Dirk Janthur übernimmt Provinzbuch von Ulrike Ehrmann. Foto: Roberto Bulgrin
Mit ihrem Buchladen Provinzbuch ist Ulrike Ehrmann eine feste Größe in der Esslinger Küferstraße. Demnächst geht sie in den Ruhestand, doch die Nachfolge ist geregelt.
Der Buchhandel hat schon einfachere Zeiten erlebt: Jede vierte Buchhandlung ist seit 2018 verschwunden, viele haben eine schmerzliche Lücke hinterlassen. Da ist es umso bemerkenswerter, wenn einer Buchhandlung der Generationenwechsel gelingt: Ulrike Ehrmann, die seit vielen Jahren mit Provinzbuch in der Küferstraße eine feste Größe in der Esslinger Geschäftswelt und in der örtlichen Kultur ist, geht Ende April in den Ruhestand. Mit Dirk Janthur, dem Sprecher der City Initiative, und seiner Ehefrau Susanne stehen nicht minder engagierte Nachfolger in den Startlöchern. Sie wollen fortsetzen, was Ulrike Ehrmann aufgebaut hat. Und die Provinzbuch-Chefin sagt: „Für mich war immer klar, dass ich mein Geschäft nur aufgebe, wenn es eine überzeugende Nachfolge gibt.“
Die Anfänge von Provinzbuch reichen bis ins Jahr 1972 zurück: Der damalige Eigentümer Lutz Schenk hatte seinen Buchladen zunächst in der Grabbrunnenstraße. 1981 übernahmen Claudia Leutner, Bert Heim und Alexander Englmann das Geschäft, das sie 1987 in die Küferstraße 26 verlegten. Ulrike Ehrmann führt Provinzbuch seit 2004, 2018 ist sie in größere und attraktivere Räume in der Küferstraße 9 umgezogen. Für die Buchhändlerin war das auch ein Bekenntnis zu diesem Standort: „Mein Herz schlägt für die Küferstraße. Hier lebt der Einzelhandel, und das soll auch so bleiben.“
Bei ihrer Kundschaft punktet Ulrike Ehrmann mit einem profilierten belletristischen Programm. Wer sich mit ihr unterhält, der spürt rasch, dass Bücher für sie eine Herzensangelegenheit sind. „Wir verkaufen keine Schuhe, sondern Inhalte“, sagt Ehrmann. „Das sollen die Kundinnen und Kunden spüren.“ Deshalb gehört es zum Geschäftsprinzip von Provinzbuch, nicht nur stapelweise Titel aus den Bestsellerlisten anzubieten, sondern auch so manchen belletristischen Geheimtipp. Ausgewählte Sachbücher zeigen das Interesse der 66-jährigen Inhaberin an gesellschaftspolitischen Themen. Kinder- und Jugendbücher gehören ebenso zum Repertoire wie Kriminalromane. Lesungen und Konzerte oder die Beteiligung am Straßenkunstfestival Straku runden das Profil von Provinzbuch ab. Für all das wurde Provinzbuch wiederholt mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet.
„Ehre und Verpflichtung zugleich“
Die Nähe zur Kundschaft ist für Provinzbuch Geschäftsprinzip. Foto: Roberto Bulgrin
Dirk Janthur und seine Frau Susanne sind keine gelernten Buchhändler, doch die Liebe zu guten Büchern verbindet die beiden. „Für uns ist es Ehre und Verpflichtung zugleich, ein so traditionsreiches Geschäft weiterzuführen“, sagt Janthur, der sich freut, dass Ulrike Ehrmanns Mitarbeiterinnen Karin Großmeyer und Elke Schmalzriedt Provinzbuch treu bleiben werden. Und als Sprecher der Esslinger City-Initiative ist es Janthur ein besonderes Anliegen, inhabergeführte Geschäfte wie Provinzbuch in der Innenstadt zu halten. Der künftige Geschäftsinhaber ist der Küferstraße schon länger verbunden: In seinem Work-in-Shop schräg gegenüber vermietet er Arbeits- und Besprechungsräume auf Zeit, mit seiner Datenschutzberatung ist er ebenfalls dort präsent. Susanne Janthur arbeitet als zertifizierte Mediatorin ebenfalls in der Küferstraße.
Die neuen Inhaber wollen möglichst oft bei Provinzbuch präsent sein. Und sie haben sich vorgenommen, das bewährte Geschäftsmodell weiterzuführen. Gute Beratung und ein profiliertes Sortiment sollen weiterhin Markenzeichen von Provinzbuch sein, das Schulbuchgeschäft wird ebenso weitergeführt wie der Online-Bestellservice. Und auch das kulturelle Profil, das Ulrike Ehrmann stets gepflegt hat, soll bleiben: Dirk Janthur freut sich darauf, Lesungen und Konzerte weiterhin anzubieten. Und der künftige Provinzbuch-Betreiber denkt auch über sein Geschäft hinaus: „Ich hoffe, dass unser Geschäftsmodell Vorbild für andere sein kann. Es gibt Fachpersonal, das sich in der Branche auskennt, aber vielleicht die Verantwortung scheut. Wenn solche Leute sich mit anderen zusammentun, die vielleicht nicht die Branchenerfahrung mitbringen, dafür aber unternehmerischen Mut, kann daraus etwas sehr Gutes entstehen.“