Esslinger Blumenhändler über den Valentinstag Auch eine Topfpflanze kann von Herzen kommen

Gerade am Valentinstag stehen Rosen als Zeichen der Liebe hoch im Kurs, wie der Esslinger Gärtnermeister Jürgen Merz sagt. Foto: /Roberto Bulgrin

Der Valentinstag gilt als Großkampftag im Blumenhandel. Floristin Iris Schmauk aus Köngen und Gärtnermeister Jürgen Merz aus Esslingen berichten über hohen Arbeitsaufwand, überraschend viel männliche Kundschaft, erhöhte Preise und besonders freundliche Kunden.

Esslingen - Die SMV am Esslinger Schelztor-Gymnasium liefert aus Anlass des Valentinstags schulintern Rosen aus, das Nürtinger Citymarketing verschenkt Fairtrade-Rosen an die Kundschaft – die Königin der Blumen ist nach wie vor die Nummer eins unter den Gaben, mit denen man am 14. Februar seine Zuneigung zeigt. Über 70 Prozent der Geschenke, die am Tag der Liebenden in Deutschland ausgetauscht werden, sind Blumen, an zweiter Stelle folgen Süßigkeiten. Manch einer zieht an diesem Tag alle romantischen Register – einen Heiratsantrag im Blumenladen oder die Order für eine ganze Wagenladung roter Rosen haben aber weder Floristin Iris Schmauk noch Gärtnermeister Jürgen Merz bereits erlebt. Obwohl die nüchternen Schwaben also für die ganz große Geste eher nicht zu haben sind, so sei am Valentinstag trotzdem jede Menge gut gelaunte Kundschaft im Laden anzutreffen, die mit einem Blumengruß anderen eine Freude machen will.

 

Eine einzelne Rose für die erste Freundin

„Der Valentinstag und der Muttertag sind wie die hohen Feiertage Weihnachten, Ostern und Pfingsten die Tage, an denen deutlich mehr Blumen gekauft werden und an denen deshalb bei uns deutlich mehr gearbeitet werden muss“, sagt Jürgen Merz, der mit seinen Ständen auf den Wochenmärkten in Esslingen, Plochingen und Aichwald-Schanbach präsent ist.

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Er schätzt jedoch, dass die Nachfrage am 14. Februar in diesem Jahr nur etwa um ein Viertel höher ist als an normalen Tagen: „Während Corona verlässt vor allem unsere ältere Kundschaft seltener das Haus, außerdem fällt der Valentinstag in diesem Jahr nicht auf einen Markttag, sonst hätten wir sicherlich noch deutlich mehr Kunden.“ Während sonst in der Regel Frauen Blumen kaufen, sind am Valentinstag die Herren in der Überzahl, sagt Iris Schmauk, die in der Köngener Hirschstraße ein Blumengeschäft führt: „Viele Männer schenken ihren Ehefrauen Rosen oder einen Frühlingsblumenstrauß. Außerdem kommen viele ganz junge Männer, die für die erste Freundin eine einzelne Rose kaufen. Aber oft sind am Valentinstag die Blumen auch von Frauen als liebe Geste gedacht: Ein Mitbringsel für die Kolleginnen im Büro oder eine liebevolle Überraschung für die Freundin.“

