KommentarEsslinger Bücherei Ein mutiges Votum für die Bücherei-Zukunft

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Der Esslinger Gemeinderat hat sich gegen erhebliche Widerstände für den besseren von zwei nicht optimalen Standorten ausgesprochen.

Dieses Gebäude an der Küferstraße muss für den neubau weichen. Foto: Horst Rudel
Dieses Gebäude an der Küferstraße muss für den neubau weichen. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Den Mitgliedern des Esslinger Gemeinderats gebührt Respekt. Trotz des immensen Drucks, der in den vergangenen Wochen und Monaten in der Öffentlichkeit auf das Gremium aufgebaut worden ist, hat es sich am Montag mehrheitlich gegen die Sanierung des von vielen bisherigen Büchereinutzern geliebten Bebenhäuser Pfleghofs und für einen Neubau der Stadtbücherei an der Küferstraße in der östlichen Altstadt ausgesprochen.

Natürlich ist auch der Bauplatz am Standort Küferstraße nicht optimal – und erst die kommenden Monate werden zeigen, ob sich dort wirklich eine Bücherei mit 4000 Quadratmetern Nutzfläche bauen lässt. Dennoch ist die Entscheidung für einen Neubau ein ebenso mutiges wie richtiges Votum – und weist der Stadtbücherei den Weg in die Zukunft.

Denn ein Haus, das neben Arbeitsplatz und eigener Wohnung als sogenannter dritter Ort zum Kommunikations­zentrum und Treffpunkt der Stadtgesellschaft avancieren soll, braucht eine Flexibilität bei der Gestaltung der Räume, die im historischen Pfleghof nicht zu erreichen gewesen wäre.

Es sprechen aber noch weitere Kriterien für den Neubau. Gibt es eine architektonisch überzeugende Lösung, wird er neue Leser anlocken. Auch die Nähe zur Hochschule wird sich positiv auswirken. Und von der Tatsache, dass die Bücherei an einer der schönsten, allerdings ein wenig ins Hintertreffen geratenen Fußgängerzonen liegen wird, können beide – Bibliothek und Küferstraße – profitieren.

Auch das Argument, dass das historische Ambiente des Pfleghofs einmalig sei, gilt nur in begrenztem Umfang: Wer glaubt, 25 Millionen Euro ließen sich verbauen, ohne den Charakter des Gebäudes grundsätzlich zu verändern, irrt gewaltig. Bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass der Denkmalschutz nicht nachträglich die nun getroffene Grundsatzentscheidung wieder kassiert.




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