Esslinger Entscheidung Kein Baustopp auf der Vogelsangbrücke

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Die Esslinger Verwaltung hält am bisherigen Plan zur Sanierung fest – und erteilt den Händlern Ratschläge.

Ein Bild aus besseren Tagen, als der Verkehr noch vierspurig rollte. Foto:  
Ein Bild aus besseren Tagen, als der Verkehr noch vierspurig rollte. Foto:  

Esslingen - Die Prüfung des am Donnerstag veröffentlichten Wunsches der City-Initiative Esslingen, im November auf der Vogelsangbrücke einen zweimonatigen Baustopp einzulegen, um die Zufahrt zum diesjährigen Mittelalter- und Weihnachtsmarkt zu erleichtern, hat nicht lange gedauert. Im Ton zunächst verbindlich, in der Sache aber knallhart hat die Esslinger Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung zwar „vollstes Verständnis für die Sorgen des Handels“geäußert.

Zugleich heißt es weiter: „Da ein zweimonatiger Baustopp allerdings viele negative Folgen für den abgestimmten Sanierungsfahrplan, auf geltende Verträge wie auch das Weihnachtsgeschäft im nächsten Jahr hätte, hält die Stadt Esslingen an ihrem Zeitplan fest.“

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Ein Baustopp würde, so die Stadt, zu erheblichen Mehrkosten führen: So müssten an die beteiligten Firmen hohe Summen für Stillstandszeiten gezahlt werden. Zudem würde die Glaubwürdigkeit der Stadt in Frage gestellt. Weitere negative Folgen: der Neubau der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke sei an die Fertigstellung der Vogelsangbrücke gekoppelt. Da die Fördergelder für diesen Neubau zeitlich gebunden seien, wären Zuschüsse über mehrere Millionen Euro gefährdet.

Intensiv habe man sich im Vorfeld mit der Baustellenlogistik befasst. Auf eine zunächst ins Auge gefasste Vollsperrung, die den Bauablauf deutlich vereinfacht hätte, habe man mit Rücksicht auf die Händler verzichtet. Zudem habe man sehr wohl den Weihnachtsmarkttermin, allerdings den vom kommenden Jahr, im Auge gehabt. Denn nach der aktuellen Prognose werden die Bauarbeiten auf der Vogelsangbrücke rechtzeitig zum Beginn des Mittelalter- und Weihnachtsmarkts 2020 abgeschlossen sein. Wörtlich heißt es: „Bei einem zwischenzeitigen Baustopp wäre nichts gewonnen, im Gegenteil: Würden die Arbeiten vom November 2019 bis Januar 2020 für zwei Monate unterbrochen, träfe es den Weihnachtsmarkt und das gesamte Weihnachtsgeschäft 2020 und die Esslinger Bürgerschaft müsste die Baustelle bis Februar 2021 ertragen.“

Die Fahrspuren werden verbreitert

Allerdings nehme die Verwaltung mit Rücksicht auf das diesjährige Weihnachtsgeschäft „entscheidende Änderungen am Baugeschehen“ vor. So will das Tiefbauamt die Fahrspuren auf der Brücke auf 2,95 Metern verbreitern, obwohl damit „erhebliche baulogistische Schwierigkeiten verbunden“ seien. Dank dieser Anpassung könnten Reisebusse die Brücke ungehindert passieren. Auch sämtliche Rampen sollen bis zum Beginn der nächsten Phase der Sanierungsarbeiten im November wieder geöffnet sein. Auch könnten alle Parkhäuser genutzt werden. Zudem sollen die Verkehrsteilnehmer auf die Hanns-Martin-Schleyer-Brücke und die Adenauerbrücke ausweichen. Es sei also nur in Stoßzeiten mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen.

Am Schluss holt die Verwaltung dann doch noch zum Gegenschlag aus und kommt zu dem Schluss: „Die Angst vor einem Rückgang der Besucherzahl aufgrund der Verkehrssituation halten wir für unbegründet und für nicht angebracht. Klüger wäre es, auch seitens des Handels Anreize zur Nutzung alternativer Verkehrsmittel zu setzen. So könnte man entspannte und zufriedene Kunden gewinnen, die gerne wiederkommen.“