Bummeln in der Innenstadt Ach, wär doch immer Esslinger Frühling

Menschen so weit das Auge reicht: Der Esslinger Frühling hat mal wieder einen echten Run auf die Innenstadt ausgelöst. Foto: Roberto Bulgrin

Die Belebung der Esslinger Innenstadt ist ein Dauerthema – nach der Schließung von Karstadt und Kögel mehr denn je. An einem Wochenende wie diesem spielt das jedoch keine Rolle.

Region: Andreas Pflüger (eas)

Keine Frage, die Bedingungen hätten besser nicht sein können: ein fast blauer Himmel mit viel Sonne, dazu perfekte Temperaturen für einen ausgedehnten Bummel. Die Stadt war rappelvoll beim Esslinger Frühling, schon am Samstag und mehr noch am verkaufsoffenen Sonntag. Auf die zahllosen Besucherinnen wartete ein umfangreiches Programm. Um die Belebung der Innenstadt musste man sich am Wochenende jedenfalls keine Sorgen machen.

 

Die Gartentage boten so ziemlich alles, um Pflanzen- und Blütenträume zu befriedigen, aber es kamen auch die Freundinnen und Freunde der Kreativität, der Kunst, des Handwerks und der Antiquitäten auf ihre Kosten. Einen „Bücherei-Testlauf“ gab es im ehemaligen Modehaus Kögel ebenfalls schon mal. Neue oder gebrauchte Schmöker, klassische oder moderne, kombiniert mit Lesungen im Untergeschoss des Hauses: Der Büchermarkt zeigte auf, dass hier durchaus ein Platz für literarische und belletristische Werke sowie für etliche weitere Medien sein könnte. Zugleich nutzte der Besitzer des Gebäudes die Gelegenheit für einen finalen Abverkauf von Hosen, Hemden, Kleidern, Blusen und weiteren Schnäppchen.

Das Durchkommen fiel manchmal schwer

Ob drinnen in den Geschäften oder draußen auf den Straßen und Plätzen: Das Durchkommen fiel manchmal schwer. Zum Start des traditionellen Entenrennens, das einmal mehr der Round Table Esslingen organisiert hatte, standen die Menschen am Wehrneckar dicht an dicht. Ähnlich gut war die Mobilitätsschau auf dem Marktplatz gefüllt, wo sich Auto-, Motorrad- und Fahrradfans tummelten. Vor allem das junge Publikum – und nicht zuletzt die begleitenden Eltern – zog es obendrein auf den Hafenmarkt, wo das Heiges-Spieleparadies seinem Namen alle Ehre machte. Und ganz gleich, wo man sich umhörte, der Tenor bei denen, die es sich in der Stadt gut gehen ließen, aber auch bei denen, die dafür gesorgt haben, dass das möglich ist, war ziemlich einhellig: „Ach, wär doch immer Esslinger Frühling.“

Dass das nicht möglich ist, wissen natürlich alle. Und dass die Attraktivität einer Einkaufsstadt leidet, wenn Frequenzbringer wie eben Kögel oder auch Karstadt schließen, ebenfalls. Gleichwohl gibt es, wie nicht nur Andrea Menze findet, Möglichkeiten, die City auch im Alltag zu beleben. Die Inhaberin der Boutique Paulette wirbt deshalb einmal mehr für ihr Konzept „Innenstadt-Liebe“. „Ich mache Aktionen leidenschaftlich gerne und zusammen mit vielen Kolleginnen und Kollegen realisieren wir da auch was“ sagt sie. Jeder, der jetzt noch da sei, sei wichtig und deshalb sollte man sich da auch gegenseitig bereichern und füreinander werben. „Die Anreize müssen wir selber schaffen und wenn wir das jeder für sich, aber doch miteinander umsetzen, bringt das allen mehr Frequenz“, fügt Menze hinzu. Dass das wiederum nur mit Unterstützung der Stadtverwaltung möglich ist, steht für die Geschäftsfrau außer Frage: „Und da würde ich mir schon ein wenig mehr wünschen.“

Brändle-Gößl: Esslingen ist irgendwann mal stehen geblieben

Ins gleiche Horn stößt Liesa Brändle-Gößl, die das Brillenarchiv 3 in der Archivstraße betreibt: „Es fehlt an Offenheit“, betont sie, „und zwar bei den Händlern untereinander, aber auch seitens der Stadt den Ideen der Geschäftsleute gegenüber“. Dabei müsse unbedingt was getan werden. Leerstände seien immer „bescheiden“ und leider schrumple das Angebot mehr und mehr zusammen, ergänzt sie. „Es muss ja nicht sein, dass wir Hand in Hand arbeiten, aber schon gemeinsam, etwa mit einheitlichen Öffnungszeiten und mit Aktionen, bei denen der eine dem anderen etwas gönnt“ Es brauche auch mal unkonventionelle Gedanken, um das etwas aufleben zu lassen, erklärt Brändle-Gößl und fordert von der Stadt, „mit der Zeit zu gehen“. Esslingen sei, so ihr Eindruck, irgendwann einmal stehen geblieben und agiere in vielen Fällen „nicht clever“. Die Abschaffung des Stadttickets für den Bus und die fast gleichzeitige Erhöhung der Parkgebühren seien da nur ein Beispiel, fährt sie fort. „Und das meiste ist schlicht zu kompliziert, so dass ich oft an Asterix in Rom und den Passierschein A 38 denken muss.“

City-Managerin Carina Killer weiß natürlich um diese Probleme und so sehr sie mit dem Verlauf des Esslinger Frühlings und auch mit dem ersten, positiven Feedback, nicht zuletzt seitens der Händler, zufrieden war, weiß sie um die anstehenden Aufgaben: „Wir sind untereinander ständig im Austausch und haben jetzt, in Absprache mit dem Ordnungsamt, die Gestaltungsrichtlinien evaluiert.“ Sie hoffe sehr, dass der Gemeinderat die Neufassung im Mai absegne, „damit wir hier auf einen grünen Zweig kommen“, betont Killer. Ansonsten setzt sie darauf, „dass die Entbürokratisierung weiter voranschreitet, auch wenn das immer ein Stück weit dauert“. Für die City-Managerin ist indes klar, und da ist sie sich mit den Geschäftsleuten einig, dass es in Esslingen abseits aller Events noch einiges zu tun gibt.

Weitere Veranstaltungshighlights in diesem Jahr

Magneten
 Gut frequentiert sein wird die Esslinger Innenstadt in den nächsten Monaten auch bei vielen weiteren Veranstaltungen. An den Wochenenden gibt es zum Beispiel Stadtführungen, Konzerte und Theateraufführungen.

Termine
 Einige Höhepunkte werden sicher wieder für regen Zulauf sorgen. Am 12. Mai steht der Esslinger Weinwandertag an, ehe richtig Vollgas gegeben wird. Dem Schwörfest vom 5. bis 7. Juli – gepaart mit dem EZ-Lauf – folgen das Open-Air-Kino auf der Burg vom 5. Juli bis 3. August und das Estival (2. bis 14. August). Am 7. September zum Ende der Sommerferien heißt es wieder ES funkelt. Vom 27. bis zum 29. September steigt das Kulturfestival Stadt im Fluss, ehe am 10. November der Esslinger Herbst und damit ein weiterer verkaufsoffener Sonntag ansteht. Der Jahresabschluss gebührt traditionell dem Mittelalter- und Weihnachtsmarkt (26. November bis 22. Dezember).

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen Video