Wenn Ralf Weinberger an Songkran in Thailand durch die Straßen geht, darf er sich über so manche kalte Dusche nicht wundern. Foto: privat
Ralf Weinberger ist Esslinger aus Passion, doch in der kalten Jahreszeit zieht es ihn nach Fernost. Zu Ostern ist er diesmal in Fernost, wo ganz anders gefeiert wird.
Ralf Weinberger ist ein Tausendsassa: Er ist Buchautor, Zauberkünstler, Heilpraktiker, Gedächtnistrainer, Entertainer, und er hat vor vielen Jahren die beliebten Kanutouren auf den Neckarkanälen etabliert. Obwohl er sich durch und durch als Esslinger fühlt, verbringt der 63-Jährige die kalten Wintermonate gern in Bangkok. Dort fühlt er sich bei Temperaturen um die 30 Grad pudelwohl.
Nur eines fehlt ihm in diesen Tagen: Anders als das Weihnachtsfest, das in Bangkok mit bonbonbuntem Pomp gefeiert wird, spielt Ostern dort keine Rolle. Stattdessen gibt es nur wenige Tage später in Thailand ein Fest, das tief in der fernöstlichen Kultur verwurzelt ist: Songkran, das thailändische Neujahrsfest.
Wenn am Wochenende hierzulande Ostern gefeiert wird, wird Ralf Weinberger wehmütig an zuhause denken. „Ostern in Deutschland hat für mich einen besonderen Reiz“, erzählt er. „Ich liebe es, die bunten Eier zu verstecken und mit meinem Enkel auf Geschenkesuche zu gehen. Die Freude in den Augen der Kinder, wenn sie ein Ei oder ein kleines Präsent entdecken, ist unbezahlbar. Für mich ist Ostern ein Moment der Verbundenheit in der Familie – eine Gelegenheit, gemeinsam Zeit zu verbringen und die kleinen Traditionen zu pflegen, die uns über Generationen hinweg begleiten. Es ist ein Fest voller Farben, Lachen und Herzlichkeit. Genau das liebe ich daran.“
Dass er die Osterzeit diesmal nicht mit seinen Lieben erleben kann, ist für Weinberger bei aller Liebe zu Bangkok ein spezielles Gefühl: „Durch familiäre Umstände bin ich gerade allein unterwegs, was in solchen Momenten besonders spürbar ist. Während zu Hause die Familie zusammenkommt und feiert, spürt man die Distanz noch stärker. Es ist toll in Bangkok, aber man ist umgeben von einer fremden Kultur und anderen Traditionen, und die gewohnte Atmosphäre fehlt.“ Gern würde er diese Zeit mit seiner Freundin teilen. Er genießt allerdings auch die neue Perspektive und die Vorfreude auf das nächste gemeinsame Fest mit der Familie.
Ein Esslinger feiert in Fernost
Umso mehr freut sich der Esslinger nun auf Songkran in Bangkok: „Thailand ist ein Land voller Feste und Feierlaune und hat die Welt schon lange umarmt.“ Weihnachten mit Bäumen, Lichtern und Liedern wird gefeiert, das europäische Neujahr wird begrüßt. Ein orthodoxes Osterfest wie in Europa gibt es hier allerdings nicht. Songkran greift in der Frühlingszeit jedoch ebenfalls Themen wie Erneuerung und Reinigung auf.
„Das Fest markiert traditionell den Beginn des neuen Jahres nach dem alten Thai-Kalender und gleichzeitig das Ende der Trockenzeit – ein Wendepunkt, zu dem Wasser als Symbol der Reinigung und Erneuerung eine zentrale Rolle spielt“, erklärt der Esslinger. „Wasser wird zur Reinigung benutzt, um das Unglück des alten Jahres wegzuwaschen. Und man benetzt die Hände der Älteren, um ihnen Respekt zu zollen.“
Inzwischen sei Songkran aber auch Anlass für ausgelassene Partys. „Menschen bespritzen sich gegenseitig mit Wasser. In den belebten Straßen werden sogar Motorradfahrer, Passanten und Autos in wilde Wasserschlachten einbezogen, die für trockene Geschäftstermine jede Hoffnung nehmen.“ Gefeiert wird Songkran in diesem Jahr vom 13. bis 15. April.
