esslinger Bahnhof etwa, sein Einsatz für eine millionenschwere Förderung zum Umstieg des Esslinger Verkehrsbetriebs auf Oberleitungs-Akku-Busse oder die Bundesförderung für den Sportpark Weil. „Vieles, aber nicht alles, was mir wichtig war, konnte ich erreichen“, resümiert er. „Manches habe ich nun meinem Nachfolger ans Herz gelegt.“

Die Bundespolitik wird Markus Grübel weiter im Blick behalten: „Unser Land steht vor entscheidenden Jahren. Wir brauchen jetzt gute Entscheidungen für unsere Zukunft.“ Doch das ist nun Sache des neuen Bundestags. Gerade in der Verteidigungspolitik hätte er gerne noch einige Weichen mit gestellt – etwa bei der Wiedereinführung der Wehrpflicht oder der Stärkung der Bundeswehr. Dass seine Union an vielen Entscheidungen, die nun zu korrigieren sind, nicht unbeteiligt war, räumt er ein. „Doch die Zeiten waren andere, und vieles, was wir aus den USA hören, hätten wir uns nicht vorstellen können.“

„Kompromisse gehören zum politischen Geschäft“

Angela Merkel machte sich bei seiner ersten Bundestagskandidatur 2002 für Markus Grübel stark. Foto: Roberto Bulgrin

Daraus gelte es nun, die richtigen Schlüsse zu ziehen – etwa durch das beschlossene Sondervermögen oder die Lockerung der Schuldenbremse. Dass Friedrich Merz als CDU-Spitzenkandidat kurz vor der Bundestagswahl eine neue Schuldenpolitik kategorisch ausgeschlossen hatte, um kurz nach der Wahl die Kehrtwende mitzumachen, ist vielen Wählern sauer aufgestoßen. Das wurde und wird dem scheidenden Abgeordneten immer wieder vorgehalten. Markus Grübel wirbt für Verständnis: „Im Wahlkampf zeigt man die klare Linie der Partei. Dass man in Koalitionen Kompromisse eingehen muss, gehört zum politischen Geschäft. Das ist den Menschen bewusst.“

Zum Abschied hat Markus Grübel eine Broschüre aufgelegt, mit der er sich bei vielen für gute Zusammenarbeit bedankt. Sein Fazit: „Diese Zeit war für mich eine Herausforderung, Ehre und meist auch Freude.“ Auf der letzten Seite verrät er, wofür er sich nun mehr Zeit nehmen möchte: zum Lesen, zum Wandern, zum Kochen, für Freizeitaktivitäten, Reisen, Skifahren – und für Familie und Freunde. Vor allem seine Ehefrau Birgitta Frank-Grübel, die ihm stets den Rücken freigehalten hatte, dürfte das gern hören.

Stationen einer politischen Karriere

Persönlich
 Markus Grübel wurde 1959 in Esslingen geboren. Er hat am Mörike-Gymnasium das Abitur erworben, seinen Wehrdienst absolviert und eine Ausbildung zum Notar gemacht. 1990 ging er nach Sachsen, um nach der Wende am Aufbau der dortigen Verwaltung mitzuarbeiten. Er war Fachberater in Liegenschaftsämtern, Leiter des Grundbuchamtes Dresden und Referent im Sächsischen Justizministerium. 1995 ging Grübel zurück nach Baden-Württemberg, wo er bis 1998 als Notar in Reutlingen, Tübingen und Stuttgart tätig war. Als Reserveoffizier der Marine brachte er es bis zum Korvettenkapitän.

Politisch
 1984 wurde Markus Grübel Mitglied der Jungen Union, seit 1986 ist er CDU-Mitglied. Von 1989 bis 2014 war er Stadtrat in Esslingen, von 1994 bis 2002 CDU-Fraktionschef. Dem Kreistag gehörte er von 1999 bis 2002 an, 2024 wurde er erneut in den Kreistag gewählt. Von 2002 bis 2025 war er Esslinger Bundestagsabgeordneter. Von 2013 bis 2018 war Grübel Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, von 2018 bis 2021 Beauftragter der Bundesregierung für die weltweite Religionsfreiheit.

Engagiert
Markus Grübel war und ist vielfach ehrenamtlich engagiert. Unter anderem ist er Vorsitzender beim Freundeskreis Fregatte Baden-Württemberg und Präsident des Blasmusikverbands Esslingen.

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