Esslinger Großprojekte Pläne für Innenstadt – „Zeit, dass auf dem Karstadt-Areal etwas vorangeht“

Das frühere Karstadt-Warenhaus in der Bahnhofstraße steht schon lange leer. Nun soll es dort endlich vorwärtsgehen. Foto: Roberto Bulgrin

Lange Zeit blieben diverse Projekte für die Esslinger Innenstadt in der Pipeline – nun soll es vorangehen. Eine wesentlich Rolle spielt dabei das Karstadt-Areal.

Reporter: Alexander Maier (adi)

In der Esslinger Innenstadt soll sich in den kommenden Jahren einiges bewegen: Große Bauprojekte, die teils seit Jahren in der Pipeline stecken, sollen nun realisiert werden – allen voran die Neuordnung des Karstadt-Areals und die Umgestaltung des Marktplatzes. Baubürgermeister Hans-Georg Sigel ist sich der vielfältigen Herausforderungen bewusst, wenn mehrere Bauprojekte parallel zu meistern sind. Doch er sieht vor allem die Zukunftschancen für Esslingen und seine Innenstadt. Und er ist zuversichtlich, dass die Projekte nun auf einem guten Weg sind.

 

Gerade der Neubeginn auf dem Karstadt-Areal liegt der Stadt schon lange am Herzen. Das frühere Warenhaus steht leer, der angrenzende Parkplatz ist alles andere als ansehnlich. Seit den 80er-Jahren soll die Brache im Herzen der Stadt bebaut werden, verschiedene Investoren haben sich daran versucht und dann wieder das Handtuch geworfen. Nun will der neue Eigentümer, die Strabag Real Estate, dem ehemaligen Karstadt-Gebäude neues Leben einhauchen und auf dem angrenzenden Parkplatzgelände zusammen mit dem Schwesterunternehmen Züblin neue Wohnungen und Gewerbeflächen bauen.

12 000 Quadratmeter für Esslinger Einzelhandel

Alles andere als ein Schmuckstück: der frühere Kartstadt-Parkplatz

„Qess – Das neue Quartier mitten in Esslingen“ nennt sich das Projekt, das zwischen Bahnhofstraße, Martinstraße und Ehnisgasse Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Ausgehen und Begegnen miteinander verbinden soll. Geplant sind auf dem Parkplatzareal 162 Wohnungen, im ehemaligen Warenhaus soll es rund 12 000 Quadratmeter Einkaufsfläche sowie Büros und eventuell ein Fitnesscenter geben.

Mit dem Gebäude und dem Grundstück hat die Strabag Real Estate auch die bereits genehmigte Planung für das Areal übernommen. Axel Möhrle, Bereichsleiter bei Strabag Real Estate für den württembergischen Raum, ist überzeugt, das Projekt, an dem sich andere die Zähne ausgebissen hatten, zum Erfolg zu führen. Dass mit Strabag Real Estate und Züblin renommierte Firmen hinter der Realisierung stehen, zählt für ihn ebenso zu den Erfolgsfaktoren wie die Tatsache, dass man nicht auf Fremdkapital angewiesen ist. Vor allem aber haben die neuen Bauherren die vorhandenen Pläne innerhalb der baurechtlich gesetzten Vorgaben so angepasst, dass sich die unterschiedlichen Nutzungen möglichst gut ergänzen und dass das Angebot der veränderten Marktlage besser gerecht wird.

Bisherige Planungen werden korrigiert

Die Warenhaus-Fassade wird sich verändern. Foto: Roberto Bulgrin

So wurde die durchschnittliche Wohnungsgröße von bislang 92 auf 74 Quadratmeter reduziert, um erschwinglichere Kaufpreise zu ermöglichen. Die geplanten „Town-Houses“ auf einem Teil des bestehenden Karstadt-Gebäudes, die nach Möhrles Einschätzung nicht mehr in die Zeit passen, werden gestrichen, ein zweites Tiefgaragen-Geschoss fällt ebenso weg. Statt bislang geplanter 226 Stellplätze wird es nur noch 143 geben, die für diejenigen reserviert werden, die im „Qess“ wohnen und arbeiten.

