Esslinger Eissportgemeinschaft Wie die Eishalle mit einer neuen Maschine Strom sparen will

Ulrich Seeker inspiziert die neue Kältemaschine der Esslinger Eishalle. Foto: Roberto Bulgrin

Hohe Strompreise machen der Eissportgemeinschaft Esslingen schwer zu schaffen. Für Abhilfe soll eine moderne Kühlmaschine sorgen. Der Verein erhofft sich, mithilfe der Sonderanfertigung zehn Prozent seines Verbrauchs einzusparen.

Volontäre: Valentin Schwarz (vas)

Nachdem Ulrich Seeker am Montagmorgen auf der Neckarinsel angekommen ist, prüft er zunächst die Pumpen des Eisstadions. Während die Esslinger Innenstadt durch einen kurzfristig errichteten Damm vor Überschwemmungen geschützt worden war, rauscht der braune Strom des Neckars nur wenige Meter von der Anlage der Eissportgemeinschaft (ESG) entfernt vorbei. Seeker, der technische Leiter des Vereins, kann jedoch rasch Entwarnung geben.

 

Deutlich stärker zu schaffen machen der ESG steigende Energiekosten. Nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Dirk Sihling werden für den Betrieb der Halle pro Saison rund 280 000 Kilowattstunden Strom benötigt. Üblicherweise lägen die Kosten dafür zwischen 55 000 und 60 000 Euro. Als zum Winter 2022/23 infolge des Krieges in der Ukraine die Energiepreise in die Höhe schossen, habe der Verein jedoch etwa 100 000 Euro für den Hallenbetrieb aufbringen müssen. Sogar eine Schließung des Stadions sei im Raum gestanden.

Sonderanfertigung aus Dänemark

Inzwischen stelle sich die Situation zwar „wieder deutlich besser dar“, berichtet Sihling. Schwankungen auf den Energiemärkten und Betriebspausen wie während der Coronapandemie könnten jedoch in Zukunft häufiger drohen. Deshalb hat der Verein 400 000 Euro in eine neue Kühlmaschine investiert. Sie habe einen großen Vorteil, erklärt Seeker. Je nach Bedarf lasse sich die Geschwindigkeit der Motoren anpassen. So sei es möglich, die Kühlung mit zehn Prozent der Maximalleistung durchzuführen. „Bei der alten Maschine gingen nur Volllast oder halbe Leistung“, sagt Seeker.

Die neue Anlage sei deshalb deutlich energieeffizienter. Seeker vermutet, dass die ESG dadurch zehn Prozent ihres jährlichen Stromverbrauchs einsparen könnte. So sollen sich die hohen Ausgaben mittel- bis langfristig rentieren. In einem Werk in Dänemark ist die Maschine eigens für die Bedürfnisse des Esslinger Eisstadions hergestellt worden. „Das ist der neueste Stand der Technik“, sagt Seeker.

Der Kreislauf der Kühlung

Derzeit wird die Anlage installiert. Wenn Ende September die neue Saison in der Halle beginnt, ist die Sonderanfertigung der Dreh- und Angelpunkt des Kühlungskreislaufes. In der Maschine befindet sich flüssiges Ammoniak. Das Gemisch aus Stickstoff und Wasserstoff fließt zunächst in einen Kondensator. „Dort kühlen wir es mit Wasser aus dem Neckar“, erklärt Seeker.

Der Austausch der Kältetechnik der Eishalle findet während der Sommerpause statt. Foto: Roberto Bulgrin

Anschließend wird das Ammoniak in die Eisfläche gedrückt. Zu diesem Zweck sind unter der Halle insgesamt 1,8 Kilometer Rohre verlegt. In der Eisfläche verdampft das Ammoniak dann. „Dadurch entzieht es dem Beton die Flüssigkeit und das Wasser auf der Fläche wird zu Eis“, so Seeker. Danach wird das nun gasförmige Ammoniak abgesaugt und wieder zurück in die Kältemaschine geleitet. Dort lässt es sich für die nächste Kühlung verwenden.

Zwischen Marokko und Neckarinsel

Als technischer Leiter achtet Seeker darauf, dass dabei alles planmäßig funktioniert. Seit der Einweihung der Eishalle 1976 wirkt er ehrenamtlich mit. Zusammen mit Dieter Fingerle ist er als eines von zwei ESG-Mitgliedern der ersten Stunde noch heute aktiv. „Ich bin damals aus Interesse zur Gründungsversammlung des Vereins gegangen“, erzählt Seeker. „Dort wurde ich gefragt, ob ich mich um die Technik kümmern kann.“ Als Qualitätsmanager in der Autoindustrie habe er die passenden Voraussetzungen dafür mitgebracht. „Technik war immer mein Thema“, sagt er. Heute ist der 71-Jährige Rentner. Genug zu tun gebe es für ihn dennoch weiterhin. Die Tätigkeit in der Eishalle nehme „einige Stunden in der Woche“ in Anspruch, berichtet er.

Außerdem ist Seeker seit mehr als 20 Jahren Vorstandsmitglied des Schwarz-Weiß-Clubs Esslingen. Er habe aber schon angekündigt, die Arbeit in dem Tanzverein zurückzufahren. Zusammen mit seiner Frau wolle er sich nämlich in Ruhe der gegenwärtigen Hauptbeschäftigung der beiden widmen: dem Reisen mit dem Wohnmobil. „Zuletzt waren wir in Marokko, als nächstes geht es in den hohen Norden“, sagt Seeker.

Der Esslinger Eishalle und ihrer Technik bleibe er jedoch weiterhin erhalten. „Als Gründungsmitglied kann man gar nicht anders“, sagt Seeker. Die Anlage liege ihm sehr am Herzen. Er fügt hinzu: „Sie hat eine zentrale Bedeutung für den Sport in der Region.“ Und trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung freut sich Seeker auf den kommenden Winter ganz besonders. Schließlich sei die Spannung groß, ob sich die neue Maschine bewähren kann.

Die Lage der Eissportgemeinschaft

Besucher
Neben den gestiegenen Energiekosten waren für den Verein in der Saison 2022/23 auch die Bauarbeiten am Holzsteg zur Neckarinsel ein Problem. Die Besuchszahlen seien deutlich gesunken, während der Weg gesperrt war, berichtet der ESG-Vorsitzende Dirk Sihling. Das habe Einbußen in Höhe von 30 000 Euro bedeutet. Die Bilanz für den Winter 2023/24 sehe jedoch deutlich besser aus. Sihling freut sich besonders, dass zahlreiche Schulklassen wieder gekommen seien. Sie hätten in der Vorsaison aufgrund der Nachwirkungen der Coronapandemie noch auf den Besuch verzichtet.

Mitglieder
Auf seine Mitglieder habe sich der Verein auch in den schweren Zeiten verlassen können, sagt Sihling. Selbst während der Pandemie seien „praktisch keine Austritte“ zu verzeichnen gewesen. In den vergangen beiden Jahren habe die Mitgliederzahl sogar zugenommen. Einige Mitglieder seien dem Verein mit Spenden zur Hilfe gekommen, berichtet der Vorsitzende.

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