Vieles in Bangkok erinnert den Esslinger Ralf Weinberger zu Weihnachten an zuhause. Foto: privat
Thailändisches Wasserfest Songkran macht Eindruck
Das thailändische Wasserfest hat bei Ralf Weinberger bleibenden Eindruck hinterlassen: „In einem meiner ersten Jahren in Thailand geriet ich ohne Vorwissen mitten hinein. Ich hatte die Illusion, mit einem Motorroller entspannt über die Insel Phuket fahren zu können. Doch schon kurz nach der Ankunft am Flughafen war ich innerhalb weniger Meter völlig durchnässt – bis auf die Unterwäsche. Es ist sogar ein wenig gefährlich, wenn einem während der Fahrt plötzlich ein Eimer Wasser ins Gesicht schwappt. In einem Gasthaus habe mich umgezogen und dann trocken wieder auf die Straße gewagt. Kaum draußen, war ich wieder durchnässt – dieses Mal mitten im Getümmel der Feiernden. Trotz der sprachlichen Barrieren war der Spaß spürbar, das gemeinsame Lachen mit Fremden reichte, um das Erlebnis unvergesslich zu machen. Besonders berührend war, als plötzlich eine Frau aus einem Haus kam und alle mit Essen versorgte. Das war ein unvergesslicher Moment echter Herzlichkeit und Gastfreundschaft.“
Später hat Ralf Weinberger Songkran vor allem in touristischen Gebieten erlebt. „Da war der Spaß deutlich geringer, weil das Wasserwerfen teilweise eher erzwungen wirkte“, hat er festgestellt. „Die Feierlichkeit kam nicht aus dem Herzen, und man spürte eher eine Art Boshaftigkeit der Touristen untereinander als die pure Lebensfreude, die ich zuvor in den Dörfern bei den Einheimischen erlebt hatte.“
Umso mehr wird der Esslinger am Wochenende an seine Familie zuhause und an das Osterfest in unseren Breiten denken: „Unsere Feste in Deutschland sind Teil der persönlichen Wurzeln und gleichzeitig ein Maßstab dafür, wie anders und großartig andere Kulturen ihre Festtage begehen. In Thailand wird alles viel intensiver gefeiert. Diese Feste verbinden hier wie dort Gemeinschaft, Tradition, Emotionen und Lebensfreude – allerdings auf eine Weise, die man nur schwer miteinander vergleichen kann.“
Songkran und sein Hintergrund
Historisch Der Name Songkran stammt aus dem Sanskrit. „Es geht um Übergang, Reinigung und Neubeginn – ähnlich wie bei uns an Ostern, nur in einer eigenständigen, traditionell buddhistischen Form“, erklärt Ralf Weinberger. Das Fest hat eine lange Tradition in Thailand. Zentrales Element ist das Wasser. Ursprünglich wurden Buddha-Statuen und die Hände von Älteren sanft mit Wasser benetzt, um Respekt zu bekunden und Glück zu bringen. Heute werden daraus oft ausgelassene Wasserschlachten, die das Unglück des alten Jahres wegspülen sollen.
Gegenwärtig „Heute ist Songkran ein fester Bestandteil des Jahreskalenders und als Volksfest tief in der thailändischen Kultur verankert“, weiß Ralf Weinberger. „Die offiziellen Feiertage wurden seit dem 20. Jahrhundert immer wieder angepasst, um Raum für Familienzusammenkünfte, religiöse Rituale und Festlaune zu schaffen. In diesem Jahr fällt Songkran auf den 13. bis 15. April. „Viele der Feierlichkeiten dauern – vor allem in beliebten Regionen wie Chiang Mai oder Pattaya – jedoch auch deutlich länger.“