Strabag-Bereichsleiter Axel Möhrle und Baubürgermeister Hans-Georg Sigel finden, dass es im Umfeld genügend andere Parkmöglichkeiten für Kunden gebe. Und sie verweisen auf die gute Erreichbarkeit dank der Nähe zum Bahnhof. „So lässt sich der Verkehr in der Martinstraße deutlich reduzieren“, erkennt Sigel einen weiteren Effekt des reduzierten Stellplatz-Angebots. Projektentwickler Sandro Jordan sieht auch Potenzial, um mehr für das Mikroklima zu tun als bisher geplant. Im Innenhof sollen begrünte Bereiche entstehen, die nicht nur Bewohnern und Nutzern des „Qess“ zur Verfügung stehen, sondern auch öffentlich nutzbar sind.

Archäologen erkunden den Esslinger Untergrund

Die Neuordnung des Karstadt-Areals wird die Stadt und die Bauherren lange Zeit beschäftigen. Da man sich auf geschichtsträchtigem Terrain bewegt, müssen zunächst letzte archäologische Untersuchungen laufen. Von September 2025 bis zum ersten Quartal 2026 wird die Kanalisation an die neuen Anforderungen angepasst, die Stadtwerke müssen Fernwärmeleitungen verlegen, damit auch das „Qess“ angeschlossen werden kann. Unterdessen geben Sandro Jordan und seine Kollegen der Feinplanung den letzten Schliff. Sobald die Tiefbauarbeiten erledigt sind, will Strabag im zweiten Quartal 2026 mit dem Rohbau auf dem Parkplatzgelände beginnen. Das frühere Warenhaus wird weitgehend entkernt und soll sich künftig auch von außen attraktiver präsentieren.

Sandro Jordan ist zuversichtlich, dass das neue Stadtquartier bis 2029 fertig wird. Und er ist sich wohl bewusst, dass eine Baustelle dieser Größe für die Anwohner und für die ganze Innenstadt eine Herausforderung ist. Er versichert: „Wir wollen alles tun, um die Belastung so gering wie möglich zu halten.“ Dazu gehört eine intensive Kommunikation mit den Anwohnern. Baubürgermeister Hans-Georg Sigel ist überzeugt, dass am Ende viele von diesem Projekt profitieren werden: „Das wird das Erscheinungsbild unserer Stadt deutlich verbessern und die Bahnhofstraße attraktiver an die Pliensau anbinden. Es wird Zeit, dass auf dem Karstadt-Areal endlich etwas vorangeht.“

Bewegung in vielen Bereichen

Herausforderungen
 Lange Zeit war es in vielen Bereichen der Esslinger Innenstadt ruhig – manche meinen auch: zu ruhig. Nun soll es an verschiedenen Stellen vorwärtsgehen. Baubürgermeister Hans-Georg Sigel weiß, dass es kein leichtes Unterfangen ist, gleich mehrere große Projekte parallel durchzuziehen. Doch er ist sicher, dass sich die Mühe und die Investitionen für Esslingen lohnen werden.

Projekte
 Da ist etwa der Bau des Neckaruferparks, der Ende 2025 fertig sein soll. Die Neugestaltung des Marktplatzes ist bis Pfingsten 2027 geplant. Ein Teil der Pliensaubrücke über den Neckar soll bis Ende 2027 neu gebaut werden. Der Oberleitungsausbau für den städtischen Busverkehr schreitet ebenfalls voran: Der Zollberg und der Esslinger Norden sind im Herbst 2025 an der Reihe. Dann folgt der Altstadtring von der Maillekreuzung über Kiesstraße, Grabbrunnenstraße, Ebershaldenstraße, Augustinerstraße und Berliner Straße bis zum Schelztor. Die Sanierung des Geiselbachkanals kommt gut voran. Bis Ende 2027 steht die Sanierung der Schelztorhalle auf dem städtischen Bauprogramm, und auch die Neugestaltung der Ritterstraße steht an.

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