Auch kurz vor Ladenschluss muss niemand ohne Blumen nach Hause gehen

Etwa ein Fünftel der Kunden, so schätzt Merz, bestellt für den Valentinstag vor: „Sie wollen sichergehen, dass sie genau die gewünschten Blumen bekommen, und sie möchten im Laden nicht warten müssen, bis der Strauß gebunden ist.“ Auch Iris Schmauk plädiert für Voraussicht: „Wem am Valentinstag erst abends einfällt, dass er unbedingt noch einen Riesen-Rosenstrauß braucht, dem kann es passieren, dass wir den nicht mehr vorrätig haben.“ Wie im Supermarkt am Gemüseregal oder beim Bäcker, wo man abends auch nicht mehr dieselbe Auswahl habe wie morgens. Trotzdem müsse niemand, auch wenn er erst kurz vor Ladenschluss komme, ohne Blumen nach Hause gehen: „Es gibt genug Alternativen, etwa einen schönen Frühlingsstrauß, eine mit Herzen dekorierte Topfpflanze oder eine schöne Orchidee“, sagt Iris Schmauk, die auf den 14. Februar etwa dreimal mehr Ware als für normale Tage bestellt. Die Einkaufsplanung fordert Erfahrung und Fingerspitzengefühl, sagt die Floristin: „Natürlich wollen wir alle Kunden zufriedenstellen, aber wir möchten auch nicht hinterher zu viel bestellte Pflanzen auf den Kompost werfen müssen.“

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Weil der Valentinstag auf der ganzen Welt begangen wird und deshalb besonders viele Blumen ver- und gekauft werden, regelt diese enorme Nachfrage natürlich auch den Preis. Iris Schmauk weiß, dass auf dem Großmarkt manche Rosensorten zu diesem Termin um bis zu 80 Prozent teurer gehandelt werden. Hinzu kommt, dass in diesem Jahr das Preisniveau bei Blumen allgemein angestiegen ist, wie Jürgen Merz erklärt: „Höhere Frachtkosten, höhere Energiepreise, Mindestlöhne – das sind alles Faktoren, die die Branche belasten.“ Die weniger kälteempfindlichen Frühlingsblüher aus eigener Anzucht seien hingegen preisstabil. So empfehlen die beiden Pflanzenfachleute am Valentinstag als Alternative zu den obligatorischen Rosen bunte Tulpen, Ranunkeln, Hyazinthen oder Anemonen, aber auch Nelken, Gerbera, Mimosen, Freesien, Lilien oder die herrlich blühende Eustoma, auch Prärie-Enzian genannt.

Das Datum ist eine Erinnerungsstütze

Und wie halten es Blumenhändler persönlich mit dem Valentinstag? Iris Schmauk erinnert sich gern an besonders nette Kunden: „Die bringen uns eine kleine Schachtel Pralinen oder eine Tüte mit süßen Stückle als Aufmerksamkeit vorbei.“ Und Jürgen Merz braucht den 14. Februar nicht als besonderen Anlass, um seiner Frau Blumen zu schenken: „Aber für manche Menschen ist so ein Datum als Erinnerung wichtig, anderen mal wieder eine Freude zu machen.“

Ein Märtyrer als Namenspatron

Brauchtum
 Der Valentinstag, der am 14. Februar begangen wird, hat seine Wurzeln in der römisch-katholischen Kirche und geht vermutlich auf das Fest des heiligen Valentinus, eines Märtyrers, zurück. Dieser heilige Valentin aus Rom, der als Namenspate gilt, wurde im 3. Jahrhundert enthauptet, weil er Liebespaare nach christlichem Ritus traute, obwohl der Kaiser das verboten hatte.

Tag der Liebenden
Das Fest des heiligen Valentinus, das heute in verschiedenen Konfessionen begangen wird, wurde vermutlich erstmals im 14. Jahrhundert mit der romantischen Liebe in Verbindung gebracht. Im England des 18. Jahrhunderts entwickelte es sich zu einer Gelegenheit, bei der Liebende ihre Gefühle zum Ausdruck brachten, indem sie sich Blumen, Süßigkeiten und – oft gereimte – Kartengrüße schenkten.

Grußkarten
In Deutschland wurde der Valentinstag nach dem Zweiten Weltkrieg durch im Land stationierte US-Soldaten bekannt. In den Vereinigten Staaten wird der Tag der Liebenden mit großer Inbrunst gefeiert: Die Zahl an verschickten Grüßen zum „Valentine’s Day“ und von an Schulen und Colleges getauschten Karten wird immerhin auf eine Milliarde geschätzt. 

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