Esslinger Autor ist tot „Das Schreiben weitet den Blick“ – ohne ihn wirkt die Kulturlandschaft fader

Der Esslinger Autor und Satiriker Dirk Werner. Foto: gw

Der Esslinger Dirk Werner liebte das Schreiben und war oft schwarzhumorig unterwegs. Nach schwerer Krankheit ist er im Alter von 65 Jahren gestorben.

Er war in seinen Texten satirisch, skurril und schwarzhumorig unterwegs. Er liebte den literarischen Schelmenstreich, hatte ein Faible für den Stabreim und war leidenschaftlicher Fan von Limericks, diesen prägnanten Fünfzeilern mit knitzem Witz. Seine Kurzgeschichten, Essays und Gedichte wurden in Zeitschriften, Anthologien und als Buch veröffentlicht und mit Literaturpreisen bedacht. Nun ist der Esslinger Autor Dirk Werner nach schwerer Krankheit im Alter von 65 Jahren gestorben.

 

In Gera geboren und an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen, hat Dirk Werner mehr als 20 Jahre in Berlin gelebt und dort seine Leidenschaft für Theater und Literatur entdeckt. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, war er als Friedhofsarbeiter, Spielzeugverkäufer, Erzieher, Krankenpfleger und Sozialtherapeut tätig. Nach einer Ausbildung zum Fotodesigner an der Lazi-Akademie blieb er in Esslingen. Er arbeitete als Filmvorführer, unterrichtete Fotografie an der Merz-Akademie, an Schulen und in Jugendhäusern. In Stuttgart moderierte er „Das literarische Wohnzimmer“. In Workshops und Schreibwerkstätten in der Stadtbücherei, in der Spinnerei des Vereins Kultur am Rande oder bei den „Esslinger Federn“ im Kulturzentrum Dieselstraße weckte er bei anderen die Lust am kreativen Schreiben.

Während der Coronapandemie verteilte er aufmunternde Zettel

Seine Freunde, mit denen er stundenlang intensiv über Gott und die Welt, über Kunst und Kultur reden konnte, schätzten an Dirk Werner seine Herzlichkeit, seine Wärme, seine Zugewandtheit und seine Menschlichkeit. Das integrative Café Sonne in der Esslinger Küferstraße wurde zu seiner zweiten Heimat, wo er Lesungen, Liederabende und Ausstellungen mitgestaltete. Immer wieder brachte Dirk Werner, der Arno Schmidt liebte und Bohumil Hrabal schätzte, seine Texte in die Welt hinaus: Bei Lesungen und Poetry Slams. Während der Pandemie hängte er in der Stadt aufmunternde Botschaften auf kleinen Zetteln zum Mitnehmen auf. Bei spontanen Kurz-Lesungen trug er Gedichte und Mini-Geschichten aus eigener Feder im Park, vor dem Supermarkt und an der Straßenecke vor: Die kleine Portion Lyrik zwischendurch. Es war das Schreiben, das den zurückhaltenden Dirk Werner ermutigte, sich den Menschen und der Welt zu öffnen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung einmal verriet: „Das Schreiben weitet den Blick, lässt einen tief in sich hineinhorchen und macht Mut, sich ins Offene hinaus zu wagen.“

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