Die Liebe zu Löschfahrzeugen vereint die Generationen: Robert Keller freut sich über seine jungen Mitstreiter Luis Kienle, Niels Keller und Marianna Cascio (von links). Foto: Roberto Bulgri/n
Die Feuerwehroldtimerfreunde Esslingen haben ein Faible für historische Löschfahrzeuge. Ihre Fahrzeughalle birgt viele Schätze. Jedes dieser Fahrzeuge hat seine eigene Geschichte – wie jenes Tanklöschfahrzeug, das lange Jahre in Wäldenbronn Dienst tat.
Alexander Maier
12.09.2024 - 15:23 Uhr
Historische Löschfahrzeuge üben auf viele Menschen seit Kindertagen einen besonderen Reiz aus. Die aktiven Mitglieder der Feuerwehroldtimerfreunde Esslingen halten solche rot lackierte Raritäten in Ehren. Zahlreiche Feuerwehrfahrzeuge zählt ihre Sammlung – das älteste ist ein Hydrophor aus dem Jahr 1901. Nach aufwendiger Restaurierung funktioniert die Handpumpe auf vier Rädern heute wieder wie zu besten Zeiten. Jedes Fahrzeug aus dem Feuerwehroldtimerfreunde-Fundus erzählt seine eigenen Geschichten. Und manche sind reichlich kurios – wie die eines Tanklöschfahrzeugs vom Typ TLF 15, das die Stadt Esslingen 1949 in Dienst gestellt und 1977 nach seiner Ausmusterung der belgischen Stadt Becelaere überlassen hatte, wo der Feuerwehr-Oldie noch 21 Jahre lang Dienst tat, ehe er nach Esslingen zurückkehrte.
In unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit haben der Vereinsvorsitzende Robert Keller und seine Mitstreiter an der Alten Kelter in Wäldenbronn eine moderne Fahrzeughalle mit perfekt eingerichteter Werkstatt gebaut. Weil dort jedoch der Platz schon wieder knapp wird, können die Feuerwehroldtimerfreunde nicht jedes Auto, das sie bekommen könnten, in ihre Sammlung aufnehmen. „Es muss schon etwas Besonderes sein“, sagt Keller, der den lokalen Bezug schätzt: „Viele unserer Mitglieder waren oder sind selbst bei der Feuerwehr aktiv. Wenn man mit einem Löschfahrzeug immer wieder im Einsatz war, verbindet das. An solchen Fahrzeugen hängt viel Herzblut, und man möchte dafür sorgen, dass sie gut erhalten bleiben.“ Das gilt auch für jenes Tanklöschfahrzeug vom Typ TLF 16/25, das 1975 gebaut worden war und lange Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr im Esslinger Stadtteil Wäldenbronn Dienst tat. Jahrzehnte lang war der „Tanker“ dort im Einsatz – nachdem er ausgedient hatte, war er seit 2002 in einer Werkhalle in Köngen untergestellt. Dank Robert Keller und seinen Aktiven ist der Oldie zurück in Esslingen und dürfte beim Feuerwehroldtimerfest am Wochenende Erinnerungen wecken.
Ein Hydrophor aus dem Jahr 1901, eine Hand-Löschpumpe auf vier Rädern, ist das älteste Fahrzeug der Sammlung. Foto: Roberto B/ulgrin
Die Technik-Experten des Vereins wissen, wie sie mit historischen Fahrzeugen umzugehen haben – Robert Keller war früher Versuchsmechaniker in der Motoren-Vorentwicklung bei Daimler und bringt deshalb genügend Wissen und Erfahrung mit. Beim früheren Wäldenbronner „Tanker“ war rasch klar, dass sich der Aufwand in Grenzen halten würde: Das Fahrzeug war schon vor gut 20 Jahren auf Vordermann gebracht worden – seither stand es im Trockenen und wurde kaum bewegt. „Auch wenn der technische Zustand gut ist, kann man nicht einfach einsteigen und losfahren“, betont Keller jedoch. „Da müsste man schnell mit Schäden rechnen.“
Deshalb wurde der TLF 16/25 per Tieflader aus Köngen nach Wäldenbronn gebracht und von der Technik-Crew des Vereins erst mal auf Herz und Nieren geprüft. Der Motor musste wiederbelebt, die Bremsen mussten überarbeitet werden – ansonsten hielt sich der Aufwand aber in Grenzen. Ähnlich war’s vor Jahren beim TLF 15, der nach seinem Intermezzo in Becelaere vor einigen Jahren im „Ruhestand“ nach Esslingen zurückgekehrt war. Auch dieser Oldie war nach seiner Rückkehr aufwendig hergerichtet worden. Nachdem ihn die Feuerwehroldtimerfreunde übernommen hatten, musste der Motor überarbeitet, Bremsen und Bremsleitungen mussten auf den neuesten Stand gebracht werden. Heute ist der TLF 15 wieder in Bestzustand. Bei anderen Oldies war der Restaurierungsaufwand allerdings auch schon mal deutlich größer.
