Esslinger Bürgerentscheid Noch viele offene Fragen zur Idee eines Kulturquartiers
Noch ist unklar, ob die Stadtbücherei im Bebenhäuser Pfleghof bleibt. Der Bürgerentscheid am 8. März wird zur Richtungsentscheidung.
Noch ist unklar, ob die Stadtbücherei im Bebenhäuser Pfleghof bleibt. Der Bürgerentscheid am 8. März wird zur Richtungsentscheidung.
Noch ist nicht klar, wohin die Reise für die Esslinger Stadtbücherei gehen wird: Bleibt sie im Bebenhäuser Pfleghof, ist die Zukunft des historischen Gebäudes entschieden. Sprechen sich die Bürger am 8. März mehrheitlich für einen Umzug ins frühere Modehaus Kögel aus, muss über die künftige Nutzung des Pfleghofs neu befunden werden. OB Matthias Klopfer hat ein Kulturquartier ins Spiel gebracht, ohne konkreter zu werden. Nur so viel: Das Gebäude soll in städtischem Besitz bleiben und „weiter mit einer öffentlichen Nutzung den Menschen zur Verfügung stehen“. Wie ein Kulturquartier aussehen soll, würde sich jedoch erst in den 30er-Jahren entscheiden.
Anfangs war vor allem von der Möglichkeit die Rede, das Stadtmuseum, das bisher im Gelben Haus am Hafenmarkt untergebracht ist, das Schreiber-Museum aus dem Salemer Pfleghof und die Wechsel-Ausstellungen aus dem Schwörhaus im Pfleghof zu bündeln. Zuletzt hat der OB seine Gedanken im Gemeinderat jedoch deutlich offener formuliert: „Für den Pfleghof schlage ich vor, dass wir direkt nach dem Umzug der Stadtbibliothek in die neuen Räume eine ‚Pop-up-Nutzung’ vorantreiben. Um neue Ideen und Konzepte für das Kulturquartier auszuprobieren und zu testen. Ideen von jungen Menschen, von Älteren, von Künstlerinnen und Künstlern, von Museumsmacherinnen und -machern, Kulturschaffenden, von Bürgerinnen und Bürgern. Um dann in Ruhe in den 30er-Jahren zu entscheiden, wie das neue Kulturquartier insgesamt aussehen soll.“
Überlegungen für ein Kulturquartier sind auch eine finanzielle Frage: Die „kleine, feine Sanierung“, die der Gemeinderat im Dezember 2022 für die Bücherei im Pfleghof beschlossen hat, sieht vor, dass bis 2029 insgesamt 17,3 Millionen Euro investiert werden. Auf 15 bis 20 Millionen Euro hatte der OB unlängst ein Kulturquartier im Pfleghof taxiert. Wie sich die städtischen Finanzen bis in die 30er-Jahre entwickeln werden, ist offen. Aktuell gilt Klopfers Maßgabe: „Ab sofort werden neue Investitionen nur umgesetzt, wenn sie weitgehend durch Fördermittel oder das Sondervermögen des Bundes finanziert werden können.“
Die Entscheidungen, die mit einem möglichen Kulturquartier im Pfleghof verbunden wären, sind nicht nur wegen der Finanzierung komplex. Manche bezweifeln, ob sich ein neuer Gemeinderat an die Zusage zum Erhalt des Pfleghofs in städtischer Hand halten würde. Was im Falle eines Umzugs aus dem Gelben Haus werden könnte, ist offen. Einen Umzug des Schreiber-Museums in den Pfleghof könnte sich Wolfgang Schreiber, der Sohn des letzten Schreiber-Verlagschefs, gut vorstellen: „Ein zentralerer Ort würde dem Museum gut tun.“ Das aktuelle Domizil sei nicht ideal – gerade an heißen Sommertagen. Vieles von der bisherigen Museumskonzeption lasse sich übertragen. Schreiber verweist darauf, dass der Salemer Pfleghof nicht als Dauerlösung gedacht war. Unterstützung erhält er von der Initiative Neustart, die sich für eine Bücherei im Kögel-Haus einsetzt. „Im Pfleghof könnte ein tolles Mitmach-Museum entstehen“, findet Veit Schmid, einer der Neustart-Sprecher. Dass vor dem Bürgerentscheid kein verlässliches Kulturquartier-Konzept vorliegt, sieht er nicht als Problem: „Wir sollten uns die Zeit nehmen, für den Pfleghof etwas Gutes zu entwickeln.“
Die Stadtverwaltung erklärt für den Fall einer Verlagerung der Ausstellungsflächen in den Pfleghof in den 30er-Jahren: „Das Schwörhaus böte Erweiterungspotenzial für die aktuell sehr beengten räumlichen Verhältnisse der Waisenhofschule. Es könnte zum Beispiel ein neuer Ort für kulturelle Veranstaltungen und Präsentationen innerhalb der Schule werden.“ Früher war auch ein Umzug des Schreiber-Museums ins Schwörhaus angedacht. Doch die Pläne hatten sich zerschlagen – genau wie die Suche nach Interessenten für eine Dauernutzung des Schwörhauses. 2014 ließ die Verwaltung wissen, der bauliche Zustand, die Ausstattung und das Fehlen einer leistungsfähigen Heizung hätten Interessenten abgeschreckt.