Ein Hobby, das auch Junge begeistert
„Bei uns packt immer jemand an, wenn etwas zu tun ist“, sagt Robert Keller. Ob beim Restaurieren oder beim Feuerwehroldtimerfest – der 76-Jährige muss nie lange um Hilfe bitten. Was ihn besonders freut: „Unsere Mitgliederzahl wächst weiter. Darunter sind rund 20 Junge im Alter um die 20 bis 30.“ Und die packen kräftig mit an – so wie Marianna Cascio, Luis Kienle und Niels Keller. „Das ist eine richtig lebendige Truppe“, sagt Luis Kienle, der die Begeisterung für die Feuerwehr von seinem Opa geerbt hat: „Er war bei der Feuerwehr und hat manche der Fahrzeuge selbst gefahren.“ Marianna Cascio schätzt vor allem das gute Miteinander: „Wir verstehen uns einfach super.“ Und Niels Keller engagiert sich im Verein nicht nur wegen seines Großvaters und Vereinsvorsitzenden Robert Keller, sondern auch, weil ihn die Technik reizt. Robert Keller kann das gut verstehen: „Unsere Fahrzeuge haben eine Technik, die sehr gut greifbar ist. Man kann alles selber machen. Das ist bei der heutigen Elektronik nicht mehr möglich.“ Und wenn man nach getaner Arbeit die Oldies zu besonderen Gelegenheiten auch noch Probe fahren darf, ist die Begeisterung fürs Hobby noch größer.
Die Feuerwehroldtimerfreunde feiern am Wochenende
Der Verein Die Feuerwehroldtimerfreunde Esslingen wurden 1998 gegründet. Liebhaber historischer Löschfahrzeuge hatten damals erfahren, dass eine ausgediente Drehleiter vom Typ DL 30, die seit den 50er-Jahren bei der Esslinger Feuerwehr im Einsatz gewesen war, unbeachtet in einer Halle in Fellbach stand. Sie boten an, sich um das historische Fahrzeug zu kümmern, und die Stadt stimmte unter der Voraussetzung zu, dass ein eingetragener Verein dahintersteht. Heute ist diese Drehleiter, die von den Vereinsmitgliedern liebevoll „Lady“ genannt wird, eines der Glanzstücke in der Sammlung der Feuerwehroldtimerfreunde. Mit 31 Mitgliedern war der Verein damals an den Start gegangen – heute zählt der Vorsitzende Robert Keller rund 180 Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die sich der Pflege historischer Feuerwehrfahrzeuge verschrieben haben und die das rege Vereinsleben zu schätzen wissen.
Das Fest Weil die Vereinsmitglieder ihre Liebe zu historischen Löschfahrzeugen gerne auch mit anderen teilen, laden sie am Wochenende zum Feuerwehroldtimerfest in die Alte Kelter im Esslinger Stadtteil Wäldenbronn ein. Gefeiert wird am Samstag, 14. September, ab 15 Uhr sowie am Sonntag, 15. September, ab 10 Uhr. Zu sehen gibt es die liebevoll restaurierten Feuerwehrautos, zu genießen gibt es Leckeres aus der Küche und vom